Aktuelle Arbeitsmarkt"probleme" (Klausurfrage)

Dieses Thema im Forum "Smalltalk" wurde erstellt von Diamond1991, 3. Februar 2013.

  1. Diamond1991

    Diamond1991
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    Hallo allwissendes GSPB,

    ich schreibe am Mittwoch eine Klausur in Arbeitsmarktökonomik und es werden 3 Aufgaben gestellt, die alle einen Bezug zur Realität haben.

    Wir haben 5 verschiedene Modelle kennengelernt und müssen die irgendwie auf ein aktuelles Thema anwenden.

    Fallen euch aktuell welche ein?

    Wir hatten bereits folgende besprochen:
    - Lehrlingsentgelte im dualen Ausbildungssystem
    - Problematik von älteren Arbeitnehmern
    - Auswirkung von Mindestlohn auf die Ausbildung
    - Das Bosman-Urteil :ugly:
    - Warum fragen Unternehmen fachremde Qualifikationen nach?
    - Lohnunterschiede bei gleichen Qualifikationen
    - Warum finanzieren Unternehmen Berufsausbildung?

    Vielleicht fällt euch ja noch etwas ein? :)

    Sollte jemand das richtige erraten gibt es ein Bier :ugly: :yes:
     
  2. Otscho

    Otscho
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    Warum jammern Unternehmen über Fachkräftemangel, obwohl selbst bei Ingenieuren auf eine freie Stelle zwei frische Absolventen kommen?
     
  3. honey badger gesperrter Benutzer

    honey badger
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    Weil Unternehmen weiter differenzieren?

    edit: ignorier es, ich bin besoffen :ugly:
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Februar 2013
  4. Diamond1991

    Diamond1991
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    Sie haben ihr Ausbildungssignal zu hoch gesetzt, weshalb sie die frischen Absolventen nicht als Hochproduktive ansehen. :ugly:

    ---

    Hm, Pendlerpauschale könnte bei uns noch passen oder ganz weit weg eine Auflistung von Unternehmen, die als bester Arbeitgeber gelten, obwohl sie nicht die höchsten Löhne zahlen, aber das wäre zu "einfach".
     
  5. Welche Auswirkungen hat die aktivierende Arbeitsmarktpolitik seit den Hartz Reformen gehabt?

    Wie wirkt aktivierende Arbeitsmarktpolitik?

    Welche Auswirkungen haben Mindestlöhne auf den Arbeitsmarkt?

    Welche Nebenwirkungen haben die Hartz Reformen und wie nachhaltig schätzen Sie die Wirkung ein

    Welches Menschenbild liegt der Arbeitsmarktpolitik der Agenda 2010 zugrunde

    Dann die ganzen Themen Workfare, working poor, subventionierte Arbeit usw.

    Was denken sie über folgende These: "Durch die Hartz-Reformen, insbesondere Harz IV wurde die Arbeitslosenzahl deutlich gesenkt. Allerdings wurde dieser Erfolg mit einem deutlichen Anstieg prekärer Beschäftigung, einem höheren Armutsrisiko und Reallohnsenkungen im unteren Lohnbereich bezahlt."

    Was versteht man unter Mismatch am Arbeitsmarkt

    Was unterscheidet strukturelle von konjunktureller und saisonaler Arbeitslosigkeit.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 3. Februar 2013
  6. Was habt ihr denn für Modelle kennengelernt?
     
  7. Das sind auch beides Themen die völlig wumpe sind, im Bezug auf Arbeitsmarkt"probleme" hierzulande.
     
  8. Diamond1991

    Diamond1991
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    Becker (1963) - Investment in Human Capital
    Hashimoto/Yu (1980) - Specific capital, employment contracts, and wage rigdity
    Spence (1973) - Job Market Signaling
    Bashkar, Manning, To (2002) - Oligopsony and Monopsonistic Competition in Labor Markets

    Acemoglu & Pischke (1999) - Beyond Becker: Training in Imperfect Markets

    Hast du auch shconmal etwas in die Richtung belegt?

    Edit: Du bist sehr bei Arbeitsmarktpolitik und Arbeitslosigkeit, was fast überhaupt nicht unser Thema war. Grundsätzlich geht es bei uns eher um Humankapitalinvestitionen, wo der Staat zwar fast gänzlich rausgelassen wird.

    Die Einwürfe sind schon gut, aber trifft leider wohl eher nicht so den Nagel unserer Vorlesung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Februar 2013
  9. matze luminous being

    matze
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    allen guten Geistern verlassen
    Lohnrigiditäten wäre auch noch nen Thema...
     
