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US-Urteil über Videospiele - Schwarzenegger gegen die Spielebranche

Den USA steht ein historisches Urteil bevor: Das höchste Gericht des Landes entscheidet über Gewalt in Videospielen. Die Spielebranche fürchtet das Schlimmste.

von Christian Schmidt,
02.05.2011 14:42 Uhr

Die neun Richter des obersten Gerichtshof der USA, des Supreme Courts, spielen keine Videospiele. Sie schauen sich Videos an. Zum Beispiel von Postal 2.

In dem in Deutschland indizierten Ego-Shooter kann man auf den Straßen einer Kleinstadt Amok laufen, Menschen anzünden, auf Leichen pinkeln oder mit abgetrennten Köpfen Fußball spielen. Das ist ohne Zweifel ein exzessives Maß an Gewalt; so exzessiv, dass das sieben Jahre alte Spiel immer wieder als Beispiel herhalten muss, wenn es um die Diskussion geht, ob Computerspiele potenziell gefährlich sein können.

Eingereicht hat die Videoschnipsel der Bundesstaat Kalifornien. Er möchte von den obersten Richtern die Antwort auf eine Frage haben: Darf Kalifornien Minderjährigen verbieten, Spiele wie Postal 2 zu kaufen? Darauf gibt es, aus deutscher Sicht, eine ziemlich einfache Antwort. Aus amerikanischer Perspektive entscheidet der höchste Gerichtshof über nichts weniger als die Zukunft der Redefreiheit.

Offiziell verhandelt der Supreme Court über den Streitfall der Assembly Bill 1179, unterzeichnet von Gouverneur Arnold Schwarzenegger am 2. Oktober 2005, in dem der Bundesstaat Kalifornien seinem Zivilgesetzbuch die Sektion 1746 hinzufügt. Sie verbietet den Verkauf von gewalthaltigen Spielen an Minderjährige unter 18 Jahren.

Darüber hinaus will Kalifornien eine Kennzeichnungspflicht einführen, eine weiße »18« mit schwarzem Rand auf einem Raum von 5,08 mal 5,08 Zentimetern, in etwa so groß wie die deutschen USK-Logos. Zum Jahresbeginn 2006 sollte das Gesetz in Kraft treten.

Stattdessen landete es vor Gericht. Der Händlerverband EMA (Entertainment Merchants Association) und der Herstellerverband ESA (Entertainment Software Association) klagen gegen die Umsetzung. Für die beiden Interessenvertretungen ist das Routine, zuletzt hatten sie 2005 und 2006 zwei ähnliche Gesetze der Bundesstaaten Michigan und Illinois vereitelt. Gerichte kassierten dort die Vorlagen. Auch bei AB 1179 erklärte erst das zuständige Bezirksgericht in San Jose, dann das Bundesberufungsgericht den Gesetzestext für verfassungswidrig. Kalifornien eskalierte den Fall zum Supreme Court. Dort wird nun im Verfahren »Schwarzenegger v. EMA« zum ersten Mal über Computerspiele verhandelt.

Wovor muss man Jugend schützen?

Im Schlaglicht stehen Amerikas Verhältnis zu Mediengewalt und Jugendschutz. »Es ist in den USA sehr einfach für ein Kind, an ein Spiel zu kommen, das der Alterseinstufung nach nicht für es geeignet ist«, sagt Julian Rignall, Redaktionsleiter beim US-Spielemagazin GamePro.

US-Politiker Arnold Schwarzenegger fordert härtere Auflagen für Videospiele. (Bild: Wikipedia)US-Politiker Arnold Schwarzenegger fordert härtere Auflagen für Videospiele. (Bild: Wikipedia)

Die Alterseinstufung durch die ESRB (Entertainment Software Rating Board) ist freiwillig, Verkaufsbeschränkungen gibt es nicht. De facto halten aber die meisten Handelsketten Selbstverpflichtungen ein, Erwachsenenspiele nicht an Kinder abzugeben, manche führen Spiele der Stufe »M« (»Mature«, ab 17) gar nicht erst im Sortiment.

In Deutschland hat der Jugendschutz Verfassungsrang, ihn zu garantieren ist Aufgabe des Staats. Er gilt gemeinhin als so wichtiges Gut, dass er im Zweifel höher steht als das Recht auf Handlungsfreiheit.

In den USA sieht man das genau umgekehrt: Kinder zu schützen ist Aufgabe der Familie, die Regierung hat sich herauszuhalten. Für sein Leben ist jeder selbst verantwortlich, reguliert werden sollte nur da, wo es unbedingt nötig ist.

Wie sehr sich die Einschätzung dessen, was bedrohlich ist und was nicht, von Kultur zu Kultur unterscheidet, spiegeln die Regeln zum Jugendschutz besonders deutlich wider. Schon allein die Definition von Minderjährigen ist unscharf: In Deutschland gilt man ab 18 Jahren als erwachsen, in den USA je nach Bundesstaat erst ab 21.

Die meisten Amerikaner dürfen ab 16 Auto fahren, ab 18 rauchen, aber erst ab 21 Alkohol trinken; ein einigen Bundesstaaten ist es sogar illegal, wenn Jugendliche in den eigenen vier Wänden ein Bier leeren. In Deutschland wiederum gibt’s »leichten« Alkohol wie Bier und Wein ab 16, wenn Mama beim Einkauf dabei ist sogar schon ab 14. Einvernehmlicher Sex ist in den USA erst ab 16 Jahren erlaubt, manche Staaten machen aber auch 17jährigen noch den Prozess, wenn sie mit Altersgenossen ins Bett gestiegen sind. In Deutschland gilt unter normalen Umständen Sex ab 14 als okay.

Sprich: Die Deutschen schützen ihre Kinder vor allem vor Gewalt und Straßenverkehr, die Amerikaner vor Alkohol und Sex. Nur beim Teufel Tabak sind sich beide einig.


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