Online-Sucht - Präventions-Projekt gestartet

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) hat in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse (TK) das bundesweit einzigartige Computer- und Internetsuchtprojekt „Netz mit Web-Fehlern?“ ins Leben gerufen.

von Andre Linken,
29.09.2008 10:01 Uhr

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) hat in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse (TK) das bundesweit einzigartige Computer- und Internetsuchtprojekt „Netz mit Web-Fehlern?“ ins Leben gerufen. Besonders anziehend für die zumeist männlichen Betroffenen seien Online-Rollenspiele wie World of Warcraft, erklärt Wolfgang Schmidt, Geschäftsführer der HLS.

Computersucht sei aber nicht nur »ein Jugend-, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem«. Beispiele für die Internet-Obsession Erwachsener können unter anderem zwanghafte virtuelle Kontaktsuche oder Cybersex-Abhängigkeit sein. Schätzungen zufolge seien neun bis zwölf Prozent aller Bundesbürger, die regelmäßig im Internet spielen, süchtig. Maßgebliche repräsentative Untersuchungen fehlten aber noch. Ebenfalls ungeklärt sei bislang, welche Therapieform für Computer- und Onlinesucht die beste ist.

Nach Ansicht von Nadine Müller von der TK Hessen belaste Computersucht die Menschen und mache sie krank. Die Krankenkasse fördert das Projekt zwei Jahre lang, im ersten mit rund 42.000 Euro. „Netz mit Web-Fehlern?“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Betroffene und Angehörige zu sensibilisieren und Hilfen bei exzessiver PC-Nutzung zu bieten. In diesem Jahr sollen dafür noch rund 15 Medienkompetenz-Seminare veranstaltet werden. Weiterhin sind eine Info-Broschüre, Fortbildungen für Suchtberater sowie der Aufbau eines Selbsthilfe-Netzwerks geplant.

Vor allem Angehörige sollten genau auf eventuelle Warnsignale achten. »Die Betroffenen verbringen regelmäßig viele Stunden am Tag und oft auch in der Nacht mit Spielen und sind bereit, soziale Kontakte, Schule und Beruf völlig zu vernachlässigen«, so Schmidt. Für Familie und Freunde seien die Jugendlichen nicht mehr richtig ansprechbar, nähmen nur selten an den Mahlzeiten teil und vernachlässigten die Körperhygiene. Weitere Hinweise können laut Schmidt auch der Kontrollverlust beim Spielen und Entzugserscheinungen wie Gereiztheit sein.

»Wir müssen den Kindern helfen, Normalität im Umgang mit Medien zu erreichen«, betont Projektleiter Thomas Graf. In Schule und Jugendarbeit werde Medienpädagogik zu klein geschrieben. Angesichts der rasanten technischen Entwicklung seien viele Eltern überfordert.


Kommentare

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

wird geladen ...

ALLE NEWS, VIDEOS UND SPIELE

Zur Themenseite Viel Spaß auf der Gamescom wünschen