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Wenn das Internet Neuland ist...

Von DocIILate |

Datum: 07.02.2013 | zuletzt geändert: 31.01.2014, 15:24 Uhr


Ich gebe zu ich bin eine etwas gehobenere Altersklasse und kenne das Internet schon seit Mitte der 1990er. Damals noch verpönt und für viele (wie allgemein das Thema PC im privaten Bereich) was für Kellerasseln und picklige, dicke Jungs in einer mit Akne geplagten Pubertät. Ohne Leben, ohne Freunde, ohne Hoffnung auf ein besseres Leben, auf ewig verdammt im Kellerzimmer mit wenig Licht ihr Leben zu bestreiten.
Doch Heute, ja heute ist ja jeder online, jeder Mensch präsentiert sich in Social-Networks, in Foren, hat eine Stimme (leider meist ohne Vernunft). Oder taucht in MMO-Games ein und verliert dabei manchmal den Bezug zur Realität (Ich denke da nur an die geniale South-Park-Folge mit WoW)
Es wird gepostet, geblogt, gestupst, geknuddelt, gemetzelt, gestrikt, etc.pp das die Leitung glüht.
Wenn dann 10 Minuten die Verbindung in das globale Netz ausfällt siehst du sie mutieren:

Aus normalen Menschen werden nach und nach Süchtige auf kaltem Entzug. Die Gesichter kreidebleich, Schweiß läuft über die Gesichter, die Hautfarbe wandelt sich von Solarium-braun zu feinen Blass-weiß. Nervöse Zuckungen und unkontrollierte Handbewegung (die aber just-in-the-moment zu keinem Ergebnis führen) wirken auf den (neutralen) Betrachter sehr mysteriös, ja, manchmal wirken dann die Bushaltestellen vor den Schulen wie das Einkaufszentrum aus „Dawn of the Dead (1978)“. Orientierungslos, sprachlos... desolat.
Ist ja auch krass nicht alle 2 Minuten seinen Status auf Fratzenbuch mitteilen zu können...
Oder jemand mitteilen zu können das man im Bus (Bahn/Fahrrad/Dreirad/Auto) sitzt und in 5 Minuten da ist! Und natürlich alles dabei hat, was man mitbringen wollte.
Wirklich übel. Furchtbar. Voll die Folter. Konkret krasses Ding, Alda.

Und in diese Welt der Abhängigkeit soll ich meine Kinder irgendwann entlassen?
Soll diese kleinen Wesen Foren betreten lassen wo jeder zweite Schreibt als wenn er grade von einer Lobotomie kommt? Oder wie die Leute heute Sachen posten/hochladen für die man früher einen gepflegten Einlauf mit heißem Laugenwasser bekommen hätte?
Wo Leute ihre Triebe fast frei ausleben können und hinter jedem Nick ein Psychopath stecken kann? Und die Kontroll- und Schutzmöglichkeiten, gelinde gesagt, voll für den „Arsch“ sind.

Irgendwie kein schönes Gefühl. Manchmal bereitet mir das unbehagen, vor allem wenn ich meine kleine Tochter betrachte.
Aber eigentlich haben es dann meine Kinder gut. Es ist zumindest eine Person da die sich mit dieser Technik und deren Möglichkeiten auskennt, deren Erfahrung schon sehr weit zurück reichen.
Die die miesen Tricks des Internets kennt und daher auch eine solide hilfestellung geben kann.
Und vielleicht, ja vielleicht, kann ich meine Kinder dann als guter Scout und Vater durch diese Zeit bringen, ohne das ihnen all zu viel schlimmes passiert.

Außerdem bietet das Internet ja auch viele positive Sachen.
Wo sonst hat man innerhalb kurzer Zeit Kontakt zu Leuten auf der ganzen Welt?
Kann seinen Freunden/Verwandten im Ausland schnell eine Mitteilung schicken, oder via Internet Telefonieren? Die Informationen sind sehr groß (nur darf man nicht jeder Quelle blind vertrauen), es gibt tolle Anlaufstellen wenn man etwas vertiefen möchte, Foren die sich mit Spezialgebieten beschäftigen und daher eine gute Anlaufstelle sein können, wenn man etwas bestimmtes möchte.
Aber wo Licht ist auch immer Schatten.

