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This War of Mine im Test - Ein echtes Antikriegsspiel

This War of Mine soll den Krieg aus Zivilistensicht zeichnen. Das klappt. Im Test finden wir aber schnell heraus: Vom Spielspaß-Begriff muss man sich dafür verabschieden.

von Dennis Kogel,
18.11.2014 14:10 Uhr

This War of Mine - Launch-Trailer: Ein Kriegsüberlebender erzählt 1:51 This War of Mine - Launch-Trailer: Ein Kriegsüberlebender erzählt

Unser Schlüsselmoment in This War of Mine kam nicht, als unsere Überlebenden ausgelaugt vor einem Ratteneintopf stehen, auch nicht, als wir merken, dass Juwelen auf dem Schwarzmarkt keine Dose Hundefutter wert sind. Es macht Klick, als eine unserer Spielfiguren aus reiner Not einen Mord begehen muss. Die Angehörigen sacken um die Leiche des Opfers zusammen, weinen und flehen um Gnade. Während unser Mörder in sein Versteck flieht und dort verzweifelt. This War of Mine ist kein normales Spiel.

Wo ist die Wertung?
This War of Mine ist kein klassisches Spiel. Es stellt die unerbittliche Lebensrealität von Zivilisten in einem Kriegsgebiet dar - und Spaß sucht man dort vergebens. Deshalb wäre es abwegig, eine Spielspaß-Wertung zu vergeben. Im Text gehen wir aber ausführlich auf alle Stärken und Schwächen von This War of Mine ein.

Gewohnte Spielmechanik

Die Überlebenden verstecken sich tagsüber im ausbaubaren Unterschlupf.Die Überlebenden verstecken sich tagsüber im ausbaubaren Unterschlupf.

Dabei bedient sich This War of Mine eigentlich an einem Genre, das aktuell konventioneller nicht sein könnte: der Überlebenssimulation. Wie in Don't Starve, Rust oder The Forest gilt es, das Überleben einer kleinen Gruppe von Figuren zu sichern. Im Gegensatz zu den eher fantastischen Szenarien anderer Survival-Spiele geht es hier aber um einen brutalen Bürgerkrieg. Die Protagonisten sind keine Superhelden, sondern Mathelehrer, Fernsehköche und Fußballer.

Die Herausforderungen bleiben dennoch ähnlich: Jeder Überlebende braucht täglich Nahrung, Wärme, Schlaf und Komfort. Um diese Bedürfnisse zu erfüllen, müssen wir Essen finden, den Unterschlupf mit knappen Ressourcen verbessern und Angreifer abwehren.

Der Spielablauf ist dabei in zwei Teile geteilt: Tag und Nacht. Tagsüber sieht man das Lager der Gruppe in einer Art Querschnitt-Ansicht und hat begrenzt Zeit, um das verwüstete Wohnhaus auszubauen. In Echtzeit schickt man den Fernsehkoch per Mausklick an den Herd, um mit Fleisch aus der Rattenfalle Eintopf für die Gruppe zu kochen, lässt den Feuerwehrmann die Werkbank aufwerten oder die Kindergärtnerin Kräuterzigaretten drehen.

This War of Mine - Screenshots ansehen

Nachtschicht in den Trümmern

Nachts werden Aufgaben verteilt. Wer bewacht den Unterschlupf vor Banditen? Wer darf schlafen? Und, am wichtigsten, welcher Überlebende wird zum Plündern ausgeschickt? Über eine Stadtkarte schicken wir den Plünderer in verwüstete Krankenhäuser, Hotels oder Wohngebäude. In Trümmern finden wir Holzscheite für den Ofen, in Medizinschränken Verbandszeug, Konserven in Supermarktregalen.

