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Spielesoundtracks mal anders!

Von Horst_Sergio |

Datum: 17.10.2011 | zuletzt geändert: 08.11.2011, 20:17 Uhr


Liebe Zockerfreunde, ich möchte nicht bezwecken, dass dieser Blogeintrag als reine Werbung für ein Produkt angesehen wird, obwohl er das im Kern ja doch ist. Tatsache ist aber, dass ich auch auf anderen Seiten im nicht gerade kleinen Internet als Autor tätig bin. So auch auf einer Musikseite. Dort bekam ich letztens Post von dem kleinen und jungen Label Metavania Music aus den USA. Inhalt war die Bitte um ein Review der aktuellen CD der Band Vomitron. Warum ich dieses Review auch hier poste, liegt einfach daran, dass ich denke, diese Musik dürfte auch anderen Spielern und nicht vorrangig nur Heavy Metal Fans gefallen. Ich möchte euch also aus freien Stücken informieren und tue dies nicht etwa, weil ich persönlich etwas davon hätte.

Ungeachet der Tatsache, dass es sich hier um ein CD Review handelt, muss ich im Vorfeld schon etwas weiter ausholen, da sich mit der vorliegenden Scheibe auch ein musikalisches Subgenre eröffnet, das in unseren Breitengraden so gut wie noch gar nicht präsent zu sein scheint, und wenn, dann eher nur durch neue Medien auf sich aufmerksam macht. Denn, eine Plattform wie Youtube kann Künstler oder auch Bands bereits dann schon zum Kult erheben, auch wenn in der eigentlichen Musikszene noch niemand Notiz von ihrem Schaffen und Bestehen genommen hat. Das weltgrößte Videoportal ist mittlerweile weit mehr als nur eine Seite, auf der Clips zum Thema "Schulhofkloppe" oder "lustige Pannen bei sportlichen Großveranstaltungen" hochgeladen werden. Man kann es ebenso als eine etwaige Kreuzung aus Leihbücherei und Tape-Kopierstation betrachten. Jede noch so kleine Band, die irgendwann mal ein Demo veröffentlicht hat, wird mittlerweile (auch dank schwammiger Urheberrechtsgesetze) von den Usern auf Youtube mit eigenen Clips bedacht. Zum Reinhören und Recherchieren durchaus eine nette Angelegenheit für jedermann.

Welch enormen Anteil solche Seiten wie Youtube oder auch Infoportale und Profilseiten wie Myspace am Wert einzelner Interpreten haben, zeigte sich bereits auch in der Modern Metal oder Deathcore Szene. Bands wie Carnifex oder Suicide Silence schöpften ihren heutigen Ruhm doch eher durch die vereinfachten Präsentationsmöglichkeiten, die das Internet für sie parat hielt, anstatt durch die lange und harte Schule der traditionellen Durchsetzung am Markt gehen zu müssen, die da heißt: Promoarbeit, Promoarbeit, Promoarbeit! Es ist prinzipiell nicht mehr wichtig, Deals mit renommierten Labels zu erhaschen, den Hype durch einschlägige Fachzeitschriften zu erfahren, tausende von Gigs zu spielen oder generell eine übergeordnete Qualität zu liefern, um aus der Masse an Undergroundbands herauszustechen. Das Internet macht es Bands und Künstlern also deutlich einfacher, den Hörer und potenziellen Käufer zu finden und in kürzerer Zeit viel professioneller zu agieren. Und somit steigt natürlich auch die Motivation der Musiker und Bands, überhaupt tätig zu werden.

Warum jetzt aber dieses Vorgeplänkel? Nun, gerade auf Youtube zeigt sich seit einigen Jahren ein musikalischer Trend, der ebenso verschiedene neumodern bezeichnete "Communities" miteinander verbindet: Videospieler und Musikhörer. Mit Bands wie Machinae Supremacy (die zwischen Eigenkompositionen diverse Klassiker aus der C64 Ära auf Originalhardware in ihren grundlegend metallischen Sound einfügen) dürfte es wohl begonnen haben. Noch weiter zurückgegriffen war es anscheinend die spielerisch mehr als nur gestörte Truppe Mr. Bungle - die ohnehin schon enorm kultig ist - und mit Coverversionen der "Super Mario" und "Star Wars" Themes im Crossover-Big Band Sound den Vogel abgeschossen hatte. Weniger wichtig ist allerdings, wer es tatsächlich erfunden hat, alte Spielesoundtracks in neuem Gewand zu covern, sondern vielmehr entscheidend bleibt doch die Tatsache, dass es die Interpreten wirklich mit viel Herzblut und musikalischem Verständnis schaffen, aus knarzigen "Midi-Spuren" hochkomplexe Arrangements entstehen zu lassen, welche die Stimmung der alten Spielesoundtracks einfangen, musikalisch dennoch für jeden ernstzunehmend wirken.

