Wikileaks-Gründer in Gefahr - Von USA gesucht (Update)

In den USA befürchten Sicherheitsbehörden, dass Wikileaks über 260.000 geheime Nachrichten zwischen den USA und dem Irak erhalten hat.

von Georg Wieselsberger,
13.06.2010 13:13 Uhr

Ein 22 Jahre alter Soldat des Nachrichtendienstes der US-Army, der inzwischen verhaftet wurde, soll über 260.000 geheime Nachrichten an Wikileaks weitergeleitet haben. Auch das von Wikileaks veröffentlichte Video, das den durch die US-Army verursachten Tod zweier Reuters-Journalisten zeigt, stammt anscheinend von diesem Soldaten.

Die USA befürchten, dass eine Veröffentlichung der Geheim-Nachrichten durch Wikileaks die nationale Sicherheit gefährdet und suchen nun nach Julian Assange, dem Gründer der Seite. »Wir wüssten gerne, wo er ist, wir wollen, dass er mit uns in dieser Sache zusammenarbeitet«, so ein US-Offizieller laut Daily Beast. Assange, der anscheinend keinen festen Wohnsitz hat, hätte gestern an einer internationalen Reporter-Konferenz in Las Vegas teilnehmen sollen, hat aber aus »Sicherheitsgründen« abgesagt. Wikileaks hat laut eigener Aussage keine 260.000 Geheimnachrichten erhalten. Die USA deuten dies so, dass nur die Zahl bestritten wird.

Der Wikileaks-Gründer ist jedenfalls auch nach Ansicht von Daniel Ellsberg in Gefahr. Ellsberg hatte 1971 geheime Pentagon-Papiere an die New York Times gegeben, aus denen klar ersichtlich war, dass die US-Regierung die Bevölkerung in Sachen Vietnam-Krieg belogen hatte. Danach gab das Weiße Haus der CIA den Auftrag, Ellsberg anzugreifen oder zu töten.

Update 13.06.2010

Obwohl Wikileaks den Erhalt der geheimen Nachrichten zwischen den USA und dem Irak bestritten hat, hat Wikileaks-Gründer Julian Assange laut Wired Anwälte engagiert, die den US-Soldaten Bradley Manning verteidigen sollen.

Das geht aus einer E-Mail hervor, in der Assange auch darum bittet, den Soldaten nicht als »mutmaßlichen Spion« zu bezeichnen, sondern als »Whistleblower«, der für niemanden eine Bedrohung darstelle. Empfänger der E-Mail ist der Hacker Adrian Lamo, der in mehreren Chats mit Manning von dessen Weitergabe geheimer Informationen erfahren und dann das FBI informiert hatte. Assange bittet ihn darum, die Chat-Logs an ihn weiterzuleiten, damit er sie an das Anwalts-Team weitergeben könne.

Da Assange sich persönlich für Manning einsetzt und Anwälte engagiert, entsteht bei manchen Beobachtern der Eindruck, dass Wikileaks die US-Geheimnachrichten bald veröffentlichen wird.


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