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Enttäuschungen... die gar nicht schlecht sind

Von Richard S. |

Datum: 09.04.2013 | zuletzt geändert: 25.04.2013, 19:58 Uhr


Die Überschrift klingt komisch, ist mir klar. Worum es hier geht, sind Spiele, die als Enttäuschungen gelten. Weil sie