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DRM - und jetzt?

Von HolyHerbert |

Datum: 14.08.2013 | zuletzt geändert: 22.08.2013, 00:49 Uhr


If I may be so bold that I just say something...

Letztens ist mir etwas verrücktes passiert. Eine meiner Lieblingsserien, nämlich Die Siedler, ist seit Jahren - von Siedler Online mal abgesehen - ziemlich eingestaubt. Trotzdem wollte ich den letzten nicht-F2P-Teil einmal ausprobieren, also Die Siedler 7. Weil ich aber keine Ahnung hatte, ob mir das Spiel zusagen würde, habe ich mir die Demo herunter geladen. So weit, so gut. Nun, nachdem ich die Demo installiert hatte, sollte ich sie mit meinem UPlay-Konto verbinden. Hab ich ja auf dem Rechner, kein Problem. Dachte ich mir. Nach der Anbindung an das Konto wurde die Demo zuerst auf den Stand 1.04 gepatcht.

Finde den Fehler: Gepatcht. Eine Demo!

Okay, dachte ich mir, dauert ja nicht lang. Danach wieder UPlay angeschmissen, Demo gestartet, ging aber immer noch nicht. Uplay neu gestartet, Demo neu angemacht, lief immer noch nicht. Demo deinstalliert, alles vom PC geschmissen, keinen Bock mehr auf Die Siedler. War das im Sinne des Erfinders?

Nun kann man mir vorwerfen, altmodisch zu sein, weil eh niemand mehr Demos spielt. Aber diese Episode macht doch recht deutlich, warum DRM (Digital Rights Management) noch vor DLC wohl die verhassteste Abkürzung unter Spielern ist. Wie viel Aufwand kann man denn betreiben, um jemanden, der gewillt ist ein Produkt zu testen und eventuell zu kaufen, davon abzuhalten genau das zu tun? Ich kann jeden verstehen, der aufgrund von solchen Erlebnissen den Spaß am Spielen verloren hat.

Ehrlich gesagt - und schlagt mich bitte nicht dafür - kann ich aber auch die Publisher verstehen. Nicht nur in der Musik- und Filmbranche sind den Verantwortlichen in den letzten Jahren Millionenbeträge im neunstelligen Bereich durch die Lappen gegangen, weil Urheberrechte, namentlich durch Raubkopien, überhand genommen haben. Auf einen Spieler, bei dem das Spielen nicht möglich ist, weil seine Internet-Verbindung für Always-On-DRM nicht reicht, kommen einhundert Spieler, deren Internetverbindung gut genug ist, um jenen Titel an einem halben Tag illegal herunterzuladen.

Ist es deshalb fair, dass Publisher ihre Produkte schützen wollen? Ja. Ist es aber fair, dass DRM mein Spiel - wie zum Beispiel bei SimCity oder Diablo 3 geschehen - unspielbar macht? Nein. Ist es aber in Ordnung, dass Dienste wie Origin wahllos zu Spähprogrammen umgebaut werden können? Auf keinen Fall. Aber können wir DRM in Zukunft abschaffen? Auch hier lautet die Antwort wohl nein.

Wie der Titel des Blogs schon andeutet, werden wir in absehbarer Zukunft nicht auf DRM in irgendeiner Weise, und das betrifft alle digitalen Produkte, herumkommen. Es steckt viel zu viel Energie, zu viel Geld und zu viele Arbeitsplätze in dieser Branche. Eine Rückkehr zu den Zeiten, als das Besitzen einer CD als Begründung des Besitzes eines Spiels ausreichte, scheint unmöglich. Die Branche ist schlichtweg zu groß geworden, um sich so etwas erlauben zu können.

Müssen wir Spieler uns deshalb trotzdem alles gefallen lassen, obwohl wir ehrliche Käufer sind? Nein, zumal schlechte DRM-Umsetzungen in letzter Zeit auch zu sichtbaren Umsatzeinbrüchen bei manchen Publishern geführt haben. Die Lösung liegt, wie so oft, wohl ‘mal wieder im Konsens: Man hat spätestens beim Release der XBOX One gesehen, was passiert, wenn man beim Kopierschutz so gar nicht auf die Community hört. Publisher müssen endlich einsehen, dass sie den Kopierschutz erträglich und sinnvoll gestalten müssen, sodass sie ihr geistiges Eigentum schützen, ohne Spieler zu gängeln. Und Spieler müssen einsehen, dass ohne Kopierschutz nichts mehr läuft und das eine DRM-Verschlüsslung, wie auch immer geartet, nicht gleich Ausschlusskriterium zum Kauf sein darf. Das wird die Piraterie bestimmt zwar nicht beenden, aber wenn man sich endlich auf ein sinnvolles Maß an Kopierschutz einigen könnte, das beide Seiten akzeptieren, wäre man ein gutes Stück weiter.

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Avatar Takamisakari
Takamisakari
#1 | 14. Aug 2013, 17:30
Ich behaupte, dass es auch ganz ohne DRM ginge, wenn man nur will*. Einzig beim rein digitalen Vertrieb wäre das DRM durchaus nachvollziehbar.

