HolyHerbert

(offline)
Lemming   arrow Über mich & Kontakt
Kommentare (10)
13 von 14 Leser fanden diesen Blog interessant

Unberechenbar!

Von HolyHerbert |

Datum: 19.04.2013 | zuletzt geändert: 29.04.2013, 16:16 Uhr


Ich war noch nie gut in Mathe.

Zahlen sind ‘was Feines. Mit Zahlen lässt sich rechnen (zumindest, wenn man nicht so viele Buchstaben dazwischen hat), sie geben ein Gefühl von statistischer Sicherheit, sie machen das Geschriebene zu Fakten, sind berechenbar und handfest. Sollte man zumindest meinen. Doch an einer Stelle will ich keine Zahlen mehr sehen: bei Spieletests!

Als ich letztens meinen Test zu R.U.S.E. verfasst habe, forderte ein Dialogfenster, dass ich eine Wertung abgeben müsse. Ich habe mich - eher willkürlich - für 78 Punkte entschieden. Es hätten genauso gut 85 oder 70 sein können. Warum? Die Zahl ist lediglich eine Schätzung, um den Titel einigermaßen zwischen seinen Genrekonkurrenten einordnen zu können, berechnet ist sie keinesfalls.

Für mich stellt sich nämlich die Frage, ob man eine Meinung überhaupt in Zahlen ausdrücken kann. Während technische Daten noch einigermaßen sicher, beispielsweise mit mehr oder weniger Punkten für mehr oder weniger AntiAliasing-Optionen, berechnen könnte, ist es absurd, für den Grafikstil oder das Gameplay Punkte zu vergeben. Es ist doch nur eine Meinung, oder? Die Tests zu Bioshock Infinite haben eindrucksvoll gezeigt, dass die alternativen Spielideen sich nicht in irgendein Wertungsmuster pressen lassen, sie ziehen die Punktewertungen oftmals ins Lächerliche. Das Polarisierende des Titels, das wohl jeder anders einordnen würde, lässt sich kaum in ein ordinäres Schema pressen. Dieses Spiel ist kaum vergleichbar. Und auch nicht, wenn man eine Zahl als Urteil angibt.

Bei Bioshock fällt auch das oben schon angesprochene Dilemma der scheinbaren Berechenbarkeit von Wertungen auf. Sagen wir, das Spiel bekommt eine 80. Die 80 ist eine natürliche, reelle, rationale Zahl. So, let’s do the math! Denn mit Zahlen kann man ja rechnen. Ein mit einer 80 prämiertes Spiel müsste doppelt so gut sein wie ein Spiel mit der Wertung 40. Vielleicht sind ja dann zwei 40er so gut wie 80er-Titel. Sollten sie nur die Hälfte kosten, wär‘ das noch vertretbar. Muss ich dann auch annehmen, dass ein 100-Punkte-Spiel 10 Prozent besser ist als ein 90er?

Das Problem ist doch, dass selbst diese nüchternen Zahlen trotzdem auf der Meinung des Autors fußen, selbst wenn es - wie bei GameStar - in viele einzelne Aspekte aufgeteilt ist. Die Zahlen berechnen sich ja in keinster Weise selbst, sondern werden vom Verfasser eingetragen und ergeben hinterher das Bild, das von Vornherein abgegeben werden soll. Darüber hinaus sind alle Kategorien (Grafik, Gameplay, Umfang, etc.) alle gleich stark gewichtet, auch wenn manche Aspekte vielleicht einen stärkeren oder schwächeren Einfluss haben.

Damit verbunden ist ein anderes Problem: Wertungen sind Meinungen. Und jeder hat doch eine eigene Meinung und jeder gewichtet anders. Wenn ich mich einen feuchten Kehricht um die Grafik schere, müsste ich das ja irgendwie aus der Wertung herausrechnen. Oder, sagen wir, halb so stark werten. Dafür könnte ich bei „Umfang“ doppelt rechnen… Ich merke gerade selbst, was das für ein Schwachsinn ist. Ein starrer Zahlenkasten wird dem einfach nicht gerecht.

Wie es anders gehen kann, zeigt zum Beispiel die Fernsehserie GameOne, die schon immer auf Zahlen als Wertung verzichtet hat. Wenn man es hinbekommt, dass der Leser/Zuschauer ein lebendiges Bild des Spiels vor Augen hat, gepaart mit einer redaktionellen Meinung ohne explizite Wertung, kann jeder für sich selbst einen persönlichen Eindruck gewinnen. In meinen Augen ist das die bessere Wahl.

Aber dafür, liebe Redakteure, muss man anschaulich berichten, auf Inhalte statt Zahlen setzen und dem Leser ein eigenes Urteil zutrauen. Traut euch!

