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Spielemythos Polybius - Das wahre Killerspiel

Ein Arcade-Automat taucht in US-amerikanischen Spielhallen auf, zieht Teenager in seinen Bann und lässt sie Albträume durchleben. Dann verschwindet er ebenso schnell, wie er gekommen war. Wir erforschen eine der bizarrsten Legenden der Spielegeschichte.

von Michael Förtsch,
23.12.2015 11:00 Uhr

Es gibt kaum etwas, wofür Portland besonders bekannt wäre. Klar, hinter der 600.000-Einwohnerstadt im US-Bundesstaat Oregon erhebt sich der majestätische Mount Hood, Nacktbaden und Kiffen haben dort eine lange Tradition. Aber sonst ist nicht viel los. Portland ist nicht unbedingt öde oder trist, aber im besten Sinne ruhig, genau das findet manch Amerikaner an der Stadt ja so nett. Und ausgerechnet dort soll sich vor über drei Dekaden eine der seltsamsten Legenden der Spielegeschichte zugetragen haben.

Nämlich im Jahre 1981: Draußen in der Welt köchelt der Kalte Krieg, die Friedensbewegung gegen Atom- und Neutronenbomben geht auf die Straßen, und Videospiele piepsen und klackern in stickigen Spielhallen. Genau sieben dieser Epizentren des noch jungen Spielertums von Portland werden Anfang des Jahres mit jeweils einem Exemplar eines neuen Automaten bestückt: Polybius. Ein jungfräuliches Arcade-Spiel, das ist für Teenager dieser Tage wie Ostern und Weihnachten zusammen.

Denn auch wenn Pac-Man und die Panzersimulation Battlezone cool sind, ein neues Game ist nun mal ein neues Game. Jede noch so schrottige Spielekiste bedeutet zumindest zeitweilige Abwechslung und Spannung. Doch der Legende zufolge wird sich dieses Spielgerät aus Holz, Blech, Farbe und Leiterplatten als etwas Besonderes herausstellen: das einzig wahre Killerspiel.

Weitere Killerspiele: Das Pokemon des Todes Für ein paar Dollar soll ein Gamer vor einigen Jahren auf einem Flohmarkt ein mysteriöses Pokemon-Spiel für den Gameboy erstanden haben: Pokemon Black. Allerdings nicht das Pokemon Black, das 2010 erschienen ist, sondern eine modifizierte Fassung des älteren Pokemon Red – ein Bootleg. Darin startet der Spieler mit einem bisher unbekannten Pokemon namens Ghost. Dessen einzige Attacke heißt »verfluchen«. Und diese färbt den Bildschirm kurz schwarz und lässt die Gegner samt ihrer Trainer einfach verschwinden. Wo man sie einst traf, bleiben nur Grabsteine zurück. Letztlich durchwandert der Spieler irgendwann eine vollkommen leere Welt, in der keine Konkurrenten mehr zu finden sind. Und plötzlich fordert Ghost den Helden selbst zum Duell. Ein Kampf, der auch für den Spieler tödlich endet.

Der Geist der Ms. Pac Man Dieser Mythos taucht erstmals 2008 auf der US-Kleinanzeigenseite Craigslist auf: Ein Mann in Boston will einen Ms.-Pac-Man-Automaten loswerden. Jetzt, egal an wen, kostenlos. Der Haken? Das wuchtige Gerät kommt mit einem Geist – also mit einem echten, nicht mit den normalen vier Pixelgespenstern. Wie das Inserat beschreibt, habe sich der Automat anfangs nur mitten in der Nacht selbst gestartet. Nicht schlimm. Später habe aber die Tochter des Besitzers von einem »Mann in der Videospielmaschine« gesprochen und seine Frau eine dunkle Figur gesehen, die ins Gehäuse des Geräts verschwand. Die verschreckte Gattin sei daraufhin ausgezogen und habe geschworen, erst wieder zurückzukommen, wenn »die Maschine aus dem Haus ist.« Dumm nur: Der Mann wusste, worauf er sich einließ. Der Vorbesitzer hat ihn vor dem Gespenst gewarnt. »Ich habe gelacht«, beteuerte der Inserent. »Ich habe ihm nicht geglaubt.« Ob er den Automaten loswurde, ist nicht bekannt.

Der Fluch der Puppe Das Rennspiel Sonic R erscheint 1997 für den Sega Saturn. Und wie in so vielen Rennspielen jener Zeit, gibt es jede Menge versteckter Geheimnisse. So lässt sich auch eine Puppenfassung von Sonics Freund Miles »Tails« Prower als spielbaren Charakter freischalten – die Tails Doll. Die schaut alleine schon gruselig aus. Denn mit hängendem Kopf schwebt sie leblos über die Rundkurse. Wie es aber weiter heißt, sollen einige Spieler, die mit der Tails-Puppe Rennen bestreiten, während der Song »Can You Feel the Sunshine?« dudelt, anschließend Unfälle haben. Andere wiederum sollen Albträume durchleben, in denen die Puppe sie jagt und töten will. Wie einige Spieler vermuten, ist die Tails Doll wohl kein Charakter, den die Entwickler ins Spiel gepackt haben, sondern ein dämonisches Wesen, das sich so an den Seelen unschuldiger Kinder vergeht. Der virtuelle Chucky, könnte man sagen.

Nachtmahr

Unauffällig schmiegen sich die frischen Automaten zwischen Missile Command, Galaga und Space Invaders. Auch machen sie mit ihrem fast gänzlich in Schwarz gehaltenem Gehäuse nicht viel her; wirken geradezu bieder. Dennoch bilden sich in Hallen wie der Blue Diamond Arcade alsbald lange Schlangen vor den Kisten mit dem neongrünen Schriftzug. Teenager drängeln und streiten lautstark darum, wer als Nächstes einen Vierteldollar einwerfen und spielen darf.

»Viele waren echt aggressiv«, lesen sich Beschreibungen des Geschehens im Internet und in Usenet-Foren. »Sie warfen Geld ein, bis sie keines mehr in den Taschen hatten.« Sicher, das gab es zuvor auch bei Automaten wie Donkey Kong. Bei Polybius bleibt es jedoch nicht dabei. Nicht nur sind viele Spieler vom flackernden Schirm wie hypnotisiert, sie leiden nach dem Zocken auch unter heftigen Kopfschmerzen, Schwindelanfällen, Nasenbluten, Gedächtnisverlust und Schlafstörungen. Einige verlassen die Spielhalle und übergeben sich minutenlang, während andere von bizarren Albträumen geplagt werden.