Doch wir müssen vorsichtig sein, denn durch den nächtlichen Kriegsnebel sehen wir nie, ob schon jemand anderes in den Ruinen unterwegs ist. So treffen wir zwangsläufig auf andere Überlebende, Händler oder bewaffnete Banditen, die wir bekämpfen oder uns vorbeischleichen können. Zurück im Unterschlupf informiert eine einfache Übersicht über andere Ereignisse der Nacht, und die gefundenen Ressourcen werden dem Lager hinzugefügt.

Der Unterschlupf Zuerst muss der Unterschlupf von Geröll befreit werden.

Plündern In ausgebrannten Häusern suchen wir nachts nach Vorräten.

Crafting Im einfachen Crafting-Menü bauen wir mit den Ressourcen den Unterschlupf aus.

Spielt man This War of Mine als pures Survival-Spiel mit dem Zähler für überlebte Tage als Highscore, dann ist es kein besonders gutes Spiel. Eine ganze Reihe von Design-Entscheidungen führen zu einer frustrierenden Spielerfahrung. Das fängt beim Beginn an: This War of Mine erklärt nichts. Weder wie Ressourcen funktionieren noch wie wir Gegenstände einsetzen. Nicht mal wie gekämpft wird, ist eine Erwähnung wert.

Dabei sind die Warenketten und das Ressourcenmanagement eigentlich relativ simpel. Nach ein paar Stunden hat man im Prinzip alles gesehen. Weil es aber keine Möglichkeit gibt, die Zeit zu beschleunigen, während man beispielsweise darauf wartet, dass der Wasserfilter durchgelaufen ist, entsteht Leerlauf. Spürbarer Fortschritt braucht dadurch eine ganze Weile.

Überleben ist hart

Dafür reicht eine Situation, um alles Erreichte wieder zunichte zu machen. Stirbt ein Überlebenskämpfer, können wir keinen Spielstand laden: This War of Mine ist ein Permadeath-Spiel. Das ist im Genre üblich, fühlt sich aber vor allem durch die Kämpfe unfair an. Durch die Point&Click-Steuerung sind die Gefechte hektisch und unübersichtlich. Und schon der Tod einer Figur kann für die ganze Gruppe das Ende bedeuten - alles nur, weil wir uns verklickt haben. Kurz: This War of Mine ist gemein und unfair.

Doch genau so soll es auch sein. This War of Mine ist ein Spiel darüber, sich machtlos und verloren zu fühlen. Jedes auf den ersten Blick verkorkste Designelement unterstützt es dabei. Die unvollständigen Informationen, die es über den Status der Spielfiguren preisgibt, erzeugen Unsicherheit. Wie lange überlebt ein Charakter, der »sehr hungrig« ist? Was macht man mit einem depressiven Feuerwehrmann? Wie lange braucht eine Wunde, um zu verheilen? Das Lernen des Spiels ist schmerzhaft. Fehler werden gnadenlos bestraft.

Der Tod hinterlässt Spuren an den Überlebenden.Der Tod hinterlässt Spuren an den Überlebenden.

Die Kampfsteuerung, die keinen Platz lässt für Finesse, macht jeden Schlagabtausch mit Banditen unberechenbar und vor allem: unerwünscht. Würde ein Tutorial-Fenster freundlich erklären: »Hey, Mord ist nicht gut für die geistige Verfassung deiner Überlebenden!«, dann wäre der Moment, wenn die Spielwelt auf den Tod so hart reagiert wie kaum ein anderes Spiel, nicht so schockierend.

Die meisten Spiele erlauben das Meistern ihrer Mechaniken und vermitteln ein Gefühl des Könnens, der Macht. This War of Mine tut das nicht. Gut sein in diesem Spiel bedeutet, genug Nahrung für zwei Tage zu haben, statt entscheiden zu müssen, wer hungrig bleibt. In einem Interview antwortet Designer Pawel Miechhowski auf die Frage, ob This War of Mine Spaß machen soll: Nein, es soll eine Erfahrung sein. Das ist es. Es ist eine unangenehme Erfahrung. Aber eine, die es wert ist, erlebt zu werden.


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