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Fremdkörper Spieler

Von Bastius |

Datum: 16.06.2012 | zuletzt geändert: 01.08.2012, 19:57 Uhr


Die Pistole in der rechten Hand schräg zum Boden gesenkt. Die linke Hand frei, mit gespreizten Fingern, zum Boden ausgerichtet. Vor mir eine halb gebückt laufende, zivil gekleidete Person. Sein ehemals weißes Hemd ist braun-grau angelaufen und mit dem Blut seines Trägers getränkt. Aber davon sehe ich nicht allzuviel, denn aufgewirbelter Dreck und feiner Staub blasen mir entgegen. Ohrenbetäubender Lärm presst mir rhythmisch auf mein Trommelfell. Dann durchschlagen helle Lichtblitze den gerade aufklärenden Nebel und zerreißen die Außenhaut des Helikopters. Instinktiv greift meine linke Hand den Arm des vor mir laufenden Zivilisten und drückt ihn zu Boden, in Deckung. Währenddessen wandert mein Blick über meine linke Schulter. Das Pfeifen im Ohr lässt mich nicht mehr wahrnehmen, was mir zugerufen wird, doch die Gesten meines Mitstreiters sind eindeutig: Feinde rücken an, wir müssen uns verteidigen. Dann fliegt ein Teil des Rotorblatts direkt an mir vorbei und reißt eben jenen Mitstreiter, noch bevor er seine Anweisungen abschließen konnte, mit sich in die Staubwand hinein. Schlagartig wandert mein Blick wieder zu dem Zivilisten, ich werfe ihm meine Pistole zu und lege mein Gewehr an.
Dann rücken die Feinde an, wir sind nur noch zu viert, den Helikopter gibt es nicht mehr, Rettung ausgeschlossen. Ich feuere ein paar Salven in die Nebelwand, doch unbeeindruckt rennen die feindlichen Soldaten weiter auf unsere Stellung zu.
Das Gefecht dauert an, der Zivilist fordert mich auf, ihm ein Magazin zuzuwerfen. Natürlich mache ich das. Die Feinde scheinen ununterbrochen aus nur einer Richtung anzugreifen: Ihre taktische Unfähigkeit ist unsere einzige Chance. Es wird gebrüllt, einer gerät so nah an mich heran, dass, trotz der Wucht der einschlagenden Kugeln, sein Körper auf meine Deckung fällt. Seine toten Augen starren mich für einen Moment an, dann schieb ich ihn unter Stöhnen nach vorne vor meine Deckung. Nun klebt Blut an meinen Handschuhen.
Längst hat sich der dichte Staubnebel gelichtet, dann erspähe ich unseren fünften Mann, sein lebloser Körper liegt etwa 30 Meter von mir entfernt, er trug das Funkgerät. Mir wird angewiesen es zu holen, warum ich? Egal, einer muss es tun. Ich mache mich auf, versuche von Deckung zu Deckung zu sprinten, doch die geht unter dem massiven Beschuss schneller zu Bruch als ich mir eine nächste suchen kann. Gehetzt erreiche ich ihn, eilig greife ich unter seinen Achsel nach seiner Weste und ziehe ihn ein Stück aus der Schussbahn. Ich drehe ihn auf den Bauch, um an das Funkgerät zu gelangen. Dann versuche ich einen Funkspruch abzusetzen. Scheisse, es ist tot. Alles vergebens. Ich bediene mich seiner Magazine. Nur einen Augenblick der Unaufmerksamkeit, dann steht er über mir, ich kann in den Lauf seines Gewehrs gucken, er zögert. Warum zögert er? Dann trifft mich ein Schlag, ich sinke zu Boden, kann kaum noch sehen. Im Augenwinkel erkenne ich, wir haben verloren, sie haben uns überrannt.

Als ich wieder zu mir komme, kündigt eine Stimme in einer Sprache, die ich nicht verstehe, und unter sadistischem Lachen meine Rückkehr zum Bewusstsein an. Er läuft in großen Schritten auf mich zu, holt aus, seine Faust trifft meine Wangen. Mein Kopf federt zur Seite. Mein Blick mit ihm langsam nach oben. Ich sehe Felswände, das Licht flackert kurz hektisch, dumpfe Schreie dringen mühsam zu mir hervor.
Meine Arme sind fixiert, meine Oberschenkel nackt. Ich verliere wieder das Bewusstsein. Nach einem hellen Lichtblitz befinde ich mich in einem Hubschrauber, ein letztes Briefing erfolgt. Wir sollen einen Agenten befreien, er wird in einer Höhlenanlage gefangen gehalten. Dann setzt der Hubschrauber zur Landung an, kurz über dem Boden springen wir ab, in die Nacht hinein. Ein paar Meter dringen wir in die kahle Landschaft ein, dann blendet mich gleißendes Licht.
Wir stehen kurz vor einem Höhleneingang, eine Wache hockt davor, sie wird lautlos ausgeschaltet. Dann dringen wir durch den schmalen Spalt in der Felsformation in den Höhlenkomplex ein. Die Gänge sind eng und kaum beleuchtet. Schon wieder gleißendes Licht. Es wird hektisch, ich werde aufgefordert, die scheiss Tür einfach zu sprengen. Keine gute Idee, denke ich mir und bringe den Sprengsatz an. Wir gehen in Deckung, ein lauter Knall und Geröllstaub fluten die Gänge. Dann eilen wir durch die aufgeborstene Tür in den Raum hinein. Jemand kraucht benommen auf allen Vieren auf dem Boden umher, er tastet scheinbar blind nach seinem Gewehr, ohne zu wissen, dass er es in der Überraschung einen Meter weit wegwarf. Kurzer Prozess. Wir befreien den Agenten und versuchen zu verschwinden. Wir erreichen das Freie.

