Horst_Sergio

(offline)
Donnerknispel!!!  |  Troll   arrow Über mich & Kontakt
16 von 16 Leser fanden diesen Blog interessant

Pure Lebensfreude!

Von Horst_Sergio |

Datum: 04.08.2011 | zuletzt geändert: 03.03.2012, 21:12 Uhr


Wie? Lebensfreude? Was geht? Einer, der sich alle paar Monate zu Wort meldet und nur meckert, bis einem die Eier in der Hose platzen, will etwas von Lebensfreude erzählen? Von Spaß? Kein Geschimpfe? Kein zynisches Geschwalle? Nun, ich will es jedenfalls einmal versuchen.

Doch ganz unkritisch am Hobby "Computer- und Videopiele" bleibt dieser Blog dennoch nicht, obwohl der Eintrag nicht einmal direkt mit Spielen zu tun hat. Ooooohhhh, wie schade! Wieder mal muss ein anderes Medium her, um mir ein Gefühl zu geben, dass ich beim Zocken einfach nicht empfinden kann. Klar, einem Spiel wohnt man im Endeffekt auch nur bei. Es ist nunmal ein eher totes Unterfangen, bei dem eher Reflexe und sonstdergleichen gefordert werden. Und wenn ein Game dann doch Emotionen auslöst, dann weitgehend eher Negative. Stress, Hektik, Angst, Paranoia, Entsetzen, Klaustrophobie und vielleicht sogar auch so etwas wie Wut und Aggression. Die wirklich, wirklich schönen Dinge vermitteln Spiele einfach nicht. Die muss man schon noch selbst ganz ungetrübt erleben. Immerhin sind Gefühle wie Glück und Spaß rein subjektiver Natur, während Urängste, die in Spielen abgerufen werden, irgendwo in jedem schlummern. Ist eben lediglich die Frage, wie ausgeprägt diese jeder wahrnimmt. Aber das ist ein Thema, das ich mit meinem selbstgemalten Psychologen Diplom nicht zu klären imstande bin. Das sollen doch lieber andere übernehmen.

Jedenfalls hatte ich am vergangenen Wochenende nach langer, langer Zeit mal wieder ein solches Erlebnis der absoluten Lebensfreude erfahren dürfen. Das Headbangers Open Air bei Hamburg stand auf dem Plan. Da ich nun seit letztem Jahr eisern beschlossen habe diese ganzen Großveranstaltungen wie das gerade jetzt wieder stattfindende Wacken Open Air auszuklammern und seinen profitgeifernden Größenwahn nicht mehr zu unterstützen, kam mir eine Party mit 1500 bis 2000 weiteren langhaarigen Bombenlegern echt gelegen, um einfach mal wieder dem Alltag zu entfliehen und einfach nur eine super Zeit zu haben. Ich weiß nicht, wann ich einen entspannteren und so vitalisierenden Urlaub erlebte, wie jenes Festival vor ein paar Tagen und das trotz Dauerparty, Saufgelagen, schlechtem, also ungesundem Fraß vom Grill, viel zuviel Zichtenqualm, sehr wechselhaftem Wetter und ungebrochener Ohrendröhnung. Vielleicht war es tatsächlich sogar die Mischung aus alledem. Einfach mal wieder raus kommen, ein paar geile Bands in herrlich gemütlichem Ambiente (das Festival findet im Garten eines mittelgroßen Bauernhofs statt) anschauen und einfach mal den grauen Alltagsrotz um sich vergessen. Über alle Stränge zu schlagen, nicht an ein Morgen denken zu müssen und sich einfach nur gehen lassen - zu schön die Vorstellung. Dank großartiger Gigs von Praying Mantis, Metal Inquisitor, Fates Warning oder auch Tierra Santa war das auch absolut möglich.

