Warhammer 40.000: Eternal Crusade - Die Early-Access-Frechheit

Maurice fragt sich, wie aus Eternal Crusade, dem groß angekündigten Warhammer-Planetside, nur eine derart große Enttäuschung werden konnte – und warum die Entwickler bei ihren Fans selbst bis zum Release noch ganz klar falsche Hoffnungen weckten.

von Maurice Weber,
26.09.2016 17:10 Uhr

Was hätte Warhammer 40.000: Eternal Crusade für ein fantastisches Spiel werden können! Ein MMO-Shooter der Marke Planetside 2, in dem die grausamen Kriege des einundvierzigsten Jahrtausends in Schlachten zwischen tausenden Spielern zum Leben erwachen. Großartige Idee!

Was aber zum Release am 23. September 2016 draus geworden ist, ist vor allem: Ein dramatisches Beispiel dafür, wie Early Access Spielerhoffnungen gnadenlos enttäuschen kann. Und eine Lehre, dass immer Vorsicht geboten ist, wenn man Geld für Versprechen ausgibt. Klar, es gibt auch ganz vorbildliche Beispiele für Early Access, Dirt Rally zum Beispiel - wo tolle Entwicklerkommunikation am Ende zu einem tollen Spiel führte. Aber das ist eben nie garantiert.

Eternal Crusade - Wenn Early Access zur Unverschämtheit wird 9:52 Eternal Crusade - Wenn Early Access zur Unverschämtheit wird

Hoffnung ist der erste Schritt auf der Straße der Enttäuschung

Um zu verstehen, was bei Eternal Crusade alles schief gelaufen ist, muss man zurück ins Jahr 2013 blicken, als das Spiel erstmals angekündigt wurde. In einem IGN-Artikel erzählte damals der Autor, wie Chefentwickler Miguel Caron ihn aufforderte, sich das MMO mit der aktuell größten Spielerdichte pro Server vorzustellen - und das dann zu verdoppeln.

Die Rede war von gewaltigen Feldzügen, die sich auf eine riesige persistente Welt auswirken. Das Schicksal des Planeten liege ganz in den Händen der Spieler, so die offizielle Ankündigung. Auch von Rollenspielelementen war die Rede, schließlich sollte es ja ein MMO werden. So sollten erfahrene Spieler Neueinsteigern Quests geben können.

Der Autor
Maurice Weber ist ein widerlicher Scherge des Chaosgottes Tzeentch, der sein ganzes Streben in den Dienst seines dunklen Meisters gestellt hat. Dementsprechend freut er sich über jedes neue Warhammer-Spiel - auch wenn sie nicht alle Hits sind. Selbst als Diener eines verlogenen Gottes stößt es ihm aber sauer auf, wenn Early-Access-Entwickler ihre Kunden knallhart enttäuschen.

Die Entwicklung lief nicht immer reibungslos: Das Spiel sollte ursprünglich Ende 2015 erscheinen, aber Miguel Caron verließ das Studio im Januar. Ersetzt wurde er durch Nathan Richardsson, seines Zeichens unter anderem Executive Producer von Eve Online. Ein massiver MMO-Shooter sollte Eternal Crusade aber weiterhin werden.

Doch kein Warhammer-Planetside

Als im September 2015 die geschlossene Alpha begann - in die sich Fans mit Gründerpaketen von 40 bis 120 Dollar oder sogar noch mehr einkaufen konnten - war von all dem allerdings noch nicht viel zu sehen. Es sollte zunächst die Shootermechanik des Spiels in vergleichsweise kleinen Levels getestet und verfeinert werden. Das sollte die Basis bilden, auf der bis zum Launch dann die massiven Open-World-Schlachtfelder aufgebaut werden sollten.

Warhammer 40K: Eternal Crusade - Neues Alpha-Gameplay aus dem MMO-Shooter 1:45 Warhammer 40K: Eternal Crusade - Neues Alpha-Gameplay aus dem MMO-Shooter

Blöd nur, dass daraus nie etwas geworden ist. Bis zum Early-Access-Start des Spiels auf Steam im Januar 2016 und schließlich bis zum Launch schraubten die Entwickler ihre Ambitionen immer weiter zurück. Die ursprünglich geplanten Konsolenversionen sind erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben und der komplette MMO-Aspekt des Spiels fiel einfach… weg.