Erstaunt hatte mich jedenfalls schon einmal der wuchtige Gitarrensound von Chris Kline aka Vertexguy, als ich das erste Mal seine Version des "Contra Jungle Jam"-Themes auf Youtube hörte. Nicht nur, dass jenes Spiel einer der ganz großen Klassiker der Nintendo 8-Bit Ära darstellt, der auch heute noch verflucht viele Anhänger hat (in Deutschland nach Indizierungen und einigen inhaltlichen Anpassungen allerdings nicht unter dem Namen Contra, sondern als Probotector veröffentlicht wurde). Ähnlich wie in der Filmwelt kann man natürlich auch stellvertretend für Spiele ganz klar sagen, dass sie nur halb soviel wert wären, würden sie ohne Musik daherkommen! Und manche davon offenbaren regelrechte Hymnen, die auch den Dekaden und technischen Neuerungen trotzen und somit allzeit frisch wirken. Ein Beispiel findet sich im Schaffen eines Komponisten wie Chris Hülsbeck wieder. Das Synthesizer-Genie schrieb unter anderem die Soundtracks zu C64 Klassikern wie "Turrican" oder "Giana Sisters". Spiele, die bereits in den Achtzigern veröffentlicht wurden. Dass diese Soundtracks in unterschiedlichsten Formen und auf verschiedensten musikalischen Feldern funktionieren, bestätigte die Veröffentlichung einer Symphonieorchesteraufführung des WDR im letzten Jahr. Die Soundtracks von Hülsbeck wurden hier mehr als nur episch ausgewalzt, die erhabene Atmosphäre blieb allerdings bestehen.

In Japan gibt es dieses Phänomen schon seit Jahren. Big Bands, Orchestren und selbst Pop Rock Künstler treten mit Programmen bestehend aus Klassikern der bekannten Nintendo Spiele auf. Arrangierte Soundtracks zu Spielen wie "Final Fantasy", "Double Dragon" oder "Castlevania" werden als CDs zu horrenden Preisen gehandelt, aber es gibt sie. Wen es interessiert, der sollte strikt nach Vertonungen unter dem Banner Konami Kukeia Club suchen. Hier treffen von Pop bis hin zu Metal alle möglichen Stile aufeinander und unterstreichen den klanglichen Wert der Originalkompositionen mit viel Phantasie wie auch Power.

In Deutschland lief dieses Thema bislang weitgehend an den Musikhörern vorbei. Bestenfalls Spieler mit musikalischen Neigungen machten sich Gedanken, wie diese Soundtracks denn auch als Rockversionen mit echten Gitarren und harten Drums klingen könnten. Immerhin tat der normale Musikhörer solche Soundtracks oft nur als Beiwerk zu dem ab, womit Spiele bis vor einigen Jahren regelrecht degradiert wurden: Kinderkram. In den USA erfreut sich dieses Thema mittlerweile einem stärkeren Interesse. So gibt es diverse Bands, die ihren Sound mit den traditionellen Kompositionen paaren. Metroid Metal ist so eine Band, die es richtig gut versteht, die Musik des Spiels "Metroid" in eine doomige Stonerversion zu verfrachten. Der bereits erwähnte Chris Kline beeindruckt hingegen mit spieltechnischen Skills und balkendicken Gitarrensounds.


"No NES For The Wicked"

Auch Vomitron steht dem in nichts nach. Das Projekt ist das Kind von Peter Rutcho, der einigen Metalheads als Keyboarder der US Power Metaller Armory bekannt sein dürfte und auf "No NES For The Wicked" seine Interpretationen verschiedener alter Nintendo Games im Alleingang zu einer hervorragenden Rockoper zurechtschnürt. Wobei Rockoper ist eigentlich das falsche Wort. Das Betätigungsfeld erstreckt sich von klassischem Heavy Metal über Symphonic Power Metal und je nach gecovertem Soundtrack ebenso mal mehr, mal weniger progressiven Tendenzen, mal auch mit Thrash Metal Einschüben mal auch mit Black und Death Metal Parts. Um es dem Metalhead verständlicher zu machen, wie "No NES For The Wicked" denn im Ganzen klingt: Symphony X, vielleicht auch Dream Theater oder gar Neal Morse, allerdings ohne Gesang! Brettharte Drums und geballte Riffpower stehen in gleichberechtigtem Einklang mit Keyboardteppichen, die sich passend in die Kompositionen einfügen. Rutcho klatscht allerdings nicht einfach nur die einzelnen Themes aneinander, die ursprünglich mitunter nicht mal mehr als 30 Sekunden dauernde Midi-Schleifen sind, sondern arrangiert aus den Soundfetzen der Games großräumige Medleys, die wunderbar anzuhören sind und die wichtigsten Elemente der einzelnen Spiele beinhalten.

