Überwachungsskandal - Britischer Geheimdienst fängt private und intime Webcam-Übertragungen ab

Der Überwachungsskandal ist wieder um eine Nuance reicher: der britische Geheimdienst GHCQ hat sich Zugriff auf Webcam-Übertragungen verschafft und Screenshots im 5-Minutentakt gespeichert.

von Georg Wieselsberger,
28.02.2014 08:55 Uhr

Auch private Webcam-Übertragungen sind vor dem GCHQ nicht sicher. (Bildquelle: UK Ministry of Defence)Auch private Webcam-Übertragungen sind vor dem GCHQ nicht sicher. (Bildquelle: UK Ministry of Defence)

Wie die britische Zeitung The Guardian meldet, hat der Geheimdienst GCHQ zumindest in den Jahren 2008 bis 2010 die Webcam-Chats von Yahoo-Nutzern abgefangen und dabei alle fünf Minuten ein Bild abgespeichert. Alleine in sechs Monaten des Jahres 2008 sollen so Bilder von 1,8 Millionen Nutzern, gegen die keinerlei Verdacht vorlag, in einer Aktion namens »Optic Nerve« abgespeichert worden sein. Laut den Dokumenten, die von dem NSA-Whistleblower Edward Snowden stammen, wurde Yahoo deswegen ausgewählt, weil die dortigen Webchats angeblich von »Zielen« des Geheimdienstes genutzt würden.

Die riesige Menge an Bildern stellte das GCHQ allerdings auch vor Probleme, denn in einem Dokument heißt es: »Augenscheinlich verwendet eine überraschend große Anzahl von Menschen Webcam-Unterhaltungen dazu, um einer anderen Person intime Körperbereiche zu zeigen.« Da der Videostream auch von mehreren Empfängern angesehen werden kann, »scheint es, dass das auch manchmal für das Senden von Pornografie verwendet wird«. Der Geheimdienst gibt an, dass zwischen 3 und 11 Prozent aller abgefangenen Bilder »unerwünschte Nacktheit« beinhalten. Tools und Systeme für die Analyse stammen laut dem Artikel vom US-Geheimdienst NSA. In den Dokumenten wird neben den Yahoo-Webchats auch der mit Kamera versehene Kinect-Controller der Xbox 360 erwähnt, der „ziemlich normalen Webcam-Traffic erzeugt“ und für ein noch umfassenderes Programm geprüft werden soll. Damit erscheinen auch die Bedenken zu Kinect 2.0 für die Xbox One unter einem neuen Licht.

Yahoo hat entsetzt auf die Überwachung der Webcam-Chats reagiert, sie als „vollkommen inakzeptabel“ bezeichnet und die Regierungen der Welt ausdrücklich aufgefordert, ihre Gesetze zur Überwachung zu reformieren. Das scheint auch dringend notwendig, denn laut GCHQ hat der Geheimdienst anscheinend selbst beim Anfangen privater und intimer Webcam-Bilder vollkommen beliebiger Yahoo-Nutzer stets nach geltenden Gesetzen und Regeln, nur im notwendigen, den Umständen entsprechenden Rahmen und unter strenger Kontrolle gehandelt.


Kommentare(42)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.