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Tales of Berseria im Test - Wenn Dämonen-Damen Rache nehmen

Der neueste Ableger der traditionsreichen japanischen Rollenspiel-Reihe konfrontiert uns nicht mit der üblichen, fröhlichen Abenteuergeschichte. Hier geht es um blutige Rache.

von Michael Cherdchupan,
01.02.2017 15:26 Uhr

Tales of Berseria im Test: Was taugt das JRPG auf dem PC?Tales of Berseria im Test: Was taugt das JRPG auf dem PC?

PC-Spieler, die auf Japano-Rollenspiele stehen können sich momentan echt nicht beschweren. Das vielversprechende Ni No Kuni 2 wurde auch für PC angekündigt, und mit Tales of Berseria ist willkommener Nachschub in diesem ansonsten so karg besetzten Genre erschienen.

Die japanische Tales-Reihe kann auf eine umfangreiche Seriengeschichte zurückblicken. Seit das allererste Spiel im Jahre 1995 noch für Super Nintendo veröffentlicht wurde, sind inklusive aller Spin-offs über 30 Titel und mehrere Animes erschienen. Der 16. Ableger der Hauptserie ist nun Tales of Berseria. Obwohl es sich die Spielewelt mit dem Vorgänger Tales of Zestiria teilt, ist die Handlung viel weiter zurück in der Vergangenheit angelegt und deshalb auch ohne Vorkenntnisse genießbar.

Tales of Berseria - Launch-Trailer zum düsteren JRPG 1:54 Tales of Berseria - Launch-Trailer zum düsteren JRPG

Die Schöne und das Biest

Wir übernehmen die Rolle des jugendlichen Dorfmädchens Velvet Crowe, die in der blutroten Nacht einer Kernschattenfinsternis mitansehen muss, wie der Exorzist Artorious ihren kleinen Bruder Laphicet in einem Ritual brutal opfert. Sie versucht, den kleinen Bruder zu retten, doch der Versuch schlägt fehl. Als Folge nehmen dämonische Kräfte Besitz von ihrem linken Arm. Velvet mutiert so einer Kreatur, die»Therion«genannt wird und die sich von der Lebensenergie anderer ernähren kann.

Mit dem Ritual wollte Artorius Malakhim beschwören, spirituelle Wesen, die vom Exorzisten-Orden zu willenlosen Sklaven gemacht werden können und die dem Bösewicht zu einem enormen Machtaufstieg verhelfen sollen. Davon bekommt Velvet allerdings zunächst nur wenig mit: Sie wird in einen tiefen Kerker irgendwo auf einer abgelegenen Gefängnisinsel gesperrt. Der einzige Gedanke, der sie am Leben erhält, ist der Wunsch nach Rache - der »Graf von Monte Christo« lässt grüßen. Als ihr drei Jahre später die Flucht gelingt, verschwendet sie keine Zeit und macht sich augenblicklich auf die Suche nach dem Mörder.

Tales of Berseria - Screenshots aus der PC-Version ansehen

Kommt Zeit, kommt Rache

Die düstere Vergeltungsgeschichte ist untypisch für die Tales-Serie. Die Vorgänger hatten einen fröhlichen, durch viel Abenteuerlust geprägten Grundton, der durch gutherzige, rechtschaffene Helden unterstrichen wurde. Velvet Crowe ist jedoch anders: Sie ist kompromiss- und gewissenlos, scheut weder Gewalt noch Opfer und schert sich einen Dreck um das Leiden ihrer Mitmenschen.

Velvet setzt einen ganzen Hafen in Brand, bedroht kleine Kinder und verstümmelt Verbündete. Um das Dämonenmädchen herum versammelt sich folglich eine Gruppe von Verbrechern. Von einer verurteilten Hexe über einen selbstgerechten Piraten bis hin zur abtrünnigen Dienerin: Es ist eine Bande von Outlaws, die einem im Verlauf der Handlung trotz schlimmer Taten ans Herz wächst.

Obwohl die tragische Geschichte nicht frei von Anime-Klischees ist, schafft sie es, ihre Hauptfiguren über die rund 45 Stunden lange Kampagne interessant auszubauen und eine wendungsreiche (Anti-)Heldenreise voller spannender Verwicklungen zu erzählen. Dass ganz nebenher die dunkelsten Seiten der menschlichen Seele erforscht und Fragen über den freien Willen und gar Religion aufgeworfen werden, ist ein besonderes Kunststück. Die Handlung von Tales of Berseria ist nicht nur innerhalb ihrer Serie eine der besten, sie bricht auch so manche Konvention ihrer Genrekollegen.

Die Videosequenzen sind technisch gut produziert und teilweise ganz schön düster – Tales of Berseria ist ein ernstes Spiel. Die Videosequenzen sind technisch gut produziert und teilweise ganz schön düster – Tales of Berseria ist ein ernstes Spiel.

Ein verkappter Brawler

Neben der Handlung trumpft Tales of Berseria mit einem gelungenen Kampfsystem auf. Berührt man einen der reichlich vorhandenen Gegner irgendwo in der Landschaft, wird man in einen separaten Kampfbildschirm geworfen, bei dem man sich in Echtzeit umher bewegen kann. Im Vergleich zu den Vorgängern wurden die Schrauben des Kampfsystems noch weiter gelockert.

Es wirkt nun wie ein schnelles Prügelspiel, dem man umfangreiche Rollenspielmechaniken implantiert hat. Ähnlich wie in Remember Me lassen sich eigene Combos zusammenstellen. Schläge werden sofort ausgeführt und es gibt bei jedem Treffer ein spürbares Feedback. Wer eine Gedankenpause braucht oder die Schwachstellen der Gegner einsehen möchte, kann auf Knopfdruck das Geschehen für eine kurze Zeitspanne pausieren und nützliche Informationen abrufen.

Das Spiel wird selbst nach zehn Stunden nicht müde, in Tutorials neue Facetten des überraschend komplexen Kampfsystems offen zu legen. Richtig spaßig wird es vor allem dann, sobald man sich später im Spiel mit bis zu sechs Partymitgliedern in den Kampf stürzt. Jederzeit kann man zwischen den Figuren wechseln, während die KI die Steuerung der anderen übernimmt. Das Gefühl des Triumphes, wenn man mit der richtigen Strategie erfolgreich das Momentum des Kampfes aufrechterhalten hat, ist schwer zu überbieten.

Die Animationen im Kampf sind ausgezeichnet gelungen. Die Bildrate bleibt selbst bei heftigem Getümmel jederzeit stabil.Die Animationen im Kampf sind ausgezeichnet gelungen. Die Bildrate bleibt selbst bei heftigem Getümmel jederzeit stabil.

Die Rache der Stagnation

Zwar ist Tales of Berseria bei seiner Geschichte und beim rollenspiel-untypischen Kampfsystem mutig, allerdings nicht in anderen Aspekten. Die Welt zum Beispiel ist in voneinander abgekapselte Städte, Landstriche und Verliese unterteilt, die mit linearen Schläuchen verbunden sind und alle Mühe haben, den Entdeckerdrang auch nur im Entferntesten zu kitzeln.

Es gibt keine Sehenswürdigkeiten oder markante Landschaftsmerkmale, sondern wir klappern nur eine generische, oft leblose Umgebung nach der anderen ab. Der beschämende Höhepunkt seelenloser Gestaltung sind die Dungeons, die wie aus einem Baukasten zusammengesetzt wirken. Die aufrufbare Karte hat man hier bitter nötig, denn jeder Fels, jeder Eiskristall, jede Pflanze, jede verdammte Ecke wirkt austauschbar.

Auch technisch tritt Tales of Berseria auf der Stelle. Das Charakterdesign ist passabel und transportiert alle wichtigen Gefühle für die Geschichte. Aber vor allem in den eingestreuten Zwischensequenzen wird deutlich, dass die Entwickler sich einer längst veralteten Massenproduktionsästhetik bedienen, die aussieht wie in etlichen anderen Anime-Werken. Dabei hätte es die Chance gegeben, die Rachelust der Protagonistin mithilfe der Grafik zu unterstreichen. Zum Beispiel ein Schraffur-Stil wie in Valkyria Chronicles als Ausdruck innerer Unruhe oder nachgezogene Pinselstriche bei Schlägen wie bei Street Fighter 4, um die jahrelang aufgestaute Wut darzustellen. Schade, denn technisch gehen die Videos durchaus in Ordnung. Komplett veraltet sind jedoch die immerhin synchronisierten Standbild-Dialog, die immerhin altes Japano-RPG-Flair verbreiten.

Bei Texturen und Polygonzahl sieht man dem Spiel an, dass es auch für die betagte PlayStation 3 erschienen ist (nur in Japan).Bei Texturen und Polygonzahl sieht man dem Spiel an, dass es auch für die betagte PlayStation 3 erschienen ist (nur in Japan).

Dass die Grafik stellenweise technisch an die frühe PlayStation-3-Ära erinnert, macht die Sache nicht unbedingt besser. In Japan ist Tales of Berseria ja auch noch für die angegraute PS3-Hardware erschienen. Immerhin lässt sich bei der PC-Fassung deutlich mehr an der Grafik schrauben als bei der PS4-Version. Im Menü konfigurieren wir nicht nur die Steuerung, sondern schrauben auch an Tiefenunschärfe, Sichtweite und Animationsqualität. Perfekt ist die Umsetzung deshalb aber noch lange nicht, das Framelimit liegt bei 60 Bildern pro Sekunden und die Texturen sind recht niedrig aufgelöst.

Beim Sound zeigt sich Tales of Berseria solide. Die sich ständig wiederholenden Sprachsamples während der Kämpfe wirken zwar ermüdend, und der Musik fehlt es an eingängigen Melodien, sie hat aber trotzdem genug Energie, um vor allem actionreiche Szenen anzupeitschen. Wer keinen mittelschweren Hörsturz erleiden möchte, wählt jedoch besser die japanische Sprachausgabe mit Untertiteln. Die englischen Hauptsprecher machen ihre Sache ganz gut, doch die Stimmen der Nebenfiguren sind nur schwer zu verkraften. Die englische Synchronisation der Hexe Magilou kann Sektgläser zum Platzen bringen.

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