Recht auf Reparatur - US-Bauern hacken ihre Traktoren mit ukrainischer Firmware

In den USA wollen einige Staaten ein »Recht auf Reparatur« einführen, gegen das sich aber viele Unternehmen wie Apple, Microsoft, Nintendo und Sony einsetzen. Doch das Problem betrifft nicht nur Elektronik für Endverbraucher.

von Georg Wieselsberger,
27.03.2017 13:32 Uhr

Im Landwirtschafts-Simulator 2017 ist die Welt noch in Ordnung. In der Realität brauchen US-Farmer Hilfe aus der Ukraine.Im Landwirtschafts-Simulator 2017 ist die Welt noch in Ordnung. In der Realität brauchen US-Farmer Hilfe aus der Ukraine.

Der US-Bundesstaat Nebraska plant ein Gesetz, dass Hersteller dazu verpflichten soll, Ersatzteile, Werkzeuge und auch Reparatur- und Diagnoseanleitungen an Reparaturdienstleister und Endkunden zu verkaufen. Damit soll es den Kunden und auch Drittanbietern einfacher möglich sein, ihre gekauften Produkte zu reparieren. Bislang bestehen viele Hersteller darauf, dass solche Leistungen nur bei zertifizierten Partnern oder im eigenen Service-Center erfolgen dürfen. Dort sind Reparaturen aber meist deutlich teurer.

Traktoren mit strengem DRM

Nun gibt es aus den USA ein Beispiel für den Service-Zwang, der dort einiges an Aufsehen erregt. Der Traktor-Hersteller John Deere stattet seine Produkte mit Elektronik aus, die es praktisch unmöglich macht, eigene Ersatzteile einzubauen oder Reparaturen durchzuführen. Selbst korrekt eingebaute Ersatzkomponenten müssen von einem Service-Mitarbeiter »aktiviert« werden, der dafür auch kostenpflichtig den jeweiligen Bauernhof aufsucht. Ein solcher Besuch kostet mehrere Hundert US-Dollar.

Gerade bei Farmern ist ein Ausfall von Maschinen in der Erntezeit ein teurer Notfall, doch seit einigen Monaten müssen die Kunden von John Deere auch noch Nutzungsbedingungen akzeptieren, die jede Verantwortung für Schäden jeglicher Art durch Software-Probleme ausschließt.

Firmware-Hacks und Tools aus der Ukraine

Viele Farmer greifen daher nun zu einem Gegenmittel, das laut Vice als Beispiel dafür dient, welchen Irrweg manche Hersteller mit ihren Produkten eingeschlagen haben. In speziellen Foren im Internet werden von ukrainischen Programmierern speziell für John-Deere-Maschinen erstellte Firmware-Versionen angeboten. Auch Codes für Ersatzteile, die die Original-Firmware akzeptiert, und weitere Tools wie Kabel für einen Laptop-Anschluss oder zur Umgehung der verwendeten Verschlüsselung der Daten sind dort zu finden.

Die Kosten liegen dabei in etwa so hoch wie bei einem Besuch eines John-Deere-Mitarbeiters, doch die Farmer sind anschließend »unabhängig«. »Was passiert denn in 20 Jahren, wenn John Deere neue Modelle auf den Markt bringt und die alten nicht mehr reparieren will? Sollen wir den Traktor dann auf den Müll werfen oder was?«, so ein Farmer gegenüber Vice.

Quelle: Vice

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