Paranormal Activity - Der Überraschungshit des Jahres

Paranormal Activity gilt als der Überraschungshit des Jahres und wird von vielen als einer der wirkungsvollsten Horrorfilme aller Zeiten bezeichnet. Kann das Erbe von Blair Witch Project an den umstrittenen Klassiker anschließen?

von Christian Mester,
21.11.2009 14:00 Uhr

Bis dato war der Horrorfilm Saw der ungebrochene King des amerikanischen Halloween-Wochenendes. Jedes Jahr erschien ein neuer Teil und selbst Rob Zombies Remake des Filmes Halloween traute sich nicht, gegen die extrem erfolgreiche Serie anzutreten. Der Siegeszug schien unaufhaltsam. Selbst Saw 5 konnte weltweit noch über 100 Millionen Dollar einspielen; ein äußerst beachtliches Ergebnis für eine derart blutige Horrorreihe.

Dieses Jahr traut sich erstmals ein Konkurrent, Jigsaw und seinen Kollegen Paroli zu bieten – und verwies innerhalb kürzester Zeit die mittlerweile eintönig gewordene Horrorreihe auf den zweiten Platz. Paranormal Activity konnte besagte Summe in den USA bereits einspielen und gilt als echtes Phänomen. Nun will der Film auch in Deutschland Angst und Schrecken verbreiten.

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Orin Pelis Streifen ist eine kleine Independent-Produktion, die der Neuling für lumpige 10.000 Dollar selbst auf die Beine gestellt hat. Da das Geld für teure Kameras fehlte, schaute er sich kurzerhand die aus Blair Witch Project, Cloverfield und Diary of the Dead genutzte Perspektive ab und entschied, seine Geschichte durch die Kamera der Hauptfiguren zu zeigen. Mit Erfolg?

Da spukt was

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Micah lebt zusammen mit seiner Freundin Katie in einem kleinen Haus in San Diego. Eines Tages erfährt er, dass sie bereits seit Jahren von einem ungebetenen Gast belästigt wird. Wie sie erzählt, handelt es sich bei ihrem Verfolger um einen waschechten Geist, der ihr seit früher Kindheit an überall hin folgt und sich ihr gegenüber immer wieder bemerkbar macht. Neugierig beginnt Micah daraufhin ein gewagtes Experiment: die paranormalen Aktivitäten des unheimlichen Besuchers auf Video aufzunehmen.

Nach längerer Wartezeit stattet der Geist dem Paar immer wieder schaurige Besuche ab. Um ihn los zu werden, engagieren die beiden einen Experten für übernatürliche Phänomene. Doch dessen Anwesenheit erzürnt die Mächte des Bösen.

Boo!

Als Blair Witch Project 1999 in die Kinos kam, gab es im Großen und Ganzen nur zwei Arten von Feedback. Die einen waren der Meinung, der Film sei auf seine Weise extrem effektvoll, beklemmend klaustrophobisch und wegen seiner ungewöhnlichen Perspektive erschreckend authentisch. Andere hingegen konnten den Hype um den Waldausflug dreier nur wenig sympathischer Filmemacher nichts abgewinnen. Viel Lärm um nichts? Schließlich wurde im Gegensatz zu anderen Horrorfilmen fast alles nur angedeutet - echtes Grauen blieb aus.

Blair Witch Project kam bei denjenigen gut an, die sich in das Geschehen hinein versetzen konnten. Wer damit Schwierigkeiten hatte, blieb bis auf eine gelungene Schlusssequenz außen vor. Technisch war es eine reine Billigproduktion, die ihre ganze Atmosphäre einzig aus der Tatsache zog, dass Wälder bei Nacht nun einmal tierisch stimmig sind.

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All das trifft auch auf diese, mit zehn Jahren Verspätung erscheinende Nachmache zu. Lediglich das Konzept und die Umgebung wurden geringfügig geändert. Statt des Waldes ist der Schauplatz in Paranormal Activity ein Haus, statt unbekannter Filmstudenten spielt ein Liebespaar die Hauptrolle und statt eine Hexe kommt diesmal eine Art Poltergeist zum Einsatz.

Der Film könnte theoretisch auch Blair Witch Project 3 heißen und erneut eine Hexe als Gegner haben. Zumindest bleibt der Eindringling stets unsichtbar und sorgt mit vergleichbaren Mitteln für Gruseleffekte. So knallen Türen, werden Feuer entfacht oder Fußspuren hinterlassen. Da die Unsichtbarkeit bis zum Ende anhält, besteht der Großteil der Handlung daraus, dass sich Katie und Micah immer wieder den unheimlichen Vorkommnissen entgegen stellen.

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Das wird zuweilen sogar richtig spannend. Peli strapaziert gezielt unsere Geduld und setzt die Anzeichen des Poltergeistes immer wieder treffend ein. Oftmals sieht man für lange Zeit nur statische Aufnahmen des Wohnzimmers, in dem sich die meisten der Ereignisse abspielen.

Überhaupt setzt Paranormal Activity originellerweise fast durchweg auf ruhige und übersichtliche Aufnahmen. Es fällt sehr angenehm auf, dass die unbekannten Gesichter relativ gefasst mit der ganzen Angelegenheit umgehen. Katie kreischt und weint nicht unentwegt, was einiges an Nerven spart. Einzig der Darsteller des Geisterexperten spielt derart amateurhaft, dass man sich kurzzeitig aus der Filmatmosphäre gerissen fühlt. Die anderen Darsteller sind halbwegs akzeptabel, werden in Hollywood wohl aber keine große Karriere vor sich haben.

Paranormal Activity schöpft sein Potential dennoch nicht völlig aus. Bis die ersten Gruselszenen zu sehen sind, vergeht relativ viel Zeit. Dadurch fühlt sich in der letzten Viertelstunde vieles sehr gehetzt an. An der Wohnung, die den gesamten Film über kein einziges Mal verlassen wird, sieht man sich ziemlich schnell satt. Wer sich auf dieses übernatürliche Kammerspiel einlässt, bekommt trotzdem Spannung und viele gute Schocks serviert.

Fazit:

Christian Mester (bereitsgesehen.de): "Paranormal Activity kann einem wahrlich die Schuhe ausziehen - wenn man sich darauf einlässt. Wer Blair Witch Project mochte, sollte einen Besuch wagen."

Kinokritik in Kooperation mit bereitsgesehen.de.

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