13 von 14 Leser fanden diesen Blog interessant

Beitrag bewerten

War dieser Blog für Sie interessant? Ja Nein

Diesen Artikel:   Kommentieren (10) | Drucken | E-Mail | Weitersagen
FACEBOOK:
TWITTER:
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
1
Avatar Takamisakari
Takamisakari
#1 | 20. Apr 2013, 01:50
Das Thema kommt vielen in den Sinn, wenn sie mal wieder einen fragwürdigen Test lesen. Man braucht sich noch nichtmal ausführlich damit auseinandersetzen, um zu begreifen, dass eine Zahl keine Aussagekraft hat.

Ohne den subjektiven Teil wäre ein Test nur eine Sammlung von Zahlen, die aber nichts über das Spielgefühl/Spielgeschehen aussagen können. Allerdings könnte man damit wunderbar rechnen und Spiele des selben Genres auch wirklich vergleichen. Nur die Aussagekraft tendiert Richtung 0.

Am Ende läuft alles darauf hinaus, es selber auszuprobieren ... doch das kostet meist 'nen Fuffi.
rate (0)  |  rate (0)
Avatar Cd-Labs: Radon Project
Cd-Labs: Radon Project
#2 | 20. Apr 2013, 09:33
Schöner Blog, auch wenn ich persönlich gar nicht mal so viel gegen Wertungen habe.

Das Problem ist nur, dass sie einen enormen wirtschaftlichen Einfluss haben! Denn Entwickler bekommen für einen hohen Metascore mehr Geld vom Publisher:
Was pervers klingt, aber leider so ist.
rate (0)  |  rate (0)
Avatar TheVG
TheVG
#3 | 20. Apr 2013, 09:48
Jo, ich bzw. wir von den alten Testschreibern haben uns auch schon oft genug mit den Wertungen und deren Sinn/Unsinn auseinandergesetzt.

Bei GS sehe ich allgemein das Problem, dass sie sich mittlerweile ein Werte- und Wertungssystem angewöhnt haben, das wohl darauf abzielt, zweierlei anzupacken. Bei AAA-Titeln will ich mal behaupten, dass da schon eine Grundwertung drin ist, der Rest hängt davon ab, wie das Spiel sich seinen Status verdient hat. Bei Indie-Titeln wird dann anders gehandelt, da kann es auch gegen Null gehen.

Bei ersteren ist schon oft zu lesen, dass ein Spiel nicht so dolle sein soll, wenn es eine Wertung von, sagen wir mal, 78 % hat. Bei Indietiteln ist das dann plötzlich was sehr respektables. Dann ist nicht nur die Zahl der Wertung doppelt zu bewerten, sondern auch der dazugehörige Text, der dann je nachdem positiv klingt oder auch weniger. Beispielsweise erinnere ich mich an den Dishonored-Test (82 Punkte), bei dem eher die Kritikpunkte im Vordergrund standen, bei FTL dann die 77er-Wertung, in der der Autor geradezu begeistert ist.

Hier wird irgendwie mit zweierlei Maß gemessen, was ich nur so verstehen kann: Je mehr Geld im Spiel hängt, desto mehr wird die Nullgrenze nach oben verschoben. Sehr seltsame Sache.
rate (1)  |  rate (0)
Avatar ChrissiSch
ChrissiSch
#4 | 20. Apr 2013, 11:29
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar Cd-Labs: Radon Project
Cd-Labs: Radon Project
#5 | 20. Apr 2013, 12:08
Zitat von ChrissiSch:
Hier stehen auch immer die selben Opfers in den Blogs. Das einzige was ich kenne, ist die Blockmathematik.

OH MEIN GOTT!
Dieses Troll-Niveau immer...
rate (0)  |  rate (1)
Avatar TheVG
TheVG
#6 | 20. Apr 2013, 13:30
Zitat von Cd-Labs: Radon Project:

OH MEIN GOTT!
Dieses Troll-Niveau immer...


Und das sind auch immer dieselben. Nicht ärgern nur wundern.
rate (0)  |  rate (1)
Avatar HolyHerbert
HolyHerbert
#7 | 20. Apr 2013, 13:51
Zitat von ChrissiSch:
Opfers

Ein Wort kann so viel sagen.... :D
rate (0)  |  rate (0)
Avatar NagusZek
NagusZek
#8 | 20. Apr 2013, 15:16
Das aktuell genutze Wertungssystem wurde damals ja eingeführt um mehr Transparenz zu schaffen. Ich finde das hier mittlerweile genau das Gegenteil der Fall ist. Die Teilwertungen wie Grafik, Bedienbarkeit oder Sound lassen sich sicherlich in einem 10er-System objektiv bewerten. Wenn es dann aber an die Bewertung des Spieles als ganzes geht versagt meiner Meinung nach das aktuelle 100er-System.

Ich verlasse mich da eher auf das Fazit des jeweiligen Redakteurs. Hier fände ich es auch besser wenn jedes Spiel einen Haupttester hat der das jeweilige Spiel durchspielt, den Test schreibt und ein Fazit abgibt wie jetzt auch. Darüberhinaus sollte es pro Spiel 2 weitere Nebentester geben bei denen es ausreicht das sie es nur eine bestimmte Zeit anspielen und auch jeder ein Fazit abgibt.