Ein Stückweit muss ich auch zugeben, lag es durchaus an der Art der Musik. Old School Heavy Metal - man glaubt ja gar nicht, wie viel positive Energie sich in dieser Musik verbirgt, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Klar, ich habe schon viele geile Konzerte gesehen, in den letzten Jahren allerdings vermehrt im Death Metal und Grindcore Lager. Vielleicht werde ich langsam tatsächlich zu alt für konsequenten Krach. Gut, wer sich mit der Mucke nun überhaupt nicht auskennt, der wird die Unterschiede auch nicht (er-) kennen. Das kann man keinem vorwerfen. Für mich klingt Hip Hop schließlich auch immer gleich. Jeder Electronic oder Techno Song hört sich für mich an wie meine Waschmaschine. Ich meine das nicht argwöhnisch, sondern sage es einfach nur, weil ich mich mit der Musik nicht auskenne, sie mich aber auch nicht begeistert. Für diejenigen, die es also nicht wissen: Death Metal ist das, wo das Krümelmonster singt und immer schnell gerattert wird, wohingegen normaler Heavy Metal auch ruhig mal ruhig und melodisch sein kann. Bestes Beispiel waren auf dem Headbangers eben Fates Warning, die mit Ray Alder einen der besten Sänger überhaupt haben, dementsprechend wunderschöne Klangepen aus ihrer Prog Metal Phase spielten, bei denen lediglich die Größe der Bühne nicht mit dem Niveau einer Band wie Pink Floyd konkurrieren konnte. Ebenso Tierra Santa. Iron Maiden auf spanisch - diese feurigen Kracher packten einen einfach. Jedenfalls war ich nicht der Einzige, der mit einem freudigen Lächeln im Gesicht nicht gegen den inneren "Ich tanze nicht"-Schweinehund ankämpfen konnte. Bei Praying Mantis hingegen musste ich mir so einige Tränen verkneifen. Es war einfach nur umwerfend schön, was die Band an super melodischen Gitarrenleads in die viel zu kleine Menge schickte.

Insgesamt war das Headbangers einfach ein Highlight und ich bin froh, wieder dort gewesen zu sein und freue mich natürlich schon jetzt auf die kommenden Ausgaben. Es war einfach ein Happening, das auch die größtmögliche Sexorgie mit den schärfsten Mädels der Welt in Vergessenheit geraten lassen könnte. Es braucht also manchmal einfach keinen Traumurlaub, um glücklich zu sein. Vielmehr hätte nach dem letzten Konzert auch nahtlos die Ewigkeit einsetzen können. Ich hätte es nicht als zu schlimm empfunden. Wichtig ist in der Tat doch nur - und das habe ich nach langer Zeit mal wieder für mich selbst neu entdeckt - dass man in gegebenen Abständen einfach mal das durchziehen muss, was man machen möchte. Und dass man eben nicht Tag für Tag nur vor dieser eckigen Brummkiste versauert, sondern einfach mal in sich hineinhorcht und dem inneren Ruf folgt. Es macht einen tatsächlich glücklich .... selbst wenn einen dieser Ruf vielleicht nur auf die Toilette geleitet, oder auch auf eine Party mit knapp 2000 Leuten, die genauso bescheuerte Musikliebhaber sind, wie man selbst.

Wie auch immer, es war ein absolut lohnendes Festival und endlich auch mal wieder eines, das mir ohne jegliche Einbuße Spaß bereitete. Soviel Spaß, dass ich das Gefühl habe, meine Energiezellen wurden mit ausreichend Energie geladen, um das kommende Jahr bis zur nächsten, lautesten Gartenparty der Welt mit abstumpfenden und nervenzehrenden Spielen zu überbrücken. Hell fuckin YEAH!

16 von 16 Leser fanden diesen Blog interessant

Beitrag bewerten

War dieser Blog für Sie interessant? Ja Nein

Diesen Artikel:   Kommentieren (8) | Drucken | E-Mail | Weitersagen
FACEBOOK:
TWITTER:
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
1
Avatar Multiplattformer72
Multiplattformer72
#1 | 04. Aug 2011, 15:40
Pommesgabel in the air and,...keep on rocking! ;)

"bang that head that doesn't bang", wie es schon Metallica dereinst so schön ausdrückten.
rate (1)  |  rate (0)
Avatar Lemu54
Lemu54
#2 | 15. Aug 2011, 21:42
Wunderbarer Eintrag! *vonganzemHerzenthumbupgeb*

Zum zweiten Abschnitt hätte ich aber noch ein fundamentales Contra - hier mal nur zwei Stichpunkte:
Natürlich vermitteln Spiel positive Emotionen! Würden sie das nicht tun, wäre auf der Stelle auf der Suche nach einem anderen Hobby...
Und: Wieso gestehst du positiven Emotionen "nur" eine subjektive Existenz zu? Schlummern Erstaunen, Spaß und Freude nicht auch irgendwo in jedem?