Aber das sind nur Hoffnungen, denn, wie eigentlich jeder das aus seinem Leben kennt, man kann nichts wirklich komplett vor allem schützen. Aber das ist ja auch der Sinn mancher Fehler: Man lernt besser daraus, als wenn einer immer wieder sagt „Nein das tut man nicht“.
Das ist aber nur Hoffnung, die das unangenehme Gefühl nicht mindern kann.


Egal, es wird schon vieles Gut gehen, denn alles muss nicht gut gehen, wie gesagt:

Aus Fehlern lernt man mehr...

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Avatar TheVG
TheVG
#1 | 07. Feb 2013, 12:18
Hach ja, es ist wirklich schade, dass solch tolle Blogschreiber Jahre brauchen, um sich mal wieder zu etwas zu bewegen... ;)
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Avatar Maggus3
Maggus3
#2 | 07. Feb 2013, 13:30
Guter Blog, der ein großer Problem der aktuellen Zeit beschreibt.
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Avatar gumbah
gumbah
#3 | 07. Feb 2013, 13:32
...gefällt mir, die Ängste und Hoffnungen kann ich zu 100 % nachvollziehen ... Sei gewiss, da bist Du nicht allein :)
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Avatar Cd-Labs: Radon Project
Cd-Labs: Radon Project
#4 | 07. Feb 2013, 13:32
Zitat von TheVG:
Hach ja, es ist wirklich schade, dass solch tolle Blogschreiber Jahre brauchen, um sich mal wieder zu etwas zu bewegen... ;)

Was meinst du wohl, wieso der liebe Doc "IILate" als Nachnicknamen hat?
;)

Wirklich nen richtig guter Blog!
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Avatar Painer
Painer
#5 | 07. Feb 2013, 19:01
Zweifelsohne ein absolut erstklassiger Blog von dir! Humorvoll, tiefgründig, vielschichtig, beängstigend, ermutigend, nachdenklich stimmend.

Genau die gleiche Mischung, aus der auch der Moloch ”Internet” besteht. Und das macht dieses Medium auch für viele von uns so interessant und spannend. Jeder kann hier irgendwo eine Ecke finden, in der er sich zuhause fühlt und von Gleichgesinnten umgeben ist.

Allerdings braucht es schon ein gehöriges Maß an Vorsicht und Erfahrung, um nicht versehentlich in Bereiche zu geraten, in denen eben auch die von dir beschriebenen Gefahren lauern. Deshalb stehen wir unseren (jetzigen und künftigen) Kindern gegenüber in der Pflicht, ihnen den vorsichtigen und verantwortungsvollen Umgang mit diesem Medium beizubringen und sie auf diesem Weg zu begleiten. Das ermöglicht ihnen, das Internet und die Social-Plattformen so zu nutzen, wie es ursprünglich im positiven Sinne gedacht war: Als umfangreiche Informationsquelle und einfache und schnelle Kommunikationsmöglichkeit.

