Rinse & Repeat - Männerrücken-Schrubben als Gesellschaftskritik

Im Gratis-Spiel Rinse & Repeat müssen die Spieler den Rücken eines Schönlings in einer öffentlichen Dusche einseifen. Das etwas abgedrehte Gameplay hat jedoch laut dem Entwickler einen durchaus ernsten Hintergrund.

von Tobias Ritter,
21.09.2015 15:52 Uhr

Ein schöner Rücken kann auch entzücken: Auf den ersten Blick hat Rinse & Repeat ein reichlich abgefahrenes Gameplay. Auf den zweiten wird Gesellschaftskritik erkennbar.Ein schöner Rücken kann auch entzücken: Auf den ersten Blick hat Rinse & Repeat ein reichlich abgefahrenes Gameplay. Auf den zweiten wird Gesellschaftskritik erkennbar.

Das grundlegende Spielprinzip dieses vordergründig als Duschsimulation einzustufenden Titels mag etwas abgefahren klingen, allerdings verbirgt sich dahinter ein gutes Stück Gesellschaftskritik: Im kostenlosen Rinse & Repeat verschlägt es den Spieler in einen öffentlichen Duschraum, wo er zu vorgegebenen Zeiten einem Schönling den Rücken einseifen und schrubben muss.

Dass der Spieler dabei darauf achten muss, nicht zu grob vorzugehen und dass das Ganze teilweise auch noch in Zeitlupe abläuft und mit Weichzeichner-Filtern präsentiert wird - geschenkt. Im Kern geht es dem zuständigen Game-Designer Robert Yang nämlich nicht nicht um ein ausgeklügeltes Gameplay, sondern vielmehr um die Themen Sexualität, Maskulinität und nicht zuletzt Homosexualität.

Männerrücken-Schrubben ist in Rinse & Repeat nämlich nur zu festen Zeiten möglich - und über die klärt eine Art Stundenplan auf, der mit Aktivitäten wie Doom Yoga und Murder Cardio die laut Yang hirnlose Maskulinisierung des Fitness-Sports parodiert. Und dass der Spieler einen Großteil der Spielzeit mit Warten verbringt, ist dem Entwickler zufolge ebenfalls genauso geplant.

Wie Yang nämlich in einem längeren Blogbeitrag ausführt, ist Warten für ihn eine essentielle, leicht zu erlernende aber nur schwer zu meisternde Fähigkeit, die dem Großteil unserer heutigen Gesellschaft leicht zugänglich sei. Das Ganze sei ein Akt der Unterordnung, aber dabei eigentlich keine schlechte Sache. Denn eine Verzögerung der Genugtuung sei doch ein wesentlicher Bestandteil für die Bereichung einer Erfahrung - egal ob beim Sex oder bei Videospielen.

Geschlechtsverkehr finde eben häufig nur geplant statt - an bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeiten. Und normalerweise müsse man dazu auch in einem bestimmten Gemütszustand sein, so Yang. Ähnlich verhalte es sich auch bei Videospielen, zu denen man eigentlich nur greife, wenn man gerade Lust darauf habe.

Bei Rinse & Repeat gibt hingegen das Spiel vor, wann der Spieler Lust auf das Schrubben eines Männerrückens zu haben hat. In gewisser Weise ist das also ein recht subtiler und mahnender Hinweis auf das ständig gegenwärtige Thema »Vergewaltigungen«.

Außerdem möchte Yang mit seinem Spiel jedoch auf die Problematik von öffentlichen Umkleidekabinen und Duschräumen, wo noch nicht einmal die eigene Kleidung Schutz biete, für homosexuelle Männer hinweisen. Hier herrsche häufig Angst davor, wegen eines falschen Blickes als Homosexueller erkannt und dann verprügelt zu werden.

Yang ist übrigens bekannt für seine leicht abgefahrenen Videospiel-Produktionen. Unter anderem stammt von ihm ein Spiel, bei dem der Spieler eine sexuelle Beziehung zu seinem Auto aufbaut. Außerdem befasste er sich einmal mit der komplizierten Welt der Penis-Bilder.

Rinse and Repeat - Gameplay-Trailer stellt Männer-Dusch-Simulation vor 2:25 Rinse and Repeat - Gameplay-Trailer stellt Männer-Dusch-Simulation vor


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