* Kopierschutz-Mechanismen auf dem Datenträger; Sony hatte für sowas auch mal ein Patent eingereicht (vielleicht findet es ja sogar Anwendung bei der PS4). Ich persönlich würde sogar den Wandel zu USB-Stick-ähnlichen Cartridges für realistisch halten ... wenn sich die Branche damit auseinandersetzen würde (Retail-Versionen werden nicht aussterben).
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Avatar throgh
throgh
#2 | 15. Aug 2013, 23:45
Zu der Frage: Können Spieler DRM-Mechanismen abschaffen? Ja, aber natürlich. Und zwar durch den geplanten Verzicht. Sämtliche Produkte, die einen Zwang außerhalb der eigenen Möglichkeiten erfordern, könnte man im Regal einfach stehen lassen. Natürlich bedeutet das auch den Verzicht auf Spiele wie "Far Cry 3" oder "Assassins Creed 3". Aber seien wir doch ehrlich: Was zeichnet die Spiele aus was ihre Vorgänger nicht haben? Bessere Grafik? Ja, sicherlich. Aber eine bessere Spieltiefe? Nur bedingt. Das was uns die Publisher und teils auch Entwickler verkaufen wollen ist einfach nur immer wieder die gleiche Masse in anderer Verpackung. Es gibt inzwischen Spiele weit kleinerer Teams, die weit engagierter und interessanter sind. Sind sie ebenso grafisch aufwendig? Bieten sie vielleicht auch eine kinoreife Inszenierung? Nicht immer, wahrscheinlich sogar eher selten. Aber dafür sind sie "frei". Man kann als Kunde selbst entscheiden und ist dazu gezwungen der Willkür irgendeines Unternehmens zu unterliegen. Es bedarf nur Eines: WOLLEN ... KÖNNEN haben wir bereits heute. Nur wollen viele Spieler nicht verzichten und argumentieren immer wieder mit den sog. "Triple-A"-Titeln. Das wiederum ist absoluter Quatsch und ein "Siedler 5" oder ein "Siedler 6" tut es ebenso wie ein "Siedler 2". Teil 5 und Teil 2 wie auch die "Die nächste Generation" sind allesamt über GOG.com erhältlich: DRM-frei, ungebunden und frei.

Man muss sich nur die Frage stellen: Will man sich aufgrund eines Luxusgutes in seiner Freiheit einschränken lassen? Gut, dann kommt man um diese Plattformen wie UPLAY oder STEAM nicht herum. Will man das nicht? Will man vielleicht auch andere WEge abseits von "Windows" gehen? Das wird schwieriger und steiniger, mit Sicherheit. Aber dafür zahlt es sich aus und man wird belohnt. Denn abseits vieler interessanter Ideen, Spiele und Konzepte gibt es noch eine weit größere, digitale Welt zu entdecken. Man muss nur WOLLEN! Und die Argumentation hinsichtlich Energie, Geld und Arbeitsplätze ist eine billige Ausrede der großen Unternehmen hinsichtlich eines globalen Misstrauens gegenüber der Kundschaft und der Geldgier der jeweiligen Führungsetage. Die Mitarbeiter und externen Studios sehen davon nur wenig oder erhalten nicht einmal wirklich den Betrag, der ihnen zustehen würde. Angeblich muss man ja an das "Morgen" denken. Wenn man dann aber die Rationalisierungen bedenkt, die Unternehmen wie EA zum Beispiel immer wieder groß ankündigen und wohl auch durchziehen ... was hat das noch mit der Angst hinsichtlich der "Raubkopie" zu tuen? Genau ... rein gar nichts. Es geht nur um das böse Schreckgespenst des "Raubkopierers", welches man sich gern am Leben erhält. Für Unternehmen wie UbiSoft oder EA wäre es doch sicherlich leicht evtl. die Hacker- / Cracker-Gruppen trocken zu legen. Warum machen sie das nicht? Genau, weil man einen Buhmann in der Schublade braucht. Den kann man beliebig hervorholen und zwischendurch bestraft man dann kleinere "Fische" im Teich. ;-)
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Avatar Raet
Raet
#3 | 22. Aug 2013, 00:49
Gerade Sielder7 litt unter den DRM, es war meiner Auffassung nach das erste U-Play Spiel mit Always-On DRM und dieser wurde ewig beibehalten. Dies war wohl einer der Gründe warum die Verkaufszahlen zu Siedler7 eher gemäßigt ausfiehlen.
Mit Anno 2075 dagegen wurde man schon etwas freizügiger und bewarb einen Offlinemodus. Der Titel wurde auch offiziel ein Erfolg.

Habe es bereits erlebt das ein Spiel, ohne Launcher, ohne Onlineprüfung, noch komptabil mit meinen System war - aber der Kopierschutz nicht. Handelte sich um Warhammer: Mark of Chaos dessen Kopierschutz den start auf einen 64er verweigert und auf ein 32bit OS besteht.

Verstehe den Sinn und Zweck des Kopierschutzes. Spätestens wenn die Titel aber nicht mehr im Handel erhältlich sind, oder für einen einstelligen Betrag als Klassiker online vertrieben werden - dann sollte zumindest der Kopierschutz auch Stufenweise gelockert werden. Dies ist bisher nur bei extrem seltenen Ausnahmen der Fall.
Zumal die meisten Publisher zum Thema Kopierschutz bisher meinten das dieser in den ersten zwei Wochen nach Veröffentlichung des Titels am wichtigsten ist. Bedeutung und erwartete Wirkung nehmen danach rapide ab. Im Gegensatz zu den fortlaufend bestehenden Einschränkungen für die ehrlichen Käufer.
(Nachtrag: Um unnötige Details gekürzt, bezug angehängt.)

@Takamisakari, nein auch Digital nicht.
Siehe CDProject Red oder Daedalic-Produktionen die sind ohne DRM mit zeitnahen Release online im Vertrieb und wirtschaftlich.
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