Es wird schwarz, dann öffnet sich eine Tür, zwei Vermummte holen mich ab. Ich kann kaum etwas erkennen, doch dann blendet mich das Tageslicht. Ich werde auf einen Laster gezerrt. Hier sehe ich den Rest unserer Einheit und den Agenten. Es steigen noch zwei Wachen zu uns ein, dann wird die Ladeklappe geschlossen. Der Transporter beginnt sich zu bewegen, das Ladeflächenverdeck flackert im Wind. Über die Ladeklappe hinweg sieht man zwei Fahrzeuge, die uns folgen.
Meine Hände sind fest verbunden, ich kann sie kaum bewegen, versuche meine Arme abwechselnd über Kreuz zu legen, um die Fesseln zu weiten. Doch eine der Wachen bemerkt mein Vorhaben brüllend. Diese Unruhe nutzt einer meiner Leute und wirft sich gegen die Wache, wodurch diese vom Sitz über die Ladeklappe hinaus auf die staubige Straße geworfen wird. Unsere Eskorte weicht aus. Die andere Wache greift nach seinem Gewehr, doch wird daran gehindert. Ein ungleicher Kampf entbricht. Zur Fahrerkabine wird ein kleines Fenster geöffnet, der Beifahrer guckt zu uns hinein, schreit herum und versucht eine Pistole in die Ladefläche abzufeuern. Ich kann ihn daran hindern und entwaffnen. Ein Schuss löst sich und durchbohrt die Frontscheibe, der Beifahrer sackt in den Fußraum zusammen. Der Fahrer dreht sich hektisch um, ich drücke ihn die Pistole in den Nacken. Wir rufen auf ihn ein, er muss weiterfahren.
Ich blicke hinter mich, die andere Wache ist tot. Wir durchtrennen die Fesseln mit einem Messer. Die Eskorte eröffnet das Feuer auf uns. Kugeln durchschlagen die Plane, wir erwidern das Feuer mit dem Sturmgewehr der Wache. Durch das kleine Fenster zur Fahrerkabine erkenne ich, wie ein vorausfahrendes Fahrzeug versucht, sich uns in den Weg zu stellen...


Das war mein Kommentar zur E3 oder weniger deutungsschwer: Es gibt kaum Interaktivität, die Stories sind an den Haaren herbeigezogen und Schuld an allen ist ein seltsamer Kompromiss aus Inszenierung und Interaktivität. Und in allem Überfluss habe ich diese grandiose Überschrift verschwendet, so viel mehr Potenzial steckt hinter ihr: Analyse, Recherche, literarisch-philosophische Vermengung beider. Vielleicht später und dann auch mit der Erkenntnis, dass das doch irgendwie Spaß bereitet, zumindest für den Moment des Spielens (dauert ja nicht lang).

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Sehnerv
#1 | 16. Jun 2012, 03:44
Dein Blogeintrag ist sehr gut geschrieben, du wählst sehr gute Formulierungen, sodass in meiner Vorstellung alles sehr plastisch wird, jedoch kommt keinerlei Emotion bei mir auf, obwohl doch schlimme Begebenheiten von dir geschildert werden.
Ich dachte die ganze Zeit, da fehlt doch was, warum ist das so ohne jedes Gefühl, ist der Spieler so abgestumpft, dass er Kampfeshandlungen nur noch so nüchtern beschreiben kann.
Oh Mann, bin ich froh, als der letzte Absatz noch kam.
Wirklich gut gemacht.
Das ist also dein Eindruck von den neuen Spielen?
Ob das bei der E3 wirklich so war, kann ich nicht beurteilen, da ich Shootern nicht den Vorzug gebe und auch die Messeberichterstattung nicht so penibel verfolgt habe. Es tut mir leid, dass die E3 für dich eine solche Enttäuschung dargestellt hat, oder für andere vielleicht auch. Ich bin ja mal gespannt, welche Meinung andere Blogleser dazu haben.
Danke für deinen Eintrag, das war sehr interessant für mich, sowas lese ich immer gerne.
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