"Contra" ist mittlerweile natürlich eine Art "Pflichtübung", die als achtminütiger Opener allerdings nochmal mehr Power offenbart, als die nur knapp dreiminütige Version von Chris Kline. Vor allem ist es beachtlich, wieviele klassische Riffs sich hier wiederfinden, die auch den Götteralben solcher Bands wie Metallica, Priest oder Maiden durchaus nicht schlecht zu Gesicht gestanden hätten. Weitere bekannte Games wie "The Legend Of Zelda", "Castlevania", "Double Dragon" und "Zelda 2: The Adventure Of Link" laden als traumhaft schöne Metal-Epen dazu ein, auf eine perfekt arrangierte Zeitreise zu gehen. Vor allem "The Legend Of Zelda" und "Castlevania" liefern einen schier unendlichen Fundus an musikalischer Größe, welche einfach wunderbar im progressiven Hard 'n Heavy Gewand funktioniert. Gerade "Castlevania" beeindruckt auch nach gefühlten hundert Jahren immer wieder mit Themes wie "Vampire Killer", das natürlich auch von Vomitron verwendet wird, oder in späteren Ablegern mit Klassikern wie "Silence Of Daylight" und "Blood And Tears" aus "Castlevania 2", "Beginning" aus "Castlevania 3" oder "Theme Of Simon" und "In The Castle" aus "Super Castlevania" (hiermit nur ein kleiner Wink für zukünftige Umsetzungen). Auch das "Blaster Master" Medley ist durchaus gelungen; ebenso wie auch die klassische "Ninja Gaiden" Trilogie ist das Spiel hierzulande seinerzeit allerdings stark untergegangen, was kein Qualitätsmerkmal der Spiele selbst ist, sondern sich ganz klassisch auf die Unterschiede im Spielverhalten der verschiedenen Märkte zurückzuführen lässt. Aber diese Abhandlung würde nun doch ein wenig weit führen. Zusammengehalten werden die teils überlangen Soundwälle der Ingamemedleys von den beschwingten Themes aus dem Klötzchenklassiker "Tetris".

Vomitron legt mit "No NES For The Wicked" sicherlich keinen Discofähigen Partykracher vor. Das Segment der Spielemusik ist auch im metallischen Anstrich sicherlich nicht unbedingt massenkompatibel, aber es macht einfach Spaß zu lauschen, wie unbekümmert einerseits und andererseits dennoch ehrwürdig Peter Rutcho mit den Kompositionen umspringt und diese in sein Soundgewand einflechtet. Wer die alten Spiele kennt, darf hier in purer Nostalgie schwelgen. Wen die Games hingegen schon immer kalt ließen, aber von hymnenhaftem Prog Metal gepackt wird und gerne Klangwelten auslotet, der sollte "No NES For The Wicked" ruhig einmal antesten. Ob nun Metaller oder nicht Metaller, Gamer oder nicht Gamer - mit diesem Album dürfte sich jedem ein herrlich bunter Reigen großartiger Melodiefragmente offenbaren. Und das Ganze eingewickelt in ein äußerst schmackhaftes Cover. Schon schick, welch erotischen Charme ein altes Gamepad inne haben kann. Das einzige, was mir jetzt noch fehlt, sind weitere Kracher von dieser Güte. In diesem Sinne, ein absolut geniales Teil und wie man in Internetkreisen sagt: MOAR PLOX!!!111 :D

Falls euch dies nun interessiert schaut auf www.vomitron.com einfach mal bei der Band vorbei oder hört bei Youtube oder Myspace rein. Danke für eure Zeit und viel Spaß beim Lauschen!

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Avatar DoomDreamer
DoomDreamer
#1 | 18. Okt 2011, 11:19
Ich hör grad über Youtube ein wenig rein. Sehr gut klingt schon mal Castlevania :)
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