Shame for Windows Live - Microsoft haut daneben

Heimlich, still und leise veröffentlichte Microsoft den Onlineservice Games for Windows Live in der Version 3.0. Ohne Werbe-Tamtam und aufsehenerregende Promo-Videos. Der Grund wurde uns schnell klar.

von Hendrik Weins,
07.08.2009 14:15 Uhr

Bereits im Juni haben wir über die Neuerungen der dritten Games-for-Windows-Live-Version berichtet und Fragen aufgeworfen, die bis heute offen blieben. Wie funktioniert das Speichern von Spielständen im Netz? Muss ich immer online sein? Und macht das Update die Online-Kopierschutzmaßnahmen SecuROM und Co. endlich überflüssig? Doch wer das Update auf 3.0 installiert und zum ersten Mal das neue Games for Windows Live startet, wird sich noch um ganz andere Dinge Gedanken machen - vor allem wenn er das um Welten bessere Xbox-360-Pendant kennt.

Die Benutzeroberfläche

Die Startseite von Games for Windows 3.0: Mehr Werbung als Inhalt.Die Startseite von Games for Windows 3.0: Mehr Werbung als Inhalt.

So kann man Platz verschwenden. Mehr als ein Drittel des Fensters verschlingt das Games for Windows Live-Logo, unten nervt ein MSN-Werbebanner. Wo sind die wirklich wichtigen Dinge? Wo sind mein Gamerscore, meine Freunde, meine Nachrichten? Achja, oben rechts in der Ecke steht mein Gamertag – so prominent, dass ich es zunächst übersehe.

Kurz draufgeklickt. Vielleicht verstecken sich dort meine zuletzt gespielten Spiele, meine Freunde, meine Nachrichten? Vielleicht kann ich meine Erfolge wie bei Xbox Live oder auf der Xbox-Webseite mit denen meiner Freunde vergleichen? Wer hat mehr Punkte in Dawn of War 2?
Klick. Nix passiert. Kein Fenster geht auf, nichts. Wäre ja auch zu einfach gewesen.

Der Marktplatz

Viel Inhalt gibt es nicht. Im Vergleich zu den etwa 500 Xbox-Titeln wirken die insgesamt 19 Spiele mit Games-for-Windows-Live-Unterstützung ein wenig mager.

Gähnende Leere im Marktplatz. Kein Wunder, unterstützen doch erst 19 Spiele Games for Windows Live.Gähnende Leere im Marktplatz. Kein Wunder, unterstützen doch erst 19 Spiele Games for Windows Live.

Aber was entdecken meine müden Augen? Rechts unten in der Ecke steht: »Gespielte Live Games«.
Fallout 3, hab ich gespielt, auf dem PC, war toll. Gears of War 2? Gibt’s gar nicht für den PC. Warum taucht das hier auf? Und Universe at War? Hab ich doch auch nie gespielt. Was ist mit GTA 4 und Juiced 2? Die Titel habe ich auf dem PC gespielt, doch in der Liste steht davon nichts.
Naja, wenigstens kann ich mit einem Klick auf »Demos« Probierversionen von sechs Spielen herunterladen. Zwar gibt's die Spieledetails beispielsweise zu Fuel nicht nur in Deutsch sondern auch gleich in Spanisch, aber lieber mehr als weniger.

Das Bezahlsystem

Eines funktioniert dann aber doch ganz wunderbar: Microsoft-Points hinzufügen. Mit einem Klick leitet mich Microsoft weiter auf die Xbox-Live-Seite. Hier kann ich mir für echte Euros virtuelle Microsoft-Punkte kaufen. Mir drängt sich, wie so oft bei diesem System, eine Frage aus: Warum funktioniert die Weiterleitung nicht, wenn ich auf meinen Gamertag tippe? Vielleicht weil´s da kein Geld abzukassieren gibt?

Mein Fazit

Beim neuen Games for Windows Live drängt sich mir ein typischer Lehrersatz aus der Grundschulzeit auf: »Er gab sich Mühe.« Aber eigentlich trifft selbst das nicht zu. Schließlich hat Microsoft mit Xbox Live bereits einen etablierten und hervorragenden Service, den sie nur für den PC umsetzen müssten. Auf die Videotheken-Funktion, Xbox Live Arcade oder die Community-Spiele wie »Einer gegen 100« kann ich ja noch verzichten. Aber warum bekomme ich als PC-Spieler ein derart lieblos zusammengeklatschtes Produkt vorgesetzt, in dem selbst die essentiellen Funktionen fehlen? Was bringt mir der Gamerscore, wenn ich mich nicht mit meinen Freunden vergleichen kann? Ich kann ihnen ja noch nicht mal eine Nachricht schreiben, geschweige denn sehe, ob sie online sind und was sie gerade spielen. An ein unkompliziertes Beitreten zu Multiplayer-Schlachten will ich gar nicht denken.

Sorry Microsoft, so wird das nix.


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