Orphan - Das Waisenkind - Origineller Horrorstreifen

Neben all den Remakes und Fortsetzungen ist Orphan – Das Waisenkind endlich mal wieder ein wirklich origineller Horrorstreifen. Wieso der düstere Thriller in dieser Woche empfehlenswert ist, erfahren Sie in unserer Kritik zum Film.

von Christian Mester,
23.10.2009 15:01 Uhr

Seien wir doch mal ehrlich: was gänzlich neue Geschichten betrifft, so hatte die eigentlich sehr beliebte Untersparte des Horrorfilms in letzter Zeit doch eher schlechte Karten. Zum einen hagelt es Jahr für Jahr neue Fortsetzungen wie "Saw 5" und "Final Destination 4", zum anderen gibt es immer wieder unzählige Titel im Programm, die ideenlose Neuauflagen älterer Filme sind. "Quarantäne", "Mirrors", "The Last House on the Left"? Allesamt Remakes, die zeigen, wie ungern sich Produzenten in dem Bereich an neue Geschichten trauen.

Dass sich dies hin und wieder lohnen kann, beweist uns diese Woche "Orphan – Das Waisenkind", ein bitterböser Thriller von Jaume Collet-Serram, Regisseur des Remakes von "House of Wax". Sprach letzterer mit Paris Hilton, Gore-Spektakel und schnellen Cuts in erster Linie geduldloses MTV-Publikum an, versucht es sein neuer Film nun etwas anspruchsvoller.

Copyright: KinoweltCopyright: Kinowelt

Devil Inside

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Kate (Vera Farmiga) und John Colemans (Peter Sarsgaard) Ehe liegt in Trümmern. Nach einer tragischen Fehlgeburt und starken Alkoholproblemen droht die vierköpfige Familie auf tragische Weise auseinander zu brechen. Deshalb beschließen sie eines Tages spontan, Ersatz für ihr verstorbenes Kind zu suchen. In einem Waisenhaus werden sie kurz darauf fündig: die junge Esther beeindruckt sie mit ihrer höflichen, zurückhaltenden Art. Und da ihnen die Ablenkung sichtlich gut tut, nehmen sie das Kind bei sich auf.

Was sie nicht ahnen? Esther birgt ein dunkles Geheimnis und ist alles andere als harmlos oder typisch. Ihr nettes Verhalten ist gespielte Maskerade. Denn im weiteren Verlauf entpuppt sich das vermeintliche Herzchen als eiskalte und gnadenlose Mörderin. Während die anderen zwei Kinder der Familie den Albtraum unfreiwillig näher kennen lernen dürfen, kommt Kate ihr langsam auf die Spur – was ihr allerdings niemand glauben will.

Schlachtplatte

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Zunächst einmal sei gesagt, dass Orphan – Das Waisenkind stilistisch weit von Filmen wie "Final Destination 4" entfernt ist. Geisterten darin hohle Teenager von einer übertriebenen Mordszene in die nächste, verzichtet Regisseur Jaume Collet-Serra auf allzu blutiges Gemetzel. Stattdessen serviert er etwas, was man im Horrorbereich leider nur selten zu Gesicht bekommt: gute Schauspieler in guten Rollen. Mit Vera Farmiga ("Departed: Unter Feinden") und Peter Sarsgaard ("Jarhead – Willkommen im Dreck") verpflichtete man zwei hervorragende Darsteller, die ihre Figuren zu weit mehr als nur plumpen Opfern machen. Tatsächlich wartet man nicht nur auf Esthers Geschnetzel, sondern fängt an, sich für diese zerrüttete Familie zu interessieren.

Vor allem Farmiga, eine von psychischen Problemen geplagte Mutter, sorgt für Interesse, weswegen die dramatische Geschichte im Handumdrehen sehr effektiv wird. Weil die Familie ausnahmsweise mehr als nur Abziehbilder sind, wirkt es umso drastischer, wenn Esther ihnen langsam nach dem Leben trachtet. Das fällt zwar nicht ganz so plakativ aus wie im diesjährigen "Saw 5", kann sich aber dennoch sehen lassen. Esther hat es nämlich faustdick hinter den Ohren - von der jungen Schauspielerin Isabelle Fuhrmann klasse in Szene gesetzt. Trailer, Poster und Bilder lassen es im Vorfeld noch nicht vermuten, aber ihre Figur wird nicht nur zur reichlich bösen Gefahr, sie ist darüber hinaus auch noch sehr überzeugend und glaubfhaft in ihrer Rolle.

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Wie es die Werbung verspricht, kommt die Überraschung gegen Ende des Films - ohne viel zu verraten: darauf wird wohl kaum einer kommen. Der Schluß ist clever gewählt und erklärt Esthers Verhalten, was letztendlich in einem spannenden Showdown auf einem eingefrorenen See endet.

Insgesamt ist es eine relativ düstere Handlung, die von Collet-Serra stimmig in einer verschneiten Gegend eingefangen wurde. Verglichen mit dem eher bunten "House of Wax" wirkt die Umgebung kalt und unwirtlich, wodurch automatisch Atmosphäre aufgebaut wird.

Kinderstunde

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Orphan – Das Waisenkind wird nicht jedem zusagen. Es ist halt eher ein anspruchsvoller Horrorfilm. Er setzt auf Atmosphäre und seine Rollen, weswegen man offen sein muss, sich ins Geschehen hinein zu finden. Wer nur raschen Popcornspaß will, der wartet besser auf "Saw 6", der schon im Dezember in Deutschland anläuft. In dieser Hinsicht wird der Thriller vielen sicher zu langweilig sein.

Wirklich ankreiden kann man dem Film eigentlich nur kleinere Logiklöcher, die bei näherer Betrachtung einiges unwahrscheinlich aussehen lassen. So wie den ein oder anderen Zufall, wie es sie öfters in Filmen wie diesen gibt. Dennoch darf sich der Thriller mit zu den besten Genrestreifen des Jahres zählen - und wird vielen wohl eher in Erinnerung bleiben als "Freitag der 13. Teil 12".

Fazit

Christian Mester (bereitsgesehen.de): »Nach „House of Wax“ versucht es Collet-Serra mal mit etwas Anspruch – was ihm gelingt. Wer sich mal mehr als nur tote Teens in knappen Tops wünscht, wird bestens unterhalten. Alle anderen freuen sich auf den Dezember.

Kinokritik in Kooperation mit bereitsgesehen.de.


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