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Tesla Effect: A Tex Murphy Adventure im Test - Huch, die Neunziger sind zurück!

Tesla Effect: A Tex Murphy Adventure nimmt uns im Test mit in die abgefahrene Epoche der B-Movie-Adventures - ist aber nicht nur etwas für Nostalgiker.

von Martin Deppe, Jochen Gebauer,
19.05.2014 16:50 Uhr

Wenn man bei Amazon nach Tex Murphy sucht, taucht auch dieser Artikel auf: »Auf der Suche nach dem goldenen Kind [VHS]«. Genau, die Hollywood-Komödie mit Eddie Murphy. Kennen Sie den Quassel-Kerl noch? Und wissen Sie noch, was VHS heißt (außer Volkshochschule)? Dann dürften Sie zu der Generation gehören, die noch die Ära der Video-Adventures am PC miterlebt hat, auch Interactive Movies genannt.

Dieses Untergenre nutzte unter anderem Full Motion Videos (FMVs), also Filmsequenzen mit echten Schauspielern vorm Greenscreen, mit später reinkopierten Schauplätzen. Wie in Wing Commander 3 zum Beispiel. Diese Technik war Anfang der 90er mit Aufkommen der CD-Laufwerke voll angesagt, aber auch umstritten. Denn viele Spiele verließen sich ausschließlich auf die coole Technik, und weil die Produktionskosten hoch waren, wurde gern am Rest gespart. Das bescherte uns unsagbare Gurken wie Terror T.R.A.X. -Track of the Vampire. Und ja, das Ding spielte sich so furchtbar wie sein Name.

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Tesla Effect: A Tex Murphy Adventure - Screenshots ansehen

Der Start ist richtig hässlich

Auch die Tex Murphy-Reihe (siehe Klickstrecke) setzt auf diese FMV-Technik, kombiniert sie aber ab 1994 mit einer frei begehbaren 3D-Umgebung - wir klicken uns also nicht nur durch einzelne Bildschirme, sondern marschieren durch Straßen und Gebäude, gucken uns um und so weiter. Auch das brandneue Tesla Effect: A Tex Murphy Adventure steuert sich so: Wie in einem Shooter laufen wir mit den WASD-Tasten im Jahr 2050 durch die Gegend und »zielen« mit der Maus auf interessante Punkte, von der Hoteltür bis zum Sofakissen.

Die Tex Murphy Spiele: Mean Streets Mean Streets (1989 erschienen): Im Jahr 2033, 35 Jahre nach dem Dritten Weltkrieg, soll Tex den Tod eines Wissenschaftler untersuchen, der von der Golden Gate Bridge gesprungen ist – oder wurde? Das Detektivspiel protzt mit 256K-VGA-Grafik, gelegentlicher Sprachausgabe (Tex bleibt allerdings stumm) und dem Lotus Speeder, mit dem wir wie in einer Flugsimulation zwischen den Metropolen der US-Westküste umhersausen. Das Spiel war nämlich ursprünglich als reiner Flugsimulator geplant, die Detektivstory wurde dann drumrum gestrickt.

Martian Memorandum Martian Memorandum (1991): Sechs Jahre später, also 2039, reist Mister Murphy mal eben zum ... Mars. Dort soll er die verschwundene Tochter eines Wirtschaftsmoguls aufstöbern – und ein Artefakt. Die Actionsequenzen und Flugeinlagen sind verschwunden, das Spiel steuert sich klassisch mit Verben-Anklicken und Multiplechoice-Dialogen. Natürlich sind Ähnlichkeiten mit Arnies 1990 erschienenem Actionfilm Total Recall total Zufall.

Under a Killing Moon Under a Killing Moon (1994): Tex’ Nachbar Rook Gamer ist überfallen worden (der Pfandleiher spielt übrigens auch in Tesla Effect mit). Klingt nach einem Bagatellfall, entwickelt sich jedoch zum Kampf gegen eine Sekte, die unbedingt die Menschheit ausrotten will – bis auf die Sektenanhänger natürlich. Das Adventure spielt 2042, in einer texture-mapped 3D-Umgebung. Das war damals ganz schön fortschrittlich, denn die meisten Spiele nutzten lediglich vorgerenderte 3D-Grafik.

The Pandora Directive The Pandora Directive (Die Pandora Akte, 1996): Auf gleich sechs CDs kommt Tex’ viertes Abenteuer daher – und macht uns nervigerweise zum Diskjockey, denn wir müssen ständig die Scheiben wechseln. Apropos Scheibe: Der Privatschnüffler ermittelt diesmal in Roswell (Sie wissen schon, das mit dem UFO). Die 2043 angesiedelte Story hat sieben alternative Enden – aber leider auch laberlastige Dialoge.

