Südkorea - Keine Onlinespiele nach Mitternacht für unter 16-Jährige

In Südkorea wurde am vergangenen Freitag ein Gesetz verabschiedet, dass Minderjährigen unter 16 Jahren eine Zwangspause von ihren Onlinespielen verordnet.

von Christian Fritz Schneider,
02.05.2011 17:44 Uhr

Das MMO Mabinogi ist eines von 19 Online-Rollenspielen, die demnächst in Südkorea von Jugendlichen nur noch mit nächtlicher Zwangspause gespielt werden dürfen.Das MMO Mabinogi ist eines von 19 Online-Rollenspielen, die demnächst in Südkorea von Jugendlichen nur noch mit nächtlicher Zwangspause gespielt werden dürfen.

In Südkorea versucht die Regierung derzeit mit vergleichsweise drastischen Mitteln gegen Computerspielesucht bei Minderjährigen vorzugehen. Ein neues Gesetz, das unter der Federführung des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus entstand, sieht vor, Jugendlichen unter 16 Jahren ab Mitternacht die Verbindung zu einigen Online-Rollenspielen zu kappen.

Dabei stehen den Spielern drei Optionen zur Wahl: Wer um Punkt zwölf aussteigt, kann um sechs Uhr morgens weiterspielen. Beim Ausstieg um eins, wird das Spiel ab sieben Uhr wieder freigeschaltet und wer um zwei Uhr morgens abschaltet, darf erst um acht in der Früh weiterzocken. Um die sechs Stunden Zwangspause kommen die Spieler also nicht herum. Zumindest wenn es nach den Plänen der Regierung geht.

Vorerst sind nur vier Online-Rollenspiele von der Regelung betroffen, darunter das populäre Dungeon & Fighter und Dragon Nest. In den kommenden sechs Monaten soll die Liste der MMOs um 15 weitere Titel ergänzt werden, die dann rund 80 Prozent des südkoreanischen Spielemarkts abdecken würden. Darunter auch Spiele wie Maple Story and Mabinogi.

Kritiker bemängeln bereits, dass die Liste nicht umfassend genug ist. Spiele wie Lineage tauchen beispielsweise nicht auf. Außerdem sehen die Hersteller in dem Gesetz einen unfairen Wettbewerbsnachteil gegenüber nicht gelisteten Konkurrenten. Wie man die Regelung technisch umsetzen will, scheint auch noch nicht ganz klar. Vor allem, wie man verhindern will, dass sich die Jugendlichen mit den Daten ihrer Eltern anmelden.

In Südkorea gibt es schon seit einiger Zeit Bestrebungen, der Spielesucht mit neuen Gesetzen entgegen zu wirken. Auslöser für die Initiativen waren eine Reihe von Vorfällen, bei denen Jugendliche teils tagelang ohne Pause spielten und nicht mehr aus ihren Zimmern kamen. In einem Fall soll ein Spieler sogar durchs Dauerzocken gestorben sein. In einem noch drastischeren Fall verhungerte angeblich sogar ein Baby, während die Eltern spielten.


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