Wall-E - Wer rastet, der rostet

In Pixars neuestem Animationsstreich wird ein kleiner Aufräum-Roboter zum Weltenretter.

von Daniel Matschijewsky,
23.09.2008 12:55 Uhr

Wall-E und Eve genießen den Sonnenuntergang.Wall-E und Eve genießen den Sonnenuntergang.

Wenn eine kleine weiße Schreibtischlampe über die Leinwand hüpft und das »I« eines Firmenlogos platt stampft, weiß man sich die nächsten zwei Stunden bestens unterhalten. Denn das Maskottchen des kalifornischen Filmstudios Pixar (Findet Nemo, Die Unglaublichen, Ratatouille) steht seit seinem ersten Auftritt in Toy Story (1995) für herausragende Animationsfilme – wegweisende Technik, liebevolle Charaktere und Geschichten, die alle Altersgruppen gleichermaßen ansprechen. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an Pixars neu(nt)en Film. Wir haben uns Wall-E, (deutscher Kinostart: 25. September) vorab auf einer Presse-Vorführung in München angeschaut – und sind begeistert.

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Nummer 5, äh… Wall-E lebt

Räumt alleine die Erde auf: Wall-E.Räumt alleine die Erde auf: Wall-E.

700 Jahre in der Zukunft ist die Erde entvölkert. Irgendwann sind alle abgehauen, mit einem riesigen Kreuzfahrt-Raumschiff davon gedüst und haben einen riesigen Müllberg hinterlassen. Um den kümmert sich Wall-E, ein kleiner Roboter, der tagein tagaus die leergefegte Welt säubert und einsam vor sich hin lebt. Doch das soll nicht so bleiben. Mehr möchte man an dieser Stelle nicht verraten, steckt Wall-E doch voller netter Charaktere und Überraschungen.

Überhaupt ist es Pixar einmal mehr gelungen, einem Haufen Metall mehr Leben einzuflößen, als es anderen Animationsfilmen nicht mit dutzenden Figuren gelingen mag. Der kleine Roboter verzückt von der ersten Minute an durch seine Neugier, seine skurrile Freundschaft mit einer Küchenschabe und seinen Traum, mehr zu sein, als nur ein Recycling-Werkzeug. Vor allem der fantastischen Animation verdankt es der niedliche Blechbursche, dass es ihm trotz fehlender Mimik und Sprache nicht an Emotionen mangelt. Im Gegenteil: Selten konnten wir mit einer CGI-Figur so mitfühlen, mit ihr lachen, mit ihr trauern -- ein Kunststück!

Next-Gen-Technik

Überhaupt, die Technik: Mit Wall-E setzt Pixar die Messlatte für künftige Animationen erneut ein ganzes Stück nach oben. Details, Beleuchtung, Kameraführung und Schnitt sind herausragend und dürften der zurecht erfolgsverwöhnten CGI-Schmiede im Frühling 2009 den siebten Oscar für einen abendfüllenden Animationsfilm bescheren.

Insbesondere das ein wenig an I am Legend erinnernde Endzeit-Szenario in der ersten halben Stunde ist den Designern hervorragend gelungen und sieht täuschend echt aus. Dass man trotzdem keine übersteigerte Realismus-Optik zu befürchten hat, verdankt Wall-E seinen comichaft gestalteten Charakteren, der Slapstick-Action und reichlich bunten Effekten – eine grafische Gratwanderung, die Pixar vorbildlich meistert.

Mit dem Finger zeigen

Aller Technikspielereien zum Trotz ist es dennoch die Geschichte, die einen Film trägt. Auch hier macht Wall-E alles richtig und schickt seinen blechernen Protagonisten in ein ebenso temporeiches wie interessantes Abenteuer -- Leerlauf gibt’s in den über zwei Stunden Spielzeit keinen.

Mit besonderem Augenzwinkern betrachtet Pixar dabei die Menschheit, wie sie in 700 Jahren existieren könnte: fett, aufgedunsen und nicht mehr fähig, selbstständig zu laufen, bewegen sich die zu faulen Medienkonsumenten mutierten Menschen in schwebenden Fernsehsesseln durch die Gegend und lassen sich von Robotern bedienen – eine nicht ganz subtile Gesellschaftskritik (an der westlichen Welt), die Pixar mit viel Humor zu präsentieren weiß, weshalb Wall-E lockere Unterhaltung bleibt, ohne gleich zur Lehrstunde zu verkommen.

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