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Inhaltsverzeichnis
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Steve Meretzky - Der Humorpionier

Steve Meretzky brachte uns durch Floyd zum Lachen (und Weinen), heckte mit Douglas Adams eines der haarsträubendsten aller Rätsel aus und betörte unsere Sinne mit einer riechbaren Sex-Posse. GameStar unterhielt sich mit dem Altmeister des interaktiven Humors und blickt – ganz ernsthaft – auf seine Adventure-Karriere zurück.

von Heinrich Lenhardt,
30.04.2016 08:00 Uhr

Wer über Humor in Spielen spricht, denkt oft spontan an LucasArts, an Monkey Island, Day of the Tentacle & Co. Dabei gibt es jemanden, der den gespielten Witz schon viel früher zelebriert: Steve Meretzky. Der Altmeister des in Programmcode gegossenen Gags beschert Spielern der Achtziger und frühen Neunziger mehr vergnügliche Stunden als alle Alfs und Seinfelds zusammen. Er stellt uns den liebenswertesten Roboterclown aller Zeiten zur Seite und treibt uns mit einem Babelfisch zur Weißglut, er lässt uns den Geruch von Mottenkugeln freirubbeln und mit Superhelden in Pizzaschachteln blicken oder den Cholesterinspiegel ihrer Widersacher erhöhen.

Selbst langweilige Toiletten beschreibt Steve mit Verve (»Dich fasziniert, wie wenig die Jahrtausende und kulturellen Unterschiede dem Design von Kloschüsseln anhaben konnten.«), und schreckt auch nicht davor zurück, den Spieler direkt anzusprechen (»Behalte gefälligst deinen Mauszeiger bei dir, du Grabscher!«).

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Ein Büro-Schnappschuss aus den frühen Achtzigerjahren. Steve Meretzky beginnt bei Infocom als wuscheliger Tester, bevor er mit Planetfall sein erstes Adventure schreiben darf.Ein Büro-Schnappschuss aus den frühen Achtzigerjahren. Steve Meretzky beginnt bei Infocom als wuscheliger Tester, bevor er mit Planetfall sein erstes Adventure schreiben darf.

Doch um ein Haar wäre all das nie geschehen! Denn mit Computern hat der junge Steve nun wirklich nichts am Hut. Das macht er lautstark klar, als sein Mitbewohner Mike Dornbrook einen Apple II auf dem Esstisch aufbaut. »Steve kam durch die Hintertür, sah den Computer und meinte nur: ›Weg damit!‹«, erinnert sich Dornbrook. Er will seinem WG-Genossen erklären, wie man auf dem Gerät ein Spiel startet, doch Meretzky »bedeckte seine Ohren mit den Händen und begann zu schreien, damit er mich nicht hören konnte«.

Meretzkys komödiantisches Talent ist also bereits 1981 stark ausgeprägt - und es soll nicht mehr lange dauern, bis er es zum Erzählen interaktiver Geschichten verwendet. Mike Dornbrook hat den Apple II angeschleppt, um Spiele für Infocom zu testen, dieses neue kleine Studio von ein paar Jungs, die er und Steve von der Uni kennen, vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Meretzky hat dort bereits sein Abschlussdiplom gemacht und blickt einer aufregenden Karriere im Baumanagement entgegen. Computer und Hacker straft er eigentlich mit Verachtung, aber dann findet er es doch ganz interessant, wie sein Mitbewohner am Esstisch auf Bug-Jagd geht.

Die Spiele von Infocom sind interaktive Geschichten wie das Fantasy-Abenteuer Zork: Text pur, keinerlei Grafik. Gar nicht mal doof, um nicht zu sagen: verflixt spannend. Bald spielt der vermeintliche Computer-Muffel Meretzky heimlich, wenn sein Kumpel nicht zuhause ist, und hat seinen Spaß am Aufspüren von Bugs. Im Herbst 1981 zieht Mike Dornbrook nach Chicago, um an einer Wirtschaftshochschule zu studieren. Infocom braucht dringend einen neuen Tester im Raum Boston, der das anstehende Krimi-Adventure Deadline checken kann. Fragen wir doch Steve.