Xbox One - Bundesdatenschutzbeauftragter kritisiert Konsole als »Überwachungsgerät«

Der Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar kritisierte die neue Xbox gegenüber dem Spiegel als »Überwachungsgerät«. Kein Nutzer könne kontrollieren, welche persönlichen Informationen über ihn gespeichert würden.

von Christian Weigel,
27.05.2013 15:00 Uhr

Peter Schaar, der Bundesdatenschutzbeauftragte, steht dem Kinect-Zwang und der Übermittlung von Spielerdaten bei der neuen Xbox One sehr kritisch gegenüber.Peter Schaar, der Bundesdatenschutzbeauftragte, steht dem Kinect-Zwang und der Übermittlung von Spielerdaten bei der neuen Xbox One sehr kritisch gegenüber.

In einem Gespräch mit spiegel.de über die neu angekündigte Microsoft-Spielkonsole Xbox One fühlt sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar an Überwachungssystem aus George Orwells Dystopie-Roman »1984« erinnert:

»Unter der Überschrift Spielgerät drückt Microsoft ein Überwachungsgerät auf den Markt […] Die Xbox registriert ständig alle möglichen persönlichen Informationen über mich. Reaktionsgeschwindigkeiten, meine Lernfähigkeit oder emotionale Zustände. Die werden dann auf einem externen Server verarbeitet und möglicherweise sogar an Dritte weitergegeben. Ob sie jemals gelöscht werden, kann der Betroffene nicht beeinflussen.«

Mit dem Kinect-Zwang und Patenten zur Erfassung der Zuschaueranzahl, Herzfrequenz der Spieler oder deren Gesichtsausdruck erinnert die neue Xbox - je nachdem, was sie den tatsächlich am Ende alles kann - wirklich ein wenig an die ominösen Telescreen-Hybridgeräte aus Fernseher und Überwachungskamera in Orwells Buch, mit denen die Parteiführung ihre Mitglieder nicht nur mit Propagandafilmen berieseln, sondern auch permanent überwachen konnte. Allerdings hat Microsoft bereits angekündigt, die Konsole an die jeweiligen Datenschutz-Gesetze der Länder anzupassen und auch von den technischen Plänen und Patenten sind weder alle bestätigt, noch ist sicher ob sie in der neuen Xbox überhaupt zum Einsatz kommen.

Nicht nur Schaar, sondern auch viele andere Datenschützer (das Netzpolitik-Blog der Grünen, delegedata und Deutschland Today) und Spieler halten es für problematisch, dass die neue Xbox die Spieler zwingen will, sich ständig von einer HD-Kamera mit Nachtsichtmodus (eine Funktion, die den Telescreens in »1984« übrigens fehlte) und einer Batterie von Richtmikrofonen beobachten zu lassen. Ob und was das Gerät dann an externe Server senden würde, ist auch noch offen. Beim Patent zur Erfassung der Zuschauerzahl war von einer lokalen Berechnung der Zuschauerzahl die Rede. Diese Zahl - ohne personenbezogene Daten - würde dann weitergeleitet werden, um die Filmlizenz beispielsweise für fünf statt nur zwei Zuschauer zu erweitern. Lediglich die Anzahl der Zuschauer würde übermittelt werden, nicht, wer die Personen sind. Microsoft wird in den kommenden Monaten trotzdem noch viele Details zu seiner neuen Konsole erklären müssen, um berechtigte und vielleicht auch unberechtigte Ängste bei den möglichen Kunden abzubauen.

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