Worauf wir uns dennoch einigen können: Musik hat das Potential, ganz schnell und unvermittelt an unsere Emotionen heranzukommen - wahrscheinlich auch mit direkterem Zugang als Spiele ihn haben.
rate (0)  |  rate (0)
Avatar Horst_Sergio
Horst_Sergio
#3 | 17. Aug 2011, 23:38
@Lemu54: Natürlich machen Spiele Spaß, aber nicht nachhaltig. Es ist ein temporäres Gefühl, das allerdings an nichts Echtes heranreicht. Wie gesagt: Man wohnt dem Ganzen halt eher bei. Und ich denke, man wird dauerhaft kein glücklicherer Mensch, nur weil man irgendein Spiel mit positiver Atmosphäre gespielt hat (wobei ich auch finde, dass eine solche Atmosphäre eher selten zu finden ist). Ängste, die in Spielen angesprochen werden, können sich dennoch nachhaltig auch in der Realität wiederspiegeln, auch wenn es lediglich Hirngespinnste sein mögen. Jeder kennt es vielleicht, dass er nach irgendeinem düsteren Spiel oder Film etwas hibbelig nach dem Lichtschalter sucht. (Dead Space nur als Beispiel)

Die Sache mit der Subjektivität des Spaßes und des Glücks liegt auf der Hand: Jeder nimmt schöne Dinge anders wahr und jeder wird durch andere Dinge berührt. Die Ursachen variieren und man kann dabei einfach kein Maß nehmen. Für den einen ist es zum Beispiel das Größte mit ner schönen Frau zu schlafen, für den nächsten am Strand zu hocken und den Sonnenuntergang anzuschauen, andere erzählen sich lautschallend Stammtischwitze und wieder andere stehen besoffen auf nem Festival und ringen mit Heulkrämpfen weil die Musik einfach monumental ist. Jeder hat da ganz andere Vorlieben und Neigungen und das macht es letztlich auch aus, weshalb sich der Mensch ein Individuum nennt. ;)

Warum das bei Musik einfacher klappt, als bei Spielen oder Filmen, das liegt am fehlenden Bild. Wie beim Lesen eines Buchs, kann man sich das passende Bild selbst ausmalen. Und das ist natürlich wieder auf jeden einzelnen zugeschnittener, als eine visuelle Vorgabe, mit der man sich arrangieren bzw. in die man sich selbst hineininterpretieren muss.
rate (1)  |  rate (0)
Avatar Lemu54
Lemu54
#4 | 15. Sep 2011, 00:02
Schön geschrieben, doch bin ich nicht überzeugt.

Wenn ich in einem Game was Schönes erlebe, wirkt sich das genauso auf meine Realität aus, wie wenn ich hinterher anfange, nach dem Lichtschalter zu tasten: Mein Tag wird besser, ich kann vielleicht sogar positiver auf meine Umwelt reagieren.
Oder denke nur einmal an die ganzen Erinnerungen, die erst langrfristig an Wert gewinnen. Hingegen will ich nicht hoffen, dass irgendein Spieler Monate nach Dead Space mit schwerwiegenden Traumata herumläuft.
Allerdings sind die Spiele mit diesen positiven Möglichkeiten wohl tatsächlich in der Minderheit - doch es gibt sie. [Da fällt mir ein, ich muss noch einen Blog zu Ende schreiben...]

Auch bei der Subjektivität bleibe ich hartnäckig: Genau wie bei der Freude können je nach Individuum ganz unterschiedliche Dinge Angst auslösen. Man denke nur mal an das weibliche Geschlecht und seine völlig irrationale Furcht vor dem mikroskopischsten Krabbelgetier.

Das mit der Musik hatte ich so noch gar nicht gesehen... Interessante Theorie!


Wenn ich aber gerade ein zweites Mal drüber nachdenke: Können Computerspiele vielleicht wirklich nicht das leisten, was mir ein "reales" Hobby bringen könnte? Zeit mit Freunden verbringen, ein Gesellschaftsspiel spielen etc...

Oder eben ein Festival besuchen. :]
rate (1)  |  rate (0)
Avatar Horst_Sergio
Horst_Sergio
#5 | 19. Sep 2011, 04:10
@Lemu54: Oh, grad erst jetzt deinen Kommentar gelesen. Ähm, ich erlebe es bei Spielen eher in einer Art - wie soll ich sagen - Kontrast triffts vielleicht. Und ein wenig trifft sicherlich auch die Abgestumpftheit zu. Ich hab immer das Gefühl, dass, wenn ein Game positive Dinge aufzeigt (Storyelemente), sich diese vom Charakter, den man spielt, eher weg entwickeln. Im Aufbauspiel tauchen Probleme auf, Helden in Actionspielen verlieren andauernd ihre Freunde oder Familien, NPCs in Rollenspielen belagern dich, damit du ihren Müll aus der Welt schaffst, usw. Dazu kommt, dass am Ende oft eher wenig befriedigende Situationen aufkommen.

Vielleicht liegts aber auch an der Art der Spiele, die ich bevorzuge. Kann durchaus sein. Andererseits spiele ich halt schon seit den Achtzigern. Ich bin daher eher auf Gameplay fixiert, als auf die Auslegung einer Story.