Tex Murphy: Overseer Tex Murphy: Overseer (1998). Das bisher letzte Tex-Adventure ist ein Pseudo-Remake von Mean Streets (siehe oben). Warum Pseudo? Weil Tex Murphy im Jahr 2044

Allerdings würde sich so ziemlich jeder Shooter furchtbar schämen, wenn er wie die erste »Map« von Tesla Effect aussähe - denn die ist mal so richtig hässlich. Klar, vor 52 Jahren gab's den Dritten Weltkrieg, danach sieht's in New San Francisco halt nicht so kunterbunt aus wie bei Guybrush in der Karibik. Aber etwas modernere 3D-Optik hätten wir uns heutzutage schon gewünscht.

Die Schauspieler haben Spaß - wir auch!

Aber zum Glück spielen wir das neue Tex Murphy-Abenteuer nicht wegen der 3D-Levels - sondern natürlich wegen der trashig-kultigen Videodialoge mit Mutanten, Hologrammen, durchgeknallten Typen, mit Nachbarn, Hotelbesitzern, Gangstern, scharfen Bräuten und abgestumpften Cops.

Schon ist die klotzige Straße da draußen vergessen, denn die Schauspieler geben wirklich alles. Ihr »Overacting«, also die überzogene Mimik und Gestik, sind typisch für damals - und kommen in HD noch besser, weil wir rollende Augen und aufgerissene Münder nicht mehr drei bis zehn Pixel breit erleben, sondern wie im Film.

Erfreuliches Wiedersehen mit Freunden

Immer wieder gibt’s putzige Rückblicke auf die alten Spiele – hier ein Vokuhila aus Under a Killing Moon.Immer wieder gibt’s putzige Rückblicke auf die alten Spiele – hier ein Vokuhila aus Under a Killing Moon.

Und wer die alten Tex Murphy-Spiele kennt, der kriegt beim Cast ein Sentimental-Bonbon obendrauf: Der Original-Entwickler Chris Jones spielt wieder den schusselig-sympathischen, um 16 Jahre gealterten Privatermittler. Und überall stößt er auf alte Bekannte: Louie, der Mann mit dem Frankenstein-Look, arbeitet immer noch im Diner an der Ecke, wir treffen den grummeligen Pfandleiher Rook Garner, unseren Kumpel Archie Ellis, und noch ein paar Leute, die wir Ihnen aber nicht verpetzen wollen.

Die ganzen Namen sagen Ihnen nichts (mehr)? Dann verliert Tesla Effect leider etwas von diesem Klassentreffen-Charme. Völlig ahnungslos werden Sie allerdings nicht gelassen, denn das Spiel steckt auch voller echter Rückblenden: Da entdeckt Tex zum Beispiel eine Brechstange oder ein schwarzes Buch, erinnert sich an eine Schlägerei oder eine Femme Fatale - und prompt startet eine Videosequenz aus dem entsprechenden Vorgängerspiel. Diese zahlreichen »Flashbacks« machen erst recht deutlich, wie sich die Videoqualität in den letzten 16 Jahren gemausert hat.

Ein rekordverdächtiger Filmriss

Diese Erinnerungen sind aber nicht nur nette Gimmicks, sondern passen prima in die Story: Tex wacht nämlich in seinem alten Büro auf, mit brummenden Schädel und deftigen Erinnerungslücken. Er weiß zwar, dass es letzte Nacht eine Schießerei gab - aber nicht mehr, was er die letzten sieben Jahre (!) so getrieben hat.

Und während er mit Nachbarn, seinem Vermieter und anderen Bekannten redet, werden drei Dinge klar. Erstens: Tex' Verhalten hat sich in letzter Zeit stark verändert. Zweitens: Seine geliebte Chelsee ist offenbar tödlich mit seinem Speeder verunglückt. Drittens: Sein letzter Fall vor dem Blackout hat irgendwie mit dem berühmten Wissenschaftler, Sie ahnen es, Nikola Tesla zu tun. Aber wie kann das sein, über hundert Jahre nach dessen Tod?

Einer der etwas schöneren Schauplätze, durch den wir mit den WASD-Tasten laufen. Das schlichte, intuitive Interface öffnet sich per rechtem Mausklick. Einer der etwas schöneren Schauplätze, durch den wir mit den WASD-Tasten laufen. Das schlichte, intuitive Interface öffnet sich per rechtem Mausklick.

Und so marschieren wir durch die gute alte Chandler Avenue, besuchen Hotels, Restaurants, den alten Kostümladen. Die meisten Gebäude sind zu Spielbeginn noch geschlossen, erst mit unseren Story-Fortschritten öffnen sie nach und nach - oder indem wir Rätsel lösen.

Ein Beispiel aus der ganz frühen Spielphase (wir wollen ja nichts Wichtiges spoilern): Tex vermutet, dass die ominösen nächtlichen Schützen ihn vom Nachbarhaus aus beharkt haben. Um dort hochzukommen, braucht er eine Leiter. Wo er eine finden kann, erfährt er im Dialog mit Koch Louie, nicht aber, wie er an die Schlüsselkarte kommt, um das Gebäude zu öffnen, in dem wiederum die Leiter ist.


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