Sony Pictures Hack - »Krieger des Lichts«-Autor Paulo Coelho will »The Interview« gratis verteilen

Der Kinostart der Komödie »The Interview«, der Weihnachten stattfinden sollte, wurde von Sony abgesagt.

von Georg Wieselsberger,
19.12.2014 08:32 Uhr

Sony Pictures und US-Kinoketten haben »The Interview« nach Terrordrohungen aus dem Programm genommen.(Bildquelle: The Next Web)Sony Pictures und US-Kinoketten haben »The Interview« nach Terrordrohungen aus dem Programm genommen.(Bildquelle: The Next Web)

Update: Das Nachgeben von Sony und die Reaktion der US-Kinos sorgen für viel Aufsehen weltweit. Eine der ungewöhnlichsten Reaktionen dürfte aber wohl die des durch Bücher wie »Der Alchemist« oder »Handbuch des Kriegers des Lichts« bekannten Autors Paulo Coelho sein. Nachdem Sony Pictures bekanntgegeben hatte, »The Interview« nicht mehr veröffentlichen zu wollen, erklärte Coelho, dass er Sony die Rechte an dem Film für 100.000 US-Dollar abkaufen würde. Danach würde er die Komödie kostenlos auf seinem Blog veröffentlichen.

Gegenüber Torrentfreak bestätigte Coelho sein Angebot nochmals und ergänzte, dass er den Film dann auch über Bittorrent verteilen würde. Als Grund für seine Einmischung in dieses Thema nannte Coelho, dass die Freiheit von Information und deren Verbreitung für ihn als Autor wichtig ist und man sich Drohungen nicht beugen dürfe. Außerdem dürfte man die Ausrede, Sony habe Angst vor »Terror-Attacken« nicht gelten lassen. »Meiner Ansicht nach hat Sony tatsächlich Angst vor E-Mail-Leaks«. Auf Twitter führte er aus, dass er ein Fan von südkoreanischen Filmen sei und viele davon gingen sehr harsch mit Nordkorea um. »Alle wurden veröffentlicht, keine Vorfälle. Wie kann ich der Sony-Version also glauben?`«

Bisher ist nicht bekannt, ob Sony überhaupt auf sein Angebot reagieren wird. Coelho hatte übrigens schon im Jahr 2009 angeboten zu Gunsten von The Pirate Bay im damaligen Prozess gegen die Gründer auszusagen, hat seine eigenen Bücher selbst gratis über Bittorrent verteilt und verkauft seiner Ansicht nach deswegen inzwischen mehr Exemplare als je zuvor.

Originalmeldung: Die Komödie »The Interview«, die einen Anschlag der CIA auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un und zwei Journalisten, die darin verwickelt werden, als Thema hat, gilt als möglicher Grund für den Hackerangriff auf Sony Pictures. Nachdem die Hacker immer wieder größere Datenpakete aus dem Angriff veröffentlicht hatten hatten sie zuletzt mit Terrorangriffen auf Kinos und Besucher gedroht, die sich »The Interview« ansehen. Man solle sich an den 11. September 2001 erinnern, von solchen Kinos fernhalten und zu dem Zeitpunkt, an dem der Film laufe, lieber auch sein Haus verlassen, sollte man in der Nähe wohnen.

Die Vereinigung der Kinobesitzer in den USA und Sony hatten es den Kinos daraufhin freigestellt, ob sie die Komödie zeigen wollen oder nicht. Daraufhin haben sich die größten Kinoketten der USA dazu entschieden, den Film zu verschieben oder aber komplett aus dem Programm zu nehmen. Als Grund nannten Kinoketten wie Regal neben den »echten oder so empfundenen Sicherheitsbedrohungen« unter anderem auch, dass Sony offensichtlich selbst nicht mehr hinter dem Film stehe. Dort erklärte man nach den Absagen durch die Kinos nur, dass man verstehe, dass sich Kinobesitzer vor allem um die Sicherheit ihrer Besucher und Angestellten sorgen.

Laut dem Experten Bruce Nash, der die Kinostatistik-Webseite betreibt, wäre »The Interview« keiner der wichtigen Filme für die Weihnachtsfeiertage gewesen. Die Drohungen hätten aber vermutlich viele Menschen von einem Besuch von Filmen wie »Annie« oder den dritten Teil von »Eine Nacht im Museum« abgehalten. Sony selbst hat laut Variety durch einen Sprecher erklären lassen, man habe keine weiteren Pläne, »The Interview« zu veröffentlichen, auch nicht auf Streaming-Plattformen oder DVD. Im Internet war spekuliert worden, dass Sony den Film eventuell kostenlos ins Internet stellen könnte, da dieser dann wohl mehr Zuschauer erreichen würde als im Kino. Für andere ist das Nachgeben wegen Terrordrohungen ein Präzedenzfall, der Nachahmer geradezu herausfordert.


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