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Aus Schlachten mit tausenden Spielern wurden ganz normale Arena-Ballereien mit bis zu 60 Teilnehmern. Die große offene Welt wich in sich abgegrenzten Gefechtsmaps, die auch nicht größer sind als in den meisten anderen Shootern. Eine Weltkarte gibt's zwar noch, allerdings ist sie lieblos hingeklatscht und erfüllt kaum eine Funktion. Ich kann dort nicht gezielt Territorien angreifen und erhalte auch keine bestimmten Feldzugs-Aufträge. Stattdessen reihe ich mich ganz einfach für ein Matchmaking-Spiel auf einer zufälligen Map gegen eine zufällige Feindfraktion ein. Wenn ich gewinne, verschiebt sich die Grenze auf der Karte ein klein wenig zu meinen Gunsten. Nicht, dass das mir irgendetwas bringen würde.

Die Karte Das ist die Weltkarte zum Launch von Eternal Crusade. Funktionen bietet sie kaum, sie ist fast komplett kosmetisch.

Der Konflikt Alles, was wir tun können, ist durch zufällige Matchmaking-Partien so einen Balken zugunsten unserer Fraktion verschieben. Gezielte Angriffe oder Feldzüge fahren? Pustekuchen.

Versprechen und Wahrheit

Nun soll das Spiel künftig noch mit kostenlosen Erweiterungen ausgebaut werden. Und die Entwickler haben Teile der neuen Marschrichtung durchaus kommuniziert. Dass es etwa keine riesige zusammenhängende Open World mehr geben wird, war bekannt.

Aber trotzdem versprachen sie noch eine persistente Weltkarte mit spielergetriebenen Feldzügen, Gebietseroberungen und bestimmten Zielen. Davon kündete bis kurz vor Release noch ein Banner auf der Early-Access-Seite von Eternal Crusade. Die listete Spielmodi, Heldencharaktere und noch so einiges mehr, das aktuell schlichtweg fehlt. Viele dieser Dinge wurden mir sogar noch auf einem Presse-Event drei Monate vor Release erläutert. Steamspieler kauften Eternal Crusade in der berechtigten Erwartung, dass sie Teil des finalen Pakets sein würden.

Große Versprechen Dieses Banner, klar betitelt mit »Das Spiel zum Launch« machte einige uneingehaltene Versprechen.

Kleine Wahrheit Deswegen wurde es kurzerhand mit einem weniger vollmundigen ausgetauscht.

Und dann tauschten die Entwickler das Banner zur Veröffentlichung kurzerhand durch ein anderes, viel kleineres aus. Und siehe da, dort werden viele dieser Punkte einfach nicht mehr erwähnt. Nur: Der Launchtrailer redet immer noch von einer »massiven persistenten Welt« - was schlichtweg eine maßlose Übertreibung ist für die funktionslose Weltkarte, die mir das Spiel vorsetzt.

Die Version des Trailers im Youtube-Kanal von Publisher Bandai Namco zeigt sogar die Möglichkeit, gezielt eine feindliche Festung zu attackieren und zu erobern. Davon ist im finalen Spiel nichts zu sehen, interessanterweise wird es aber in anderen Versionen des gleichen Videos - etwa der auf der Steamseite - auch nicht gezeigt!

Es drängt sich klar der Eindruck auf, dass hier hastig ein Spiel rausgedrückt wurde, das eigentlich noch nicht bereit ist. Dafür sprechen auch die zahlreichen User-Reviews, die unter anderem Bugs und schlechte Balance bemängeln.

Und zu allem Überfluss haben die Entwickler nicht nur geplante Features weggelassen, sondern mit dem Wechsel von Early Access zur »Vollversion« auch noch den Preis von 40 Euro auf 50 nach oben geschraubt. Und trotzdem Mikrotransaktionen dringelassen! Die waren immerhin angekündigt - aber sechs Euro für eine kosmetische Schulterplatte hinterlassen doch einen faden Beigeschmack in einem Spiel, dem so viele versprochene Inhalte fehlen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler mit den versprochenen Gratis-Erweiterungen baldmöglichst nachliefern, was die Fans aktuell vermissen - da sind sie nach ihren Versprechen nicht nur moralisch in der Pflicht, es werden ihnen andernfalls auch schlichtweg die Spieler davonlaufen. Bereits jetzt tut sich Eternal Crusade schwer - selbst zu Spitzenzeiten waren kaum mehr als 2700 Leute online.


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