Prozessoren - 30 Jahre x86

Am 8. Juni 1978 begann laut damals geschalteten Anzeigen "eine neue Ära", denn Intel präsentiere an diesem Tag einen 16-Bit-Prozessor mit der Bezeichnung 8086. Was damals vielleicht etwas übertrieben geklungen haben mag, stellt sich 30 Jahre später nun als nahezu prophetisch heraus.

von Georg Wieselsberger,
09.06.2008 00:01 Uhr

Am 8. Juni 1978 begann laut damals geschalteten Anzeigen "eine neue Ära", denn Intel präsentierte an diesem Tag einen 16-Bit-Prozessor mit der Bezeichnung 8086. Was damals vielleicht übertrieben geklungen haben mag, stellt sich 30 Jahre später als nahezu prophetisch heraus. Der 8086 war aber nicht sofort ein durchschlagender Erfolg, denn er war langsamer als andere 16-Bit-Prozessoren und benötigte externe "Kollegen" für Gleitkomma-Berechnungen oder als Interrupt-Controller. Doch im Inneren arbeitete die erste Version dessen, was heute als x86-Architektur bezeichnet wird.

Die Nachfolger 80286, 80386, 80486 und die Pentium-Reihe brachten neue Fähigkeiten und immer mehr Rechenleistung und waren so auch für den Erfolg des PCs verantwortlich. Auch andere Firmen wie beispielsweise Cyrix, die heute zu VIA Technologies gehören, AMD, NEC, Transmeta oder Texas Instruments stellten oder stellen noch heute genau wie Intel x86-kompatible Prozessoren her.

Der Versuch von Intel, mit dem Itanium-Prozessor die komplett neue 64-Bit-Architektur "IA-64" zu etablieren, war bis heute nicht erfolgreich. IA-64 ist nicht x86-kompatibel und setzt daher auf relativ langsame Software-Emulation. Statt dessen wurde x86 durch den Konkurrenten AMD und dessen Erweiterung "AMD64" 64-Bit-tauglich gemacht. Nach einigem Zögern übernahm Intel die Ideen von AMD unter der Bezeichnung "Intel 64" auch für die eigenen Prozessoren.

Heute arbeiten in fast allen modernen PCs x86-Prozessoren, sei es aus der Core 2-Reihe von Intel oder ein Athlon oder Phenom von AMD. Selbst Apple, lange Jahre erfolgreich mit den PowerPC-Prozessoren in Macintosh-Rechnern, verwendet inzwischen x86-CPUs. Statt Alterserscheinungen zu zeigen, macht sich x86 auf, immer mehr Bereiche für sich zu erobern. Mit dem Intel Atom oder VIA Nano werden kleinere Geräte, sogenannte Netbooks oder MIDs (mobile Internet devices) ausgestattet und selbst Mobiltelefone könnten in Zukunft auf x86 setzen.

Die Ankündigung einer neuen Ära aus dem Jahr 1978 hat sich also bewahrheitet. Selbst der Urahne 8086 ist noch aktiv, denn die NASA verwendet im Space Shuttle eine spezielle, gegen Strahlung wenig empfindliche Version, die schon lange nicht mehr produziert und daher von der NASA weltweit gesucht wird. Erst 2012, zum Ende des Space Shuttle-Programms, wird der erste aller x86-Prozessoren in Rente gehen.


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