Doch selbst mechanisch wirken sich positive Dinge des Spiels nicht unbedingt positiv auf mich aus. Aber das kann natürlich auch an mir liegen und soll keine Verallgemeinerung sein. Mit mechanischen Dingen meine ich das Erreichen eines Spielziels, das Finden besonderer Items oder das Leveln in nem RPG; ebenso wie Herrn Bowser in Welt 8-4 in die Lava zu schubsen, nur um zu erfahren, dass die doofe Prinzessin doch woanders rumhockt. Anfangs mag sowas alles echt noch nett sein, aber später sehe ich nur die "Arbeit", die man reinstecken muss, um zum Beispiel den Levelaufstieg zu erreichen und nicht die Genugtuung, wenn dieser tatsächlich erreicht ist. Besonders glücklich macht mich das jedenfalls nicht unbedingt, weil ich mitunter einfach nicht um das Gefühl herumkomme, wertvolle Zeit zu verplempern.

Sicherlich sind Games ein reales Hobby, das man alleine wie auch mit Freunden zusammen erleben und genießen kann. Würde ich das abstreiten, dann dürfte ich nicht behaupten, dass ich schon so ewig lange an Nintendos Keksdose festhänge oder diversen anderen vorsintflutlichen Plattformen bis hin zu nem PC, der vor eins, zwei Jahren noch als High End durchging. Dennoch habe ich seit etwa 10 bis 15 Jahren nicht mehr dieses Gefühl, dass ich wirklich was erreicht habe, wenn ich ein Spiel gespielt hab. Die Intensität anderer Hobbies und Erlebnisse erreicht ein Spiel dann doch eher nicht. Aber es sorgt für Ausgezehrtheit (was durchaus ein Zeichen meines Alters sein könnte).

Hingegen bei der Musik erlebe ich es immer wieder, dass ich einen Song oder ein Album höre, bei dem ich ganz unvoreingenommen einfach mitfiebere. Zuletzt geschehen bei "Eclipse" von Journey. Ein wunderbares Stück Rockmusik von Anfang bis Ende, das mich dazu bringt, tatsächlich die Botten an die Füße zu schnüren und lächelnd vor die Tür zu stratzen. Aber wie gesagt: Jeder empfindet diese Dinge anders. ;)
rate (1)  |  rate (0)
Avatar Lemu54
Lemu54
#6 | 20. Sep 2011, 17:31
Dieser ehrlichen Selbstreflexion kann und ich will ich nichts mehr hinzufügen. :)


Außer vielleicht: Aah, ich will nicht älter werden! Ich hab ja jetzt schon kaum noch Zeit zum Spielen, und wenn's dann auch noch immer weniger Spaß macht...
rate (2)  |  rate (0)
Avatar Horst_Sergio
Horst_Sergio
#7 | 20. Sep 2011, 20:20
Nur nicht verzagen, und nimm es so lange mit, wie es Spaß macht. Später kann man sich dann immer noch anders orientieren. Das ist ja auch wieder das schöne an einem Hobby - man kann es haben, man muss aber nicht. ;)
rate (1)  |  rate (0)
Avatar Pitti Platsch
Pitti Platsch
#8 | 03. Mrz 2012, 20:54
"Death Metal ist das, wo das Krümelmonster singt und immer schnell gerattert wird"
kommt in meine Sprüchesammlung, ich bin so frei ;-)
rate (0)  |  rate (0)
1

Steckbrief
Horst_Sergio
Punkte:11585
Rang:Hellhound
Club:Hard 'n' Heavy
Level 35
Besucherzahl:3065
Freunde:30
Spielesammlung:122
angemeldet seit:30.10.2008
zuletzt online:17.09.2012 14:30
Blogs des Users
Der Stumpfsinn nimmt kein Ende
30.01.2012 | für 55 von 58 interessant
Community-Kopierschutz hat versagt
22.01.2012 | für 23 von 24 interessant
Spielesoundtracks mal anders!
17.10.2011 | für 8 von 11 interessant
AAAAAHHHHHHHHHH!
18.09.2011 | für 32 von 33 interessant
Pure Lebensfreude!
04.08.2011 | für 16 von 16 interessant
 
Sie sind hier: GameStar > Community > User > Horst_Sergio > Blog 
top Top
Werde Fan von GameStar auf FacebookFacebook Aboniere den YouTube-Kanal von GamestarYouTube Besuche Gamestar auf Google+Google+ GameStar auf Twitter folgenTwitter Alle RSS-Feeds von GameStar.deRSS-Feeds Jetzt GameStar-Newsletter bestellenNewsletter
© IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten