Steam-Tipp des Tages - Ahnungslos, aber fasziniert

Elenas Steam-Tipp ist wie ein Gemälde: Man versteht es vielleicht nicht, kann aber trotzdem nicht aufhören, es anzusehen.

von Elena Schulz,
26.01.2016 10:27 Uhr

Mein Steam-Tipp ist wie ein Gemälde, das man zufällig im Vorbeigehen in einer Galerie betrachtet - man weiß nicht wer der Künstler ist, kennt den Hintergrund nicht, aber kann einfach nicht aufhören, sich damit zu beschäftigen und findet irgendwann eine ganz eigene Interpretation.

Genauso erging es mir mit Transistor. Es ist ein gutes Spiel, aber spielerisch nicht herausragend, die Geschichte ist interessant, aber auch wirr und schwer verständlich - alles Punkte, die unser Test zurecht kritisiert. Und trotzdem hat mich etwas daran so fasziniert, dass es seitdem zu meinen Lieblingsspielen zählt.

Ich habe einfach ein ganz anderes Spielererlebnis bekommen, das ich so nicht kannte und nicht erwartet habe. Neugierig geworden? Den geistigen Nachfolger zum ebenfalls großartigen Bastion gibt es aktuell auf Steam für schlappe 3,79 Euro.

Zum Hintergrund: Dieser Artikel erschien ursprünglich am 27. Dezember, als Transistor zuletzt stark reduziert war. Aber alles Gesagte ist natürlich auch beim jetzigen Angebot weiterhin gültig.

Hier geht's zum GameStar-Test zu Transistor

Hier geht's zum Angebot auf Steam

Transistor - Launch-Trailer zum Action-Rollenspiel 1:51 Transistor - Launch-Trailer zum Action-Rollenspiel

Ratlos und zufrieden

Gut, ich geb's zu: Das ist noch etwas vage. Ich versuche einmal, die Faszination in Worte zu fassen: Transistors einzigartige Ästhetik, Musik und Atmosphäre ziehen mich so in ihren Bann, dass ich über andere Dinge einfach hinwegsehen kann - oder sie einfach akzeptiere, weil sie irgendwie zur Stimmung der dystopischen Welt passen.

So auch die verwirrende Geschichte: Transistor erzählt nicht groß einen spannenden Plot, sondern wirft mir immer wieder Schnipsel hin. Daraus soll ich mir dann selbst ein Bild basteln - ob ich am Ende richtig liege? Keinen Schimmer. Aber hier ist das für mich nicht einfach Faulheit oder mangelndes Erzähltalent, sondern eine stilistische Entscheidung.

Die detaillierte Gestaltung von Figuren und Welt, die großartige Synchronisation und der malerische Soundtrack sorgen dafür, dass sie mir trotzdem unter die Haut geht - vielleicht mehr als das eine lineare Erzählung könnte. Dadurch, dass ich ich so wenig weiß und begreife, bin ich aufmerksamer als sonst. Ich denke viel mehr über das nach, was ich sehe und spüre viel von dem, was dahinterstecken könnte.

Wenn ich als gedächtnislose Heldin Red durch die verlassene Stadt streife und feindselige Roboter bekämpfe, bin ich ähnlich ratlos wie sie. Ich fühle mich ähnlich verloren und einsam und freue mich jedes Mal, wenn man Schwert die Stimme erhebt. Transistor ist nämlich eigentlich der Name eines Schwertes. Und dem wohnt ausgerechnet die Seele des Mannes inne, den Red einst geliebt hat.

Transistor - Screenshots ansehen

Ich spüre die Geschichte

Gemeinsam stürzen wir uns in taktische Kämpfe und erkunden Cloudbank, um herauszufinden, was die Roboter verrückt spielen ließ. Aber in meinem Kopf passiert hier viel mehr als das. Selbst in der fröhlichen Traumwelt, in die sich Red und Transistor zum Trainieren zurückziehen, blitzt für mich immer wieder die Traurigkeit durch, die das Spiel eigentlich beherrscht. Alles ist vergänglich, alles stirbt, die Menschen sind fort und zwei Liebende sind sich so nah und doch unerreichbar füreinander.

Transistor steht für eine tragische Geschichte und einen sinnlosen Kampf, der eigentlich längst verloren ist. Ähnlich wie ein Dark Souls erzählt es mir das aber nicht einfach, sondern lässt es mich erleben - Kollege Dimi hat übrigens genau dazu eine interessante Kolumne verfasst.

Wie From Softwares Rollenspiel ermüdet es mich mit zahlreichen Kämpfen um eine längst verlorene Welt und eine längst vergangene Liebe. Genau das lässt es mich mit seinen wehmütigen Bildern und der getragenen Musik letztendlich spüren. Und trotzdem gebe ich nicht auf: Denn es blitzen immer wieder Erinnerungen und Momente durch, für die es sich doch zu kämpfen lohnt. Selbst in so einer Welt.

Deshalb fühle ich beim Spielen so mit Red und verstehe sie und ihre Welt allein dadurch deutlich besser, als in manch anderem Spiel - auch wenn ich nicht alles weiß. Um diese Art der Erzählung zu verstehen, muss man sich allerdings darauf einlassen können - ein schönes, kleines Experiment für die ruhige Zeit zum Jahresende. Und das für nur drei Euro.

Transistor - Test-Video zum Action-Rollenspiel 5:18 Transistor - Test-Video zum Action-Rollenspiel


Kommentare(30)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.