US-Soldaten raubkopieren im Irak - Filmindustrie im Krieg

Während im Irak täglich Menschen sterben, regt sich die Organisation der amerikanischen Filmproduzenten MPAA über raubkopierte DVDs in US-Militärbasen auf.

von Daniel Visarius,
18.05.2010 16:40 Uhr

Ein bisher geheim gehaltenes Dokument über den Filmkonsum der US-amerikanischen Soldaten im Irak aus dem Jahr 2008 sorgt für Aufregung: Danach kaufen die Truppen mitunter raubkopierte Film-DVDs bei einheimischen Händlern, weil sie nach eigener Aussage zum Beispiel über Amazon keine Filme bestellen und sich in die Militärbasen im Irak schicken lassen können.

Die Filmindustrie unter dem Dach der MPAA (Motion Picture Association of America) fragte die US-Armee daher, ob sie ihre Soldaten von den irakischen Händlern fernhält. Die Antwort:

Nein. Wie auf einem amerikanischen Flohmarkt verkaufen diese kleinen [irakischen] Shops eine Vielzahl von lokal produzierten Waren, darunter für das Land typische Souveniere. Wenn wir unsere Truppen an einem Einkauf dort hinderten, dann hätte das den unerwünschten Effekt, dass wir damit auch diesen kleinen irakischen Unternehmern schaden würden.

Und weiter:

Die Vereinigsten Staaten verbieten den Verkauf von Raubkopieren auf dem Gelände der US-Militärbasen. Aber irakische Geschäfte verkaufen Raubkopieren. Einige davon liegen abseits des Gebiets der Koalitionstruppen und unterliegen allein der irakischen Gesetzgebung.

Aber:

Filme lassen unseren Truppen einen Moment lang vor der grausamen Realität des Schlachfeldes fliehen. Das ist seit dem zweiten Weltkrieg so. [...] Die US-Truppen haben eine lange, positive Beziehung zu Unterhaltungsindustrie. Die Bereitstellung von Filmen in der Erstaustrahlung und Konzerten würde die Raubkopierei wohl eindämmen.

Über die Antwort der Medienindustrie ist nichts bekannt. Die Szene-Seite Torrentfreak weist in diesem Zusammenhang noch auf einen Widerspruch hin: Während sich MPAA über raubkopierende Soldaten schimpft, verdient sie mit Filmen über militärische Konflikte Millionen von US-Dollar. Das Oscar-Gewinner The Hurt Locker handele sogar von einer Freundschaft zwischen einem amerikanischen Soldaten und einem irakischen Jungen, der raubkopierte DVDs auf eine US-Basis verkauft.


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