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Der Untergang des Gamertums!

Von HolyHerbert |

Datum: 22.04.2013 | zuletzt geändert: 27.04.2013, 13:43 Uhr


Dies bezieht sich auf einen vorhergegangenen - durchaus lesenswerten - Blog, den ich nicht kritisieren will, sondern dem ich eine andere Meinung entgegenstellen möchte. Ich bin mir der Kontroverse und der Extreme meiner Worte bewusst. Seht es als Debattenbeitrag.

Es überrascht mich immer wieder, was sich manche Menschen so alles merken können. Es gibt da ein paar Kumpels von mir, die haben scheinbar FIFA auswendig gelernt, und zwar jeden der letzten fünf Teile. Und das meine ich nicht im übertragenen Sinne, ich kenne eine Handvoll Jungs, die wissen, wie viele Punkte Lionel Messi in „Antritt“ hat und in welcher englischen Liga der FC Torquay vor drei Jahren gespielt hat. Ich halte die Wissen zwar für nur begrenzt alltagstauglich, aber es stört mich keinesfalls. Diese Kerle führen nebenher ein ganz normales Leben, haben Beziehungen und Freunde, wie jeder andere.

Aber versuch‘ mal, mit dem gleichen Wissen über World of Warcraft zu glänzen! Nur die Nennung der ominösen drei Buchstaben „WoW“ katapultiert dich in die unterste Schicht der Gesellschaft, allein drei Buchstaben stempeln jeden Spieler zum sozialen Brennpunkt. Wer im Spanien-Urlaub gefragt wurde, ob er WoW zockt, nur weil er eine Brille trägt, der weiß, wovon ich spreche. An den „RTL Explosiv“-Bericht zur GamesCom muss ich wohl nicht erinnern.

Während das Spielen von Games wie FIFA und auf fast jeder Konsole mehr oder weniger sozial akzeptiert ist, sind PC-Spiele das nur bedingt. Nehmen wir ‘mal die Gruppe der U30-Männer aus, so hat der Großteil der Bevölkerung kaum Zugang zum Zocken, schon gar nicht zum harten Kern der Szene, den sie mit eckigen Augen nachts vor dem Bildschirm hocken sieht. Wenn gespielt wird, dann auf dem Smartphone und bei Facebook, wenn überhaupt. Anders gesagt: Versuch‘ einmal einer 20-jährigen Kommilitonin den Sinn von Steam zu erklären, ohne schief angeschaut zu werden (und ja, ich hab’s probiert). Natürlich gibt es zockende Frauen und sicherlich auch Männer, die mit 50 noch gern leveln, tanken und pullen, aber sie sind so selten wie Lasterfahrer in Nagelstudios.

Nur langsam verändert sich dieser Umstand, für die Nerds ist das aber kein Grund zum Jubeln. Genauso wie eingefleischte Fußballfans, die sich über Erfolgsfans aufregen, die jede Saison zum besseren Verein wechseln, hat sich „Casual-Gaming“ seit seiner Einführung über Nacht zum Unwort in der Szene gemacht. Solche Spieler seien keine echten Nerds, sie würden Gaming nur eben als vierzehntes Hobby in ihr Freizeit-Portfolio aufnehmen, würden sich in der Welt des Spielens nicht auskennen. „Der Untergang des Gamertums“ wird als Apokalypse auf die Hauswände geschmiert.

Und ich frage: Warum eigentlich nicht? Warum sollte die Szene nicht einfach jeden hereinlassen, ob casual oder Freak? Es wäre eine einzigartige Chance, der gesamten Bevölkerung den Zugang zu ihrem Lieblingshobby zu ermöglichen. Mit den ganzen Spielern, die man für casual gewinnen könnte, würde die Branche viel mehr Geld machen als mit den Vollzeitfreaks, die jedes Pokemon, jede Doom3-Flinte und jedes CoD-Gadget kennen. Welch ein Segen!

Wer allerdings dauernd mit seiner Nerdigkeit kokettiert und stolz darauf ist, nur ein wirkliches Hobby zu haben, gibt nun einmal kein gutes Bild davon ab, was er in seiner Freizeit tut. Um PC-Spiele salonfähig zu machen, muss sich das öffentliche Image verbessern. Das wird aber nur gehen, wenn sich die Super-Nerds so geben, dass man sie als Nicht-Spieler ernst nehmen kann. So lang aber weiterhin fröhlich die Argumente bedient werden, die sowieso schon existieren, schaufeln sich manche ihr eigenes Grab.

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Avatar TheVG
TheVG
#1 | 23. Apr 2013, 06:13
Irgendwie schon eine lustige Sache, dass wir uns jetzt schon um die Auswüchse des Endes der Gamerszene auslassen und über Alternativen frotzeln.

Was Nerds angeht, da versuchen ja schon seit längerem die Amis, das Image etwas aufzupolieren. Die Europäer eben weniger. Wenn du hier als Nerd geltest, dann stell dich auf Fingerzeige ein. Es ist aber auch kein Wunder, wenn die Allgemeinheit davon eigentlich keine Ahnung hat und sich an dem aufhängt, was einem die Medien so als Brocken vorwerfen.