  10. Das klingt so als würdet ihr das rein aus der BWL/Unternehmer-Perspektive behandeln. Ich beschäftige mich mit Arbeitsmarktökonomik aus gesellschaftlicher Perspektive.
     
  11. Diamond1991

    Diamond1991
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    Nein, wir reden rein volkswirtschaftlich drüber und überhaupt nicht gesellschaftlich.
     
  12. Ok. Dann Mikroebene.

    Wie kann volkswirtschaft ohne gesellschaft verstanden werden? Gerade im Arbeitsmarkt spielen soo viele Faktoren eine Rolle. Ich weiß, dass das manche Ökonomen gern machen. Aber da kommt dann eben auch bei raus wofür man die Ökonomen so oft beschimpft. Unrealistischer menschenverachtender Murks.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 3. Februar 2013
  13. Diamond1991

    Diamond1991
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    Weil Köln sich selbst beweihräuchert eine anspruchsvolle volkswirtschaftliche Uni zu sein, was in dem Bereich alle durch mathematische Schwierigkeit machen. Die Uni Bonn lacht zum Beispiel über Köln und sagt, wer es bei uns nicht schafft kann ja immer noch nach Köln gehen. Über allem thront Mannheim.

    Arbeitsmarktökonomik gehörte auch vorher dem makroökonomischen Lehrstuhl, d.h. es wurden nur Gleichgewichte ausgerechnet. Dieses Jahr wollten sie es neu und in Englisch aufziehen, aber der Prof ist wohl "krank geworden".

    Studierst du etwas wirtschaftswissenschaftliches?

    Naja, menschenverachtend ist ein starkes Wort, immerhin wird bei Bashkar, Manning und To ein Modell vorgestellt, in dem Mindestlöhne zu mehr Beschäftigung führt. :ugly:
     
  14. Ti1t

    Ti1t
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    Es ginge noch menschenverachtender! Wie wäre es mal mit einem Modell das nachweist oder widerlegt, dass es einen Zusammenhang zwischen Hartz4 Sanktionen und Vermittlungserfolgen gibt. Mehr Sanktionen, mehr Erfolg?:nixblick::tdv:
     
  15. Diamond1991

    Diamond1991
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    Wir haben in der Veranstaltung bereits festgestellt, das Gewerkschaften kompletter Rotz sind, wenn sie nur die Umverteilung von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer fördern, da sie nur den Anteil am Gewinn in die ein oder andere Richtung verschieben, aber diesen nicht erhöhen. :fs:
     
  16. Und was ist deine kritische Meinung zu diesem Sachverhalt?
     
  17. Die Sanktionen verbessern natürlich nicht die Vermittlung. Durch Hartz IV ist dennoch die Arbeitslosigkeit stark gesunken, weil durch die Sanktionen und die Geldnot die Leute in alle möglichen miesen Jobs gepresst werden, die sie früher nie angenommen hätten.
     
  18. Ich hab im Bachelor viele WiWi-Veranstaltungen besucht. Auch was zum Arbeitsmarkt und auch die typische Mainstream-Makro und diverse andere "Gleichgewichtsberechnungs-Veranstaltungen". Aber auch gute Veranstaltungen die sich nicht einen auf ihre lächerlichen billigen Modelle runterholen und glauben die Welt erklären zu können, wenn sie nur von ner einfachen funktion die 1. und 2. Ableitung bilden. Gibt zum Glück auch Ökonomen und auch BWLer die den Kontakt zu den Sozial- und Geisteswissenschaften der Mathematik vorziehen.

    Wer Ökonomik auf Mathematik trimmt nur ums schwer zu machen ist ein Vollidiot. Die Wirtschaft besteht aus Menschen, Beziehungen zwischen Menschen, dem Handeln von Menschen usw. Wenn man dann komplexe Zusammenhänge mittels viel zu simpler mathematischer Modelle beschreiben möchte, dann kommt dabei keine brauchbare Antwort raus. Modelle vereinfachen immer, klar. Aber die ökonomischen Modelle gehen oft an der Realität vorbei und die Mainstreamökonomen biegen sich die Welt lieber so zurecht wie sie in ihre schöne mathematisch runde Modellwelt passt.

    Ich habe jetzt im Master auch viele sozialwissenschaftliche, kommunikationswissenschaftliche und politologische Veranstaltungen. Allein vor dem Hintergrund merkt man schon, dass man für brauchbare Antworten viel mehr berücksichtigen muss als nur Gleichgewichtsmodelle. Viele Ökonomen täten mal gut daran, sich als Gesellschafts-/Geisteswissenschaftler zu begreifen und sich weniger an der Präzision und eindeutigkeit der Naturwissenschaften zu orientieren.
     
