Spiele-Enttäuschung 2016 - Johannes: Wo ist denn hier das Spiel?

Planet Coaster erfüllt Kindheitsträume und beschert Johannes leuchtende Augen. Trotzdem macht es ihn einfach nicht richtig glücklich.

von Johannes Rohe,
30.12.2016 07:00 Uhr

Planet Coaster ist ein großartiger Baukasten, um Johannes zu fesseln, fehlt aber einfach zu viel Spiel im Spiel. Planet Coaster ist ein großartiger Baukasten, um Johannes zu fesseln, fehlt aber einfach zu viel Spiel im Spiel.

Ein Spiel, das 77 Punkte im GameStar-Test bekommt, soll eine Enttäuschung des Jahres sein? Naja, es kommt drauf an, was man sich von Planet Coaster erwartet. Wenn Sie einfach nur schöne Freizeitparks bauen wollen, dann gibt es wohl kein besseres Spiel. Tatsächlich haben mich die Detailfülle der Parks und die vielen, vielen Szenerieobjekte zu Beginn völlig begeistert.

Kraken und Rotröcke

Nehmen wir nur mal den ersten Park, den ich im Spiel zu Gesicht bekam, eine Piratenlandschaft. Da schießen Rotröcke mit Kanonen auf ein Piratenschiff. Wasserfontänen spritzen in die Höhe, Piraten feuern mit Pistolen und Musketen zurück und rudern in kleinen Booten an Land.

Ich könnte sogar einen Kraken einbauen, der den Segler in die Tiefe zieht. Und mittendrin fahren die Besucher in einer ratternden Holzachterbahn oder erkunden den Park auf verschlungenen Pfaden durch versteckte Höhlen, auf Festungsanlagen und an der Küste entlang.

Planet Coaster - Screenshots ansehen

Bei der Gestaltungsfreiheit setzt mir Planet Coaster fast keine Grenzen - auch dank der tollen integration des Steam Workshops. Bereits jetzt quillt die Mod-Datenbank fast über vor tollen Achterbahnen, Shops, Szenerieobjekten und ganzen Freizeitparks, die die User nach ihren Wünschen kreiert und zum Download bereitgestellt haben. Wie wäre es mit einem Disneyland-Verschnitt auf dem Mars, einer gigantischen Bowser-Statue oder einer Achterbahn im Todesstern aus Star Wars?

Ich bin kein Fummler

Für mich gibt es dabei aber ein Problem. Ich bin kein Kreativkopf, der sich endlos im Sandboxmodus verbuddeln will, bis auch der letzte Mülleimer exakt im goldenen Schnitt steht. Stattdessen möchte ich eine Herausforderung, interessante Missionen und - insbesondere bei einer Management-Simulation - eine Einführung in die wichtigsten Spielmechaniken. Und all das bekomme ich bei Planet Coaster nicht.

Planet Coaster - Test: Das Spiel mit den zwei Gesichtern 7:25 Planet Coaster - Test: Das Spiel mit den zwei Gesichtern

Statt eine spannenden Kampagne zu bieten, die mich nach und nach vor größere Aufgaben stellt und mir dabei behutsam beibringt, wie ich einen erfolgreichen Freizeitpark zu managen habe, schmeißt mich Planet Coaster einfach mitten ins Spiel und stellt mir Aufgaben wie »baue zwei Attraktionen« oder »locke 800 Gäste an«.

Wie ich das am besten anstelle, worauf ich achten muss, welche Werte dafür ausschlaggebend sind, dass neue Gäste in meinen Park strömen? Keine Ahnung. Sicher kann ich mir das alles selbst erarbeiten oder die Tutorial-Videos der Entwickler anschauen, aber eigentlich hat mich Planet Coaster schon in diesem Moment verloren.

Und wer trotzdem weiterspielt, erlebt die nächste Enttäuschung, denn das Park Management ist viel weniger komplex und vor allem nicht so logisch, wie es zunächst den Anschein hat. Wenn ich meine grummelnden Angestellten mit minimalen Gehaltserhöhungen zufriedenstellen kann oder Besucher auch die absurdesten Preise für meine Attraktionen zahlen, beugt das zwar Frust vor, befriedigt mich als Spieler aber in keiner Weise.

Nach der anfänglichen Euphorie ist Planet Coaster deshalb sehr schnell wieder in meinem (virtuellen) Spieleschrank gelandet. Das Bauen der schönsten Freizeitparks überlasse ich lieber anderen Spielern und schaue mir das Ergebnis dann auf YouTube an.

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