In meinem Fall ist es so, dass ich leider auch das Extrem dieser Nerds kenne, eben jemanden, der wirklich das verkörpert, was "Exclusiv" so niederträchtig in dem Bericht angesprochen hat. Mir ist schon bewusst, dass das Ausnahmen sind, aber leider gibt es sie. Und wenn du sagst, dass es irgendwie WoW-exklusiv einzuordnen ist, muss ich entgegnen, dass es auch bei Sportspielen so ablaufen kann.

Allgemein aber ist das eine schöne, wenn auch etwas naive Ansicht, die du da vertrittst. Ist ja wirklich schön, dass du Gamer als eine Masse siehst, wo die Nerds den Casuals zur Hand gehen. Aber mal ehrlich, das ist nicht alltäglich. Ich hab schon oft genug miterlebt und auch hier per Blog beschrieben, wie es vordergründig abgeht. Und das ist nicht gerade freundlich oder harmonisch.
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Avatar Maggus3
Maggus3
#2 | 23. Apr 2013, 08:59
Nett geschriebener Blog.

Das mit dem Erklären von Steam kenne ich. Nennt sich bei mir nur nicht Kommilitonin - die, die ich da kennen gelernt habe, waren mehr Nerds als ich es jemals sein könnte - sondern Freundin.

Hat mich Monate oder sogar Jahre gekostet, bis sie nun mit durchaus vorhandener Begeisterung zockt.

Ansonsten muss ich TheVG zustimmen: Nerds werden nicht so ohne weiteres sozial anerkannt und helfen tut sich da schon mal keiner.
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HolyHerbert
#3 | 23. Apr 2013, 16:21
Zitat von TheVG:
Ich hab schon oft genug miterlebt und auch hier per Blog beschrieben, wie es vordergründig abgeht. Und das ist nicht gerade freundlich oder harmonisch.

Dann soll sich aber auch keiner wundern, dass er als Randgruppe außen vor gelassen wird... selbst schuld!
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Avatar TheVG
TheVG
#4 | 23. Apr 2013, 16:44
Zitat von HolyHerbert:

Dann soll sich aber auch keiner wundern, dass er als Randgruppe außen vor gelassen wird... selbst schuld!


Naja, wenn es nur so wäre. Habe leider auch erlebt, dass die größten menschlichen Nichtsnutze mit Skill trotzdem behimmelt werden. Ich hätte die längst gebannt, aber so ist das halt, wenn man kein Admin ist.
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Avatar Ocejanus
Ocejanus
#5 | 27. Apr 2013, 14:01
Hi HolyHerbert,

schöne Anregung, guter Blogeintrag.
(leider wird mein grüner Daumen nicht angezeigt, Server scheint irgendwie rumzuzicken...)

Zitat von HolyHerbert:
Nur langsam verändert sich dieser Umstand (...), hat sich „Casual-Gaming“ seit seiner Einführung über Nacht zum Unwort in der Szene gemacht.


Ich glaube, meine Mutter (Jahrgang 1937) kennt das Wort "Casual Gaming" gar nicht, aber sie zockt trotzdem Anno und Scrabble. Und das finde ich richtig cool und Mut machend.
Ich finde, das zeigt, dass es gar nicht um Kategorien wie Hardcore-Gamer, Gelegenheitsspieler, Freizeitzocker etc. geht, sondern schlicht und einfach um Spielspaß und sinnvolle (ja, ich finde PC-Spielen sinnvoll !!!) Freitzeitgestaltung.

Zitat von HolyHerbert:
„Der Untergang des Gamertums“ wird als Apokalypse auf die Hauswände geschmiert.


Lass(t) sie kritzeln und lasst sie ihre Szenen bilden. Ich definiere mich nicht über Shooter-Fan, Rollenspieler, Stratege ff.
Du hast allerdings recht, dass durch das (elitär gemeinte) Verhalten von so genannten Nerds, Hardcore-Zockern und Clan-Fanboys eine bestimmte Massentauglichkeit von Spielen im Ansatz zunichte gemacht wird. Denn wer (wenn er kein besonders starkes Selbstbewusstsein besitzt) möchte sich schon mitleidig und herablassend behandeln lassen. Beispielsweise durch entsprechend arrogante Antworten auf Fragen in Spieleforen oder Fanseiten...

Aber auch das ist glaube ich ziemlich menschlich und ein gesellschaftliches Phänomen:

Egal ob Slotcar-Team, Fußball-Fanclub oder Mitglied im Schützenverein oder im Brettspielkreis- eine Abgrenzung und mitleidige Behandlung von vermeintlichen "Noobs" findet überall mehr oder weniger stark statt.
Viele müssen sich ja abgrenzen, um sich so selbst zu definieren.
Schau Dir die Flames selbst hier auf Gamestar an, wenn Du eine Nachricht kommentierst und sofort einen roten Daumen bekommst, wenn Du nicht den angeblichen Massengeschmack triffst...

So what.

Lieben Gruß von
Ocejanus
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