PC Gaming Show auf der E3 2015 - Schwache Vorstellung

Michael Graf ist enttäuscht von der PC Gaming Show auf der E3. Denn die PC-Pressekonferenz hat ihre große Chance vertan.

von Michael Graf,
17.06.2015 18:40 Uhr

Da ist sie wieder, die Sache mit den beiden Herzen, der Brust und so. Einerseits bin ich glücklich, dass die Kollegen von PC Gamer mit einer eigenen Pressekonferenz versuchen, Computerspielen wieder den E3-Stellenwert einzuräumen, den sie verdienen. Andererseits: Wenn besagte PC Gaming Show so abläuft wie auf der E3 2015, können sie sich's auch schenken.

Die für mich interessantesten Enthüllungen sind noch David Brabens hübsches Vergnügungspark-Aufbauspiel Planet Coaster, das Pillars of Eternity-Addon The White March und Blizzards kostenlose Mini-Kampagne für Starcraft 2 (ja, nur drei Missionen, aber immerhin). Oh, und AMD baut neue Grafikkarten. Cool, aber nun nicht unbedingt unerwartet.

Der Elite-Schöpfer David Braben baut eine Vergnügungspark-Simulation namens Planet Coaster.Der Elite-Schöpfer David Braben baut eine Vergnügungspark-Simulation namens Planet Coaster.

Ansonsten gibt's aufgekochte Infos und Indie-Titel, die bestimmt so manchen Spieler begeistern - doch ein echter Blockbuster fehlt. Ein Spiel, das die herausragenden Stärken des PCs demonstriert und unsere Kinnladen in Bodennähe befördert. Es fehlen die Aha- die Staunmomente, die Muskelspiele, zu denen der PC fähig ohne Weiteres wäre.

Denn es gäbe doch so großartige, so schöne, so spannende PC-Projekte - etwa Star Citizen – doch Chris Roberts vertröstet nur per belanglosem Video-Einspieler aufs nächste Jahr. Warum zeigt Ubisoft nicht sein Anno 2205? Wo ist das neue Unreal Tournament? Wie wär's mit mehr nur als ein paar Sekunden Gameplay aus Total War: Warhammer?

Und wo ist denn nun bitte der Beleg, dass Microsoft den PC als Spieleplattform wirklich wieder ernst nimmt? Nein, Killer Instinct und die Gears of War: Ultimate Edition (die es sowieso schon lange für den PC gibt) für Windows 10 lasse ich nach all den Jahren der Vernachlässigung und der leeren Entschuldigungen nicht mal als Geste durchgehen. Da hätte Phil Spencer auch einen Blumenstrauß ins Publikum schmeißen und mit gesenktem Kopf »Don't cry for me, Argentina« pfeifen können. Er hätte Halo 5 für den PC ankündigen müssen – das wäre ein Signal gewesen!

Prestigeprojekte wie Star Citizen fehlten auf der PC Gaming Show.Prestigeprojekte wie Star Citizen fehlten auf der PC Gaming Show.

Zudem merkt man sehr deutlich, dass die PC-Pressekonferenz nicht ins PR-Konzept der meisten Hersteller passt. Wenn sich Creative Assembly vornimmt, Total War: Warhammer nur hinter verschlossenen Türen zu zeigen, dann ist das eben so. Basta. Und wenn Paradox Hearts of Iron 4 partout noch nicht zeigen möchte, dann kann man eben nichts machen.

Man kann sich aber fragen, warum fast alle großen Hersteller diese PC-Spiele-Pressekonferenz ignorieren, also Electronic Arts, Ubisoft, Bethesda & Co. Einerseits natürlich, weil die Großen eigene Glamour-Veranstaltungen aufziehen, während die PC-Show weitgehend unbeachtet nebenher läuft – noch dazu am Abend des ersten Messetages, an dem es noch viele andere spannende Themen und Ereignisse gibt.

Auch bei Star Wars: Battlefront dürften sich schicke PC-Grafikeffekte zeigen lassen. Hoffentlich.Auch bei Star Wars: Battlefront dürften sich schicke PC-Grafikeffekte zeigen lassen. Hoffentlich.

Andererseits, so zumindest mein Eindruck, weil man sich mit PC-Spielen nicht mehr »die Hände schmutzig machen« möchte. Denn es ginge ja gar nicht unbedingt darum, auf der PC-Show große Neuigkeiten zu enthüllen – es wäre alleine schon ein Signal, dort Präsenz zu zeigen. Zu zeigen, dass die Plattform eben nicht einfach »mitgenommen« wird, sondern nach wie vor wichtig ist. Square Enix hat das immerhin mit seiner Grafikeffekte-Demo zu Deus Ex: Mankind Divided getan. Andere Publisher hätten es den Japanern gleichtun können, ich denke mal, dass sich auch bei Star Wars: Battlefront coole PC-Effekte demonstrieren ließen. Oder zumindest hoffe ich es.

Doch das geschieht nicht. Die E3 steht als amerikanische Leitmesse im Zeichen der Konsolen, da wirken PC-Störfeuer unerwünscht, zumindest von den Branchengrößen. »Wir geben uns doch nicht mit dieser unwichtigen, kleinen Plattform ab«, scheint die Botschaft zu lauten, »sondern investieren in PlayStation 4 und Xbox One! Das sind die relevanten Plattformen!« Klar, was sollen denn sonst die Investoren denken.

Und hey, ein Herz für Indies ist zwar schön und gut, der PC braucht aber auch seine Blockbuster, seine Prestigeprojekte, seine Aha- und Staunmomente. Ohne die ging's auf der PC Gaming Show leider allzu bieder zu, kein Vergleich zum Konsolenbombast der anderen Pressekonferenzen. Klar, die Idee einer eigenen PC-Show war dennoch gut und richtig. Ihre große Chance aber hat sie vertan: zu zeigen, dass die Plattform immer noch faszinieren kann. Dass sie zu mehr taugt, als nur Messepräsentationen darauf abzuspielen, die deutlich schöner aussehen als die späteren Konsolenversionen (Hallo, The Division!).

Und wisst ihr was? Ich will die PC Gaming Show trotzdem im kommenden Jahr wiederhaben. Denn Premieren holpern eben manchmal - bitte, PC Gamer, macht's noch mal! Wenn sich eure Pressekonferenz erst mal etabliert hat, lassen sich bestimmt mehr Branchengrößen zur Teilnahme überreden. Und dann feiern wir PC-Spieler auch endlich die Party, die wir uns verdient haben.

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Der Autor
Michael Graf spielt schon auf dem PC, seit er denken kann. Also in etwa seit seinem 25. Geburtstag. Nein, nur Spaß. Natürlich schon seit dem Kindergarten, zumindest gefühlt. Jedenfalls ist ihm die Plattform ausgesprochen wichtig. Dass daheim mehrere Konsolen unter seinem Fernseher schnurren, heißt ja nicht, dass er nicht auch um die Stärken des PCs weiß - Spiele wie Civilization 5 und die Rome 2 möchte er nicht missen. Und es wäre schön, wenn der PC auch auf der E3 die Beachtung bekäme, die er verdient.


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