Ich denke dies alleine würde schon die Tests stark aufwerten weil sich so auch Genrefremde Spieler ein besseres Bild davon machen können ob das Spiel vielleicht was für einen ist.

Ganz verzichten würde ich auf einen optischen Indikator über die Güte eines Spieles aber auch nicht. Ich könnte mir hier gut einen grauen Stern vorstellen. Bei diesem werden dann je nach Qualität des Spiels die Ecken goldfarben ausgefüllt. Ein Durschschnittstitel hätte demnach einen grauen Stern mit 3 goldfarben ausgefüllten Ecken. Ein sehr gutes Spiel dann einen komplett Goldfarbenen. Ein wirklich herausragendes Spiel welches neue Standards setzt könnte man dann ja mit einem blaufarbenen Stern belohnen (Der Gamestarfarbe halt).

Das Problem wäre jedoch das dieses System eben nur bei den Spieletests funktionieren würde. Bei Tests zu Hardware hingegen würde ich lieber das momentane Wertungsmodell sehen da es hier ja wirklich rein auf objektivität und Zahlen ankommt. Ein weiteres Problem beim "Wertungsstern" wäre das eben auch alle bereits getesteten Spiele der Redaktion sowie Leser an dieses neue System angepasst werden müsste. Deser Aufwand wäre bestimmt so enorm das man beim derzeitigen 100er System festhalten müsste.

Hier noch ein Link wie ich mir das mit den Sternen genau vorstelle:

Leerzeichen entfernen - - - - - - - - - - - - ! - - - - - - - - -
http://s1.directupload.net/file/d/3231/uvg uqh2h_jpg.htm
rate (0)  |  rate (0)
Avatar Cr4sh
Cr4sh
#9 | 20. Apr 2013, 15:41
Prinzipiell hast du Recht, aber die Zahlen dienen eben auch zur fixen Kategorisierung. Ein Spiel unter 75 bei GS muss ich schon vom Setting oder den Vorgängern her mögen, um es überhaupt in Erwägung zu ziehen, es mir zuzulegen. So hilft mir ein schneller Blick auf die Zahl, einzuschätzen, ob das Spiel etwas für mich sein könnte, denn ich lese mir längst nicht jeden Test durch, sondern tendenziell nur die zu Spielen, die mich schon vorher beschäftigt haben und interessieren.

Im Punkt Grafik stimme ich dir zu, die ist auch für mich ziemlich unwichtig. Ein schneller Blick auf Screenshots kann einem da aushelfen. Alternativ rechne ich manchmal die Grafikwertung raus und arbeite dann gedanklich mit einer x/90-Skala.
rate (0)  |  rate (0)
Avatar felico
felico
#10 | 22. Apr 2013, 09:08
Sehr schöner Blog!

Ich gehöre zu den wenigen, die sich tatsächlich noch regelmäßig Magazine kaufen und sich fast ausschließlich anhand der Tests ein Bild von neuen Spielen machen.
Dabei ignoriere ich den Zahlenwert am Ende eines Tests mittlerweile aber ziemlich konsequent. In der GameStar z.B. lese ich nur den Text, die Redakteurs-Kritiken und vielleicht noch die Pro-/Kontra-Punkte im Wertungskasten. Auf dieser Grundlage versuche ich mir eine Meinung über das Spiel zu bilden.
Die Online-Tests der GS finde ich aber auch nicht schlecht, da meist mehr Platz für ein Redakteurs-Fazit bleibt. Diese sind natürlich stark von der persönlichen Meinung des Schreibers geprägt, geben mir aber viel mehr als irgendwelche Zahlen, die ohnehin nur Schall und Rauch sind.
rate (0)  |  rate (0)
1

Steckbrief
HolyHerbert
Punkte:658
Rang:Zergling
Club:
Level 10
Besucherzahl:1127
Freunde:3
Spielesammlung:0
angemeldet seit:14.01.2013
zuletzt online:29.10.2013 16:55
Blogs des Users
Alle Jahre wieder...
29.10.2013 | für 13 von 14 interessant
DRM - und jetzt?
14.08.2013 | für 6 von 8 interessant
Digitale Verantwortung
06.08.2013 | für 11 von 12 interessant
Warum Politik so langweilig ist
13.07.2013 | für 14 von 15 interessant
Die Indie-Nostalgie
27.06.2013 | für 12 von 13 interessant
 
Sie sind hier: GameStar > Community > User > HolyHerbert > Blog 
top Top
Werde Fan von GameStar auf FacebookFacebook Aboniere den YouTube-Kanal von GamestarYouTube Besuche Gamestar auf Google+Google+ GameStar auf Twitter folgenTwitter Alle RSS-Feeds von GameStar.deRSS-Feeds Jetzt GameStar-Newsletter bestellenNewsletter
© IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten