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Die Zukunft ist verfügbar und preiswert

Von HolyHerbert |

Datum: 07.06.2013 | zuletzt geändert: 11.06.2013, 21:37 Uhr


Es gab mal eine Zeit, da galt Geduld als eine Tugend.

Heutzutage sieht das wohl anders aus. Sofortige Verfügbarkeit scheint sich mehr und mehr zu einem der Mantras in der Spielebranche zu entwickeln. Aber nicht nur hier. Amazon Prime ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell man heutzutage etwas verkaufen und liefern muss, damit der Kunde des 21. Jahrhundertes nicht zu einem anderen Versandhandel wechselt, der vielleicht einen halben Tag früher liefert. Das Internet nimmt dem Einzelhandel immer mehr Kunden ab.

Bei Spielen steht Valves Steam derzeit wohl am höchsten im Kurs. Online bezahlen, sofort herunterladen, spielen. So schnell muss das gehen. Dass Steam dem Valve-Konzern im vergangenen Jahr einen Umsatzgewinn von 50 Prozent im Gegensatz zum Vorjahr (!) beschert hat, spricht Bände. Bei der Verfügbarkeit hat Steam wohl am besten in genau die Kerbe geschlagen, die der Kunde in diesen schnelllebigen Zeiten am meisten will: Verfügbarkeit.

Aber auch ein zweiten Argument kommt dazu, nämlich der Preis. Die Zeiten in denen man sich von Elektronikmärkten die Preise diktieren lassen musste, sind wohl vorbei. Während die weiterhin fleißig Waschmaschinen verkaufen, sind Boxed-Versionen von Games auf dem Rückzug. Bei Amazon sind Spiele meist viel günstiger, außerdem passt sich der Preis viel öfter an Angebot und Nachfrage an. Und wer einmal beim Steam Summer Sale dabei war, den schreckt das auch nicht mehr.

Werden hier die Spiele verramscht? Vielleicht. Aber wie oft habe ich eben schon etwas gekauft, weil es günstig war? Dieses Geld hätte der Publisher von mir sonst gar nicht gesehen.

Was das angeht, schießen die HumbleBundles derzeit wohl den Vogel ab. Was da jeweils zu Mini-Preisen verkauft wird, geht in einer Woche schon einmal in die Hunderttausende. Der Preis scheint also wohl ausschlaggebend zu sein, welch Wunder. Viele Spieler sind nicht bereit, den Vollpreis zu bezahlen sondern warten auf den Zeitpunkt, an dem ein Spiel einen vernünftigen Preis hat. Dann sind sie sehr wohl bereit, Geld auszugeben und erhalten dann Codes für den sofortigen Download, womit wir dann wieder bei der Verfügbarkeit wären.

Diese Verbindung aus günstigem Preis und der jederzeitigen Verfügbarkeit haben einige wenige erkannt und machen jetzt den Reibach. Ein gutes Beispiel dafür ist neben Steam sicherlich der Musikanbieter Spotify. Einmal abonniert, bezahlt man monatlich einen Beitrag und kann dann so viel Musik hören, wie man lustig ist. Ich wette, wenn Netflix, die das gleiche Modell mit Filmen und Serien in HD anbieten, endlich in Deutschland verfügbar sind, wird auch dieser Dienst einschlagen wie eine Bombe.

Nebenbei, vielleicht löst das auch das leidige Problem mit der Produktpiraterie. Warum gucken so viele Leute Filme und Serien bei Portalen wie Movie2k oder Kinox.to? Weil es keine zeitgemäße Alternative gibt! Serien beispielsweise gibt es - wenn überhaupt - in Deutschland nur in völlig überteuerten DVD-Boxen Monate nach der Ausstrahlung im TV. Mit Filmen ist es doch nicht anders, das ist weder schnell noch preiswert. Wundert es wirklich jemanden, dass Online-Streaming so beliebt ist?

Die Zeiten werden schneller. Wer sich daran nicht anpasst, wird sein blaues Wunder erleben.

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Avatar TheVG
TheVG
#1 | 07. Jun 2013, 16:32
Schöner Blog, schön geschrieben und durchaus alltagstauglich (mal so nebenbei erwähnt).

Aber ich finde nicht mal, dass Spiele verramscht werden. Es zeigt sich in der Sparte, dass die Preisspanne DOCH nach unten korrigiert werden kann. Da soll MM und Saturn mal nicht behaupten, dass da nix zu machen wäre, bestes Beispiel DVDs. Zwar bestimmt der Markt an sich noch ein bisschen die Preise, aber da geht immer noch was.

Steam ist immer noch zu sehr USA-gesteuert von wegen Kreditkartenzahlung, da bin ich eh außen vor. Das müsste man hierzulande noch ein bisschen optimieren, dann würde es auch hier immer schneller gehen.
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Avatar Takamisakari
Takamisakari
#2 | 07. Jun 2013, 17:01
Was angesichts dessen auf der Strecke bleibt ist die Tatsache, nichts in der Hand zu haben und vom Account-Zugang (teilweise) abhängig zu sein. Man erwirbt zudem nur das (eingeschränkte) Nutzungsrecht. In Anbetracht dessen ist ein günstigerer Preis sogar ein Muss. Auf der anderen Seite können die Publisher jedoch einen größeren Anteil pro Spiel abgreifen (bei den enormen Entwicklungskosten durchaus willkommen), denn statt Medien-/Verpackungs-/Transportkosten, Steuer und Händleranteil fällt nur die Provision für den Plattformbetreiber an.
Die heutigen Retail-Versionen sind für viele aber auch noch aus prinzipiellen/nostalgischen Gründen von Bedeutung, wobei die ursprüngliche Flexibilität "dank" der Accountbindung inzwischen kaum noch gegeben ist. Der beiliegende Key ist da auch nicht mehr das Eigentums-Kriterium, da ein Spiel (ggw.) nicht mehr von einem Account entbunden werden kann. Schöne heile Welt.
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Avatar RD.REVELATION
RD.REVELATION
#3 | 08. Jun 2013, 09:15
Interessant zu lesender Blog. Schön auch, wie die "innere Argumentation" immer mal wieder die Seiten wechselt ;-)...

Wenn man vom Wandel "Spielekauf ---> Lizenzkauf" absieht, sehe ich im Großen und Ganzen eigentlich nur Vorteile in dieser Entwicklung.
Sonntag nachmittag, plötzlicher Regen, Ausflug fällt aus. Steam an, neues Spiel laden. Geht bei den in Deutschland geltenden Einzelhandelsbestimmungen nicht.

Kein unnötiger Müll mehr (DVD, Plastikhülle, Pappschachtel).

Heute bestellt, morgen da.

Und auch die Preise (wenn auch zum Teil durch Sales herbei geführt) passen sich dem an, dass Kosten für Vertrieb und Material schlicht nicht vorhanden sind.
Ein digitales Spiel (Vollpreistitel) hat früher 80-100 DM gekostet. Das sind heute also 40-50€. Realistisch sind daher Preise im Rahmen von 25 bis maximal (AAA-Titel) 40€.

Nur eines darf man nicht vergessen: Die Geschwindigkeit des heutigen Lebens nutzen ist wunderbar, lernen muss man aber sich von anderen Seiten nicht unter Druck setzen zu lassen (ich will gestern von ihnen...). ;-)
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