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Lasst mich scheitern!

Von HolyHerbert |

Datum: 05.05.2013 | zuletzt geändert: 26.08.2013, 11:55 Uhr


„Der Mensch wird frei geboren und liegt überall in Ketten“ Ihr merkt, heute wird’s etwas ernster.

Ich will rauchen dürfen. Jetzt ist es raus. Ich hätte nie gedacht, dass ‘mal zu sagen, aber es ist so. Nein, nein, ich bin alt genug, um es zu dürfen, zumindest dem Gesetz nach, darum soll’s nicht gehen.

Wenn sich die Gesetzeslage in Deutschland und Europa aber weiterhin so verändert, wie sie es im Moment tut, würde ich dafür meine Hand nicht mehr ins Feuer legen. Grundsätzlich darf man, vom Bundesland abhängig, in vielen öffentlichen Räumen nicht mehr rauchen. Nicht auf dem Bahnhof, nicht in Verwaltungsgebäuden und seit neuestem, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, nicht ‘mal mehr in Gaststätten.

Was mich daran stört? Eigentlich nichts, ich rauche ja nicht einmal. Und doch, irgendwie alles. Es geht nicht ums Rauchen per sé, das ist mir ziemlich egal, es geht darum, dass mehr und mehr vorgeschrieben wird, was man zu tun und zu lassen hat. Es geht schon lang nicht mehr darum, ob man anderen schadet oder ob es der Allgemeinheit dienlich ist, es geht um jeden einzelnen.

Dass nun überall Warnschilder mit Bildern von Raucherlungen auf Zigarettenpackungen geklebt werden, ist der Gipfel des Eisbergs, der schon mit den „Rauchen kann tödlich sein“-Emblemen begann. Ich weiß, dass Rauchen tödlich ist! Deshalb tu ich’s ja auch nicht.

Aber bitte, bitte, lasst mich noch selbst entscheiden, wie ich mein Leben gestalte. Wenn ihr es so wollt, lasst mich scheitern. Ich will das Recht zu scheitern. Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung und Rentenversicherung sehe ich ja noch ein, auch staatlich geförderte Sozialleistungen, aber eine Erziehungskampagne „Alkohol - Kenn dein Limit“ muss echt nicht sein.

Warum? Also ich kann immer noch selbst denken. Ich brauche niemanden, der mir sagt, was gut und schlecht, was ich zu tun und zu lassen habe, solang ich niemanden anders schade.

Scheinbar denken manche Politiker aber, das Wahlvolk sei eine dumme Herde, der man noch den Weg zeigen müsse. Dabei weiß jedes Kind, dass Rauchen tödlich ist! Demnächst wird verlangt werden, dass auf Erdnüssen „kann Spuren von Nüssen enthalten“ stehen muss und IKEA wird den Laktosegehalt von Billy-Regalen angeben müssen. Sind wir denn wirklich so blöd? Können wir uns denn nicht selbst einen Reim darauf machen? Ich glaube, schon.

Da lebt man in einem Land mit Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit, Pressefreiheit, und und und. Und dann soll man demnächst nicht mehr auf öffentlichen Plätzen Alkohol trinken dürfen, nicht mehr rauchen dürfen, vielleicht wird uns der liebe Herr Kretschmar - dessen Idee war das mit Alkohol auf öffentlichen Plätzen - dann gleich auch noch das Reden verbieten, mal sehen.

Ich glaube, wer rauchen will, soll rauchen. Aber dann soll er auch mit den Konsequenzen leben. Gesunder Menschenverstand ist das, was mir keine Kampagne erklären muss, das muss jeder für sich selbst finden.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-01/baden-wuerttemberg-alkoholverbot

http://www.zeit.de/2013/01/Rauchverbot-Diktatur-der-Fuersorge

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Avatar Richard S.
Richard S.
#1 | 05. Mai 2013, 23:18
Hm... ein recht heikles Thema, dass du hier ansprichst. Einerseits stimmt es schon, jeder soll für sich selbst entscheiden, ob er raucht, und wenn der Betreiber eines Lokals allen Gästen das Rauchen gestatten will, soll er es auch dürfen.

Andererseits muss man auch bedenken, dass Rauchen nicht nur einem selbst, sondern auch anderen Menschen um sich herum schadet. Da gibt es jetzt natürlich die penetranten Nichtraucher, die sich im Lokal an den Nebentisch eines Rauchers setzen und so tun, als würden sie an ihrem gekünstelten Husten ersticken. Allerdings ist es auch nicht allzu lustig, wenn eine Familie mit Kindern ein Lokal zwecks eines gemütlichen Abends betritt und sogleich allen die Augen vor lauter Rauch brennen.

Einfachste Lösung hierfür wären getrennte Raucher- und Nichtraucherbereiche, wenn diese so leicht umsetzbar wären... aber man versuche das mal in einem Gasthaus mit weniger als dreißig m² Gastraum. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Und über derartiges könnte man noch stundenlang schreiben.

Prinzipiell sollte jeder für sich entscheiden dürfen, ob er raucht oder nicht, und was die Politik diesbezüglich aufführt, ist häufig unsinnig bis hirnrissig.

Andererseits ist Passivrauchen durchaus eine Gefahr für andere Menschen.

Würde Rauchen nur den Raucher selbst betreffen, würde ich dir wohl zustimmen.

Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Wenn man raucht, rauchen Menschen in näherem Umkreis meist mit, ob sie wollen oder nicht.

Und die Politik versucht irgendwie, die Nichtraucher zu schützen (ob aus Selbstlosigkeit oder anderen Gründen, sei dahingestellt). Das Ergebnis ist durchwachsen, aber ob es eine bessere Lösung gibt, die alle zufriedenstellt... nun, die müsste man erst finden.

Ach, und deine Bemerkung
"eine Erziehungskampagne „Alkohol - Kenn dein Limit“ muss echt nicht sein"
finde ich etwas daneben. Ständig sterben Menschen durch Autounfälle, die von alkoholisierten Lenkern verursacht wurden; darunter häufig Jugendliche. Ob die Kampagne da hilft, sei dahingestellt, aber es ist auf jeden Fall eine grundelgend gute Idee.
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Avatar Maggus3
Maggus3
#2 | 06. Mai 2013, 09:05
Obwohl ich weder deiner These zum Rauchen noch zum Trinken zustimme, hast du einen grünen Daumen erhalten.

Rauchen an öffentlichen Orten schadet nun einmal, wie auch schon Richard S. schrieb, den Menschen in unserer Umgebung.

Das kann sogar so weit gehen, dass eine passive Abhängigkeit entsteht, wenn der gesamte Freundeskreis raucht, aber man selbst nicht (Selbst vor ein paar Jahren erlebt). Mit Entzugserscheinungen und allem.

Und insbesondere der Warnhinweis, dass Rauchen in der Schwangerschaft nur von Drogen nehmen währenddessen getoppt, ist auch nicht gerade verkehrt. Denn das wissen die wenigsten. Woher denn auch? Aus der Schule? Bitte...

Die Kampagne "Kenn dein Limit" finde ich zwar auch sehr Panne, aber sicher nicht wegen ihrem Inhalt, sondern eher wegen ihrer Aufmachung. Da sie Trinker (egal ob es sich um ein Bier oder eine ganze Flasche Hartbrand handelt) generell als uncool darstellt.

Wichtig ist sie trotzdem. Denn wenn dadurch dafür gesorgt wird, dass nur ein Menschen eben nicht an den Folgen verreckt, ist schon etwas gewonnen.
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Avatar Ocejanus
Ocejanus
#3 | 06. Mai 2013, 09:28
Hi HolyHerbert,
ich denke, dass Du da zwei verschiedene Themen ansprichst.

1. Rauchverbot,
welches ganz konkret in den Lebenswandel und damit die Freiheit eines jeden Rauchers eingreift.

2. Freiheit des Einzelnen an sich.

Beides hat nur bedingt miteinander zu tun.

Um es hochgestochen auszudrücken:
Das eine ist ein ganz konkreter Eingriff in persönliche Freiheiten,
das andere berührt die abstrakte Freiheit (einer Gesellschaft)

Zu 1.:
Die Freiheit für Raucher hört m.E. dort auf, wo sie durch ihren Qualm die Gesundheit anderer Menschen gefährdet. Dies ist beispielsweise in geschlossenen Räumen, aber auch in der Öffentlichkeit (z.B.) auf Bahnhöfen oder bei Open-Air-Konzerten oder auf Spiel,-Sportplätzen der Fall.

Deswegen halte ich es für vollkommen legitim, wenn der Gesetzgeber hier die Nichtraucher schützt.
- eben weil viele Raucher keine Rücksicht nehmen.

Zu 2.:
Hier äußerst Du eine irgendwie allgemeine Unzufriedenheit, weil Du Dich offenbar (durch was oder wen auch immer) bevormundet fühlst.

Ich denke, dass in einer Gesellschaft (ob nun Deutschland oder EU) Spielregeln nötig sind.
Natürlich muss man nicht die Länge und die Krümmung einer Banane gesetzlich festlegen, aber in vielen anderen Bereichen ist es sinnvoll, Dinge klar zu regeln. (Zuwanderung, Bildung, Arbeitsmarkt, Verbraucherrecht, Mietrecht etc)

Ansonsten gilt für mich aber:
Jedem seine Freiheit.
Aber die hört dort auf, wo er die Freiheit eines anderen einschränkt.

Viele Grüße
O.
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Avatar TheVG
TheVG
#4 | 07. Mai 2013, 19:30
Ja, ist wirklich etwas dubioses Thema. Aber so denken immer die, die eben selbstständig denken können. Allen anderen muss man entweder einen Denkanstoß verpassen oder sie gleich gewaltsam daran hindern, weil sie es übertrieben haben.

Auch hier spielt wieder Erziehung, Anstand und Moral eine Rolle. Wer schlau genug ist, stellt sich halt nicht in die Raucherecke, im Gegenzug sollten Raucher schnell erkennen, wo sie wirklich ungünstig stehen/sitzen. Alkohol ist nicht direkt so gefährlich, sondern vieles, was als Folgeschaden passiert. Wann nimmt denn ein Kumpel einem anderen denn den Schlüssel ab, weil der plötzlich heimfahren will? Heute hör ich das selten. Nix da, die finden das sogar voll mutig, wenn der besoffen heimfahren will. Ergebnis? Noch mehr Tote für die Statistik.

Da will ich ehrlich mal wissen, ob es jemand sinnvoll findet, dass man noch mehr Freiheiten eingeräumt bekommt. Die Realitäten sprechen eine deutlich andere Sprache, nämlich dass wir diese Regulierungen leider immer mehr brauchen.

Und wenn du jetzt verlangst, lasst mich halt an Lungenkrebs erkranken, weil ich das selbst so gut weiß, dann setzt du deine Denkweise leider falsch an. Dann kannst du auch ebenso gut der Ami sein, der unbedingt ne Knarre im Kopfkissen haben will, auch wenn er weiß, dass die von selbst losgehen könnte.
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