World-Wide-Web-Erfinder - Tim Berners-Lee über Trolle, die Cloud und die Zukunft

Tim Berners-Lee, der die erste Webseite, HTML, HTTP und auch die URL erfand, ist erstaunt über die vielen Trolle im Internet.

von Georg Wieselsberger,
26.10.2014 13:37 Uhr

Der WWW-Erfinder Tim Berners-Lee hält nichts vom Datensammeln für Werbezwecke.Der WWW-Erfinder Tim Berners-Lee hält nichts vom Datensammeln für Werbezwecke.

Sir Timothy John Berners-Lee ist der Gründer des World Wide Web, dessen Arbeit den Grundstein für vieles legte, was heute selbstverständlich erscheint. Von HTML über HTTP, Webadressen und den ersten Webbrowser bis hin zur Gründung des World Wide Web Consortium (W3C), das für Standards zuständig ist. Wie viele Erfinder hat aber auch Berners-Lee nicht unbedingt voraussehen können, wozu seine Ideen führen und wofür sie eventuell einmal eingesetzt werden könnten. In einem Interview mit der BBC erklärte er, eer habe darauf gehofft, dass »das Web Werkzeuge, Foren und neue Kommunikationswege bereitstellen würde, die nationale Hürden durchbrechen und uns einem etwas besseren globalen Verständnis führen würden«.

Auch wenn es in dieser Hinsicht durchaus Fortschritte gibt, hält es Berners-Lee für erstaunlich, dass Leute, »die ganz klar wie jeder andere aufgewachsen sind, plötzlich sehr einseitige Meinungen vertreten und plötzlich sehr hasserfüllt statt sehr liebevoll sind«. Aber das sei wohl die menschliche Natur. »Wir haben schon immer eine wundervolle Seite - und eine dunkle Seite - und das Web ist recht zugänglich für die, die es missbrauchen wollen«. Allerdings hofft der Physiker noch immer darauf, dass das Web dank neuer Tools in der Zukunft sein Ziel der weltweiten Zusammenarbeit statt Auseinandersetzung ermöglichen wird.

Zu Daten in der Cloud hat er ebenfalls eine klare Meinung. »Ich will nicht, dass große Unternehmen, die Daten sammeln, diese auch missbrauchen können. Irgendwie mag ich es schon, wenn sie sie nutzen und mir beispielsweise dabei helfen, das perfekte Geschenk für jemanden zu finden, über den sie auch viel wissen. Dann arbeiten wir quasi zusammen. Aber ich möchte meine eigenen Daten auch selbst besser nutzen können. Daher mache ich mir Sorgen, dass meine Krankheitsdaten im Krankenhaus und nicht auf meinem Computer sind. Meine Fitness-Daten sind irgendwo in der Cloud und nicht auf meinem Computer. Ich will in der Lage sein, all meine Daten zusammenzuführen und sie für meine eigenen Zwecke nutzen, den ich glaube - auch wenn das verrückt klingt - dass meine Daten für mich einen höheren Wert haben als für jeden anderen da draußen«. Dort würde man die Daten nur dazu verwenden, gezielte Werbung zu schalten und das sorge für ein mulmiges Gefühl. »Der gezielten Werbung gehört nicht die Zukunft«.


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