Steam Tipp des Tages - Was dieses Horrorspiel Amnesia und Outlast voraus hat

Halloween steht vor der Tür und Spiele wie Amnesia oder Outlast stehen hoch im Kurs. Für Elena macht ihr Horror-Tipp aber zumindest eine Sache deutlich besser als die beiden Hits.

von Elena Schulz,
27.10.2016 18:02 Uhr

Ich bin kein sonderlich großer Fan der meisten Horrorspiele. Dabei grusele ich mich eigentlich gern und hatte durchaus Spaß mit Spielen wie Penumbra, Amnesia oder Outlast - sogar erst kürzlich, als ich mich in die Demo des zweiten Teils gestürzt habe. Und ja, es war ein bisschen peinlich die halbe Gamescom bei der Kitchen-Demo zu Resident Evil 7 in VR zusammenzuschreien, aber abgesehen davon auf meiner persönlichen Horrorskala definitiv ein Höhepunkt.

Aber was mich bei solchen Spielen stört, ist dass sie immer sehr im Moment verankert sind. Ich erlebe Anspannung, weil jeden Augenblick etwas passieren könnte, erschrecke mich anschließend vor jeder Kleinigkeit und bin ein gefundenes Fressen für clever platzierte Jumpscares. Das ist tatsächlich wahnsinnig effektiv. Aber eben nur einen schaurig schönen Moment lang.

Anders erging es mir bei meinem Steam-Tipp. Der schaffte nämlich, dass ich einerseits unbedingt weiterspielen wollte und mich dabei wunderbar gruselte, verfolgte mich aber andererseits auch lange nach dem Spielen noch. Der Horror war so genial inszeniert und in eine ebenso bedrückende wie bedrohliche Geschichte verpackt, dass er lange nachhallte. Und viel wichtiger: Mich auch emotional packte.

Wer das Gleiche zu Halloween haben möchte, muss nicht einmal viel Geld ausgeben: Noch bis zum 31. Oktober gibt es das Horror-Adventure The Cat Lady für nur 3,05 Euro auf Steam.

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Vom Regen in die Traufe

Auf den ersten Blick sieht das düstere Adventure dabei gar nicht nach Nervenkitzel aus, sondern klingt eher, als würde es ordentlich auf die Tränendrüse drücken. Heldin Susan Ashworth ist eine tragische Figur, 40 Jahre alt. Sie lebt allein mit ihren Streunerkatzen und möchte sterben. Das Spiel beginnt mit ihrem Selbstmord-Versuch.

Anstatt alle Probleme damit aus der Welt zu schaffen, bringt der aber nur neuen Ärger ins Haus: Statt im Himmel lande ich mit Susan in einer unheimlichen Zwischenwelt und treffe auf die unappetitliche Königin der Maden. Die macht mich ironischerweise gleich unsterblich und schickt mich zurück auf die Erde, um fünf ganz besondere Menschen zu töten.

Und wenn ich »besonders« sage, dann meine ich besonders abstoßend. Denn hier beginnt der Horroteil: Die fünf sind eiskalte Killer, die ihre Opfer beispielsweise mit Vorliebe erst foltern und dann mit dem Hackebeil zerlegen. Ein schlechtes Gewissen muss ich also schon einmal nicht haben - und Angst als Unsterbliche auch nicht wirklich. Trotzdem sorgen die fünf bei mir für richtig Gänsehaut.

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Horror mit Herz

Im Rahmen der Story werden sie mir zuerst als normale Menschen vorgestellt, bis ich das Ausmaß ihres Wahnsinns langsam begreife und den Psychopathen in die Falle gehe. Diese menschlichen Abgründe faszinieren mich hier deutlich mehr als beispielsweise bei Outlast, weil sie auf einmal Teil meines Alltags sind - der Horror findet immer und überall statt, nicht irgendwo in einer verlassenen Irrenanstalt oder in einem alten Schloss.

Das leicht trashige Artdesign verstärkt dieses beunruhigende Gefühl noch. Alles wirkt seltsam zusammengebastelt, grotesk und irgendwie bedrohlich. Das führt dazu, dass ich dem Adventure jederzeit alles zutraue und eine ähnliche Spannung wie in einem Outlast habe, obwohl ich mir keine Sorgen um Jumpscares und Co. machen muss. Es ist einfach eine Welt, in der nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Und diese Welt erinnert mich so erschreckend an meine eigene.

Das ist für mich tatsächlich die große Stärke von The Cat Lady. Es erschafft einen alltäglichen Horror, der mir durch Mark und Bein geht und ruht sich dabei nicht allein auf bloßem Schrecken aus. Ich fühle gleichzeitig mit den Figuren und wünsche mir, dass sie es schaffen, weil ich sie liebgewonnen habe: Susan wird an jeder Ecke mit Leid und Menschen konfrontiert, die ihr wehtun wollen, lernt gleichzeitig aber auch Menschen kennen, die ihr Hoffnung geben. Statt sie zu zerstören, gibt ihr die neue Aufgabe tatsächlich die Kraft, ihr Leben zu hinterfragen und mit den eigenen Ängsten und Depressionen fertigzuwerden. The Cat Lady traut sich damit an echte Tabu-Themen und beschönigt nichts. Gerade so wird es aber zu einem Horror, für den ich mir aus tiefsten Herzen ein Happy End wünsche.

The Cat Lady - Test-Video zum düsteren Psycho-Adventure The Cat Lady - Test-Video zum düsteren Psycho-Adventure


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