Also dann, danke für deinen tollen Blog und lass uns bitte nicht wieder 2 Jahre auf deinen nächsten warten ;)
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Avatar Gra
Gra
#6 | 11. Feb 2013, 15:20
Also ich gehöre mit meinen 23 Jahren ja eher zu der Generation die mit dem Internet quasi Aufgewachsen sind, Facebook war schon früh ein Thema, schnell kammen PartyGuide usw. dazu.
Spätestens als Twitter rauskam wurde ich skeptisch, kann es das sein?
Soll einfach jeder mal wissen was ich denke?
Dazu gilt zu sagen das ich nicht grad gerne auf die schnelle jedem alles aus meinem Leben erzähle, mag sein das ich Verschlossen bin und zwar auch im RealLife.
Hab ich mal Kontakt geschlossen komm ich gut mit Menschen aus und spätestens dann kommen meine "guten Charakterzüge" zum Vorschein.
Trotzdem erzähle ich grad die Dunklen Seiten meines Lebens nur ungern, zuweil es jedesmal alte Narben wieder aufreisst
Zurück zum Topic.
Facebook ist im grunde genommen wie ein Tatoo, einmal gemacht wird immer irgendwas zurückbleiben.
Ich habe nie ein Tatoo stechen lassen, einerseits weil ich mich nie für ein Motiv entscheiden konnte als ich eins wollte und das Aufgegeben habe und andererseits weil ich schon relativ hart gezeichnet bin durch mehrere Narben am Körper die ein Leben lang bleiben.
Genauso ist es mit dem Internet, bevor man was Postet sollte man sich vorher Überlegen was man Postet. Das Internet vergisst nicht, besonders "wichtige Seiten" werden für jeden ersichtlich Archiviert.
Da ist man als Teenager am Party machen und macht halt Bullshit, Zehn jahre später ist der Betreffende Person eine Führungspersönlichkeit und könnte noch ne Treppenstufe raufrutschen, die neue Stelle ist sehr Prestischträchtig und erfordert eine Blütenweise Weste. Nun sucht der neue Personalchef ein bisschen rum, die Betreffende Person hat zwar denn denn Facebook-Account "geläscht" *hust* *hust* aber da gibts ja eines der genialen Archive :)
Nach einer Viertelstunde kommt ein Bild jener Party zum Vorschein und dem Personalchef fallen vor Schreck die Haare raus, da posiert der neue Beauftragte für Kommunikation und Zuständiger für das Heikle Thema "Sexuelle Belästigung" mit zwei Teenagerinnen oben ohne.
Das wars dann mit dem neuen Job, von nun an bekommt der Betreffende keinen Job mehr in der Branche, das Bildchen wandert auf Anfrage von Personalchef zu Personalchef, irgendwie gelangt das Bild wieder frei ins Netz und die Freundinn des Betreffenden findet es...
Ziemlich Überspitzt denk man aber alles schon vorgekommen.
Ich finde es Teilweise Beängstigend was zum Teil gepostet wird, in der Schweiz kammen letztes Jahr mehrere Rassistische Inhalte von Politikern in die Schlagzeilen. Viele Posten Inhalte sogar ohne Anonymität, was zu einer enormen Durchsichtigkeit führt.
Der neue Trend des Cybermobbings hat zum Teil Barbarische Auswüchse, schutz gibt es keinen mehr da Praktisch jeder auf alles Zugreiffen kann.
Das Netz, einst als Wissensplattform gedacht artete zum Schlachtfeld aus wo alles Erlaubt ist und nichts Unmöglich.
Ich werde, sollte ich jemals das Glück haben, meinen Kindern hoffentlich auch die Gefahren beibringen können.
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Avatar S1ckn3sZ
S1ckn3sZ
#7 | 12. Feb 2013, 01:27
Ich habe neulich einen Bericht über den Testlauf Unterrichtsfach Sparen gesehen. Hoffentlich wird auch bald die Notwendigkeit des Fachs Umgang mit (Online)Medien folgen. Guter Blog!
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Avatar throgh
throgh
#8 | 09. Mrz 2013, 09:30
Hervorragend wie auch feinfühlig geschrieben. Danke für diesen Blogeintrag!

Ich hoffe einfach, dass einigen Internetbenutzern, welche du so trefflich beschrieben hast, auffällt wie sie sich verhalten. Inzwischen kommt man sich in diversen Foren wie in einer entmilitarisierten zone vor: Dort wird gedrängelt und diffamiert, dass es schon Glück ist wenn man wieder heil heraus kommt. Eine normale Diskussionskultur scheint kaum möglich und das ist schade!
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