  19. Ich frage mich immer an was für "Universitäten" die Professoren ernsthaft behaupten, mit simplen makro- oder mikroökonomischen Modellen die Welt erklären zu können.

    Bei uns sind Praxischecks und Kritik von Modellen sowie die Betrachtung der grundlegenden Annahmen Standard.

    Edit:

    Das gilt jetzt allgemein, solche Sätze lese ich ständig im PB.
     
  20. Tom Sawyer Suchender

    Tom Sawyer
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    Das trifft es imo oft ganz gut:

     
  21. Eben. Dass man die Standardmodelle mal kennengelernt haben sollte ist klar und wichtig. Aber statt das ganze mal kritisch zu diskutieren und an der Praxis zu überprüfen (die Praxis ist in Deutschland gerade was Arbeitsmarktpolitk angeht spannend und aufregend genug) die Modelle mathematisch auf die Spitze zu treiben ist einfach unsinnig. Und gefährlich wirds, wenn die Studenten das einfach so lernen und für bare Münze nehmen ohne es zu hinterfragen.
     
  22. Ti1t

    Ti1t
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    Du widersprichst dich. Wenn aufgrund von Sanktionen und Geldnot die Leute in alle möglichen miesen Jobs gepresst werden, wurde doch die Vermittlung durch Sanktionen verbessert.

    ... und das bezweifle ich. Ist die Arbeitslosigkeit nicht vielmehr gesunken wegen:

    1. der Konjunktur
    2. Veränderung in der Messung der Arbeitslosigkeit
    3. mehr Teilzeitjobs ( denn es wird ja nicht mehr gearbeitet, die Arbeit wurde nur anders verteilt)

    Somit hätte Harz4 und Co. nur dazu geführt, dass die Leute weniger verdienen und von ihrer Arbeit nicht mehr leben können.
     
  23. Dann scheint das Bildungssystem ja Fortschritte zu machen. :ugly:
     
  24. Hellcrawler Der Master

    Hellcrawler
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    Heuchlern umgeben
  25. Ich wiederspreche mir nicht. Die Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass die Menschen eher bereit sind miese Jobs zu miesen Löhnen anzunehmen. Das sagt nichts über die Vermittlungsqualität aus. Das wäre auch ohne die Vermittlung so.

    Schau dir mal ein paar Statistiken dazu an. Die Arbeitslosigkeit ist seit zig Jahren nicht mehr so niedrig gewesen, auch wenn man die Messungsart berücksichtigt. Die Hartz-Reformen haben z.T die harten Verkrustungen auf dem Arbeitsmarkt aufgebrochen und die Sockelarbeitslosigkeit gesenkt.

    Die Konjunktur hat in der Vergangenheit die Arbeitslosigkeit nur minimal senken können, bevor immer wieder ein stärkerer Anstieg im Abschwung kam. Klar spielt die Konjunktur eine Rolle, nur ist das auch eine Frage was eigentlich was bedingt. Deutschland ist in den Krisenzeiten und im europäischen Vergleich wirtschaftlich so stark gewachsen WEIL es durch die Hartz-Reformen zu Reallohnsenkungen gekommen ist und WEIL so viele Menschen in Billigjobs gepresst wurden. Deutschland konkurriert seine europäischen Nachbarn mit der Billigarbeit in die Knie.

    Das Mehr an Teilzeitjobs ist ja eine Konsequenz aus den Agenda2010-Reformen. Schröder wollte explizit den Niedriglohnsektor ausweiten. Viele Normalarbeitsverhältnisse wurden in der Folge in mehrere Teilzeitjobs aufgeteilt. Zum Leid der Arbeitnehmer. Ohne den Druck durch die Hartz-Reformen wäre das nie passiert.
     
  26. jjone

    jjone
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    Kann ich nur unterstützen. Modelle sind EIN Werkzeug, um politische/wirtschaftliche Sachverhalte zu analysieren. Es gibt nicht umsonst neben Volkswirten auch Politikwissenschaftler und Soziologe. Nur machen diese Modelle natürlich schon Sinn bspw. für die Politikanalyse. Die genauen Annahmen, Stärken und Schwächen zu kennen, um diese Modelle empirisch zu überprüfen, dafür braucht man Volkswirte. Sonst wären Volkswirte ja Soziologen. Man sollte halt immer wissen, was ein bestimmtes Ergebnis bedeutet und was nicht. Und bescheiden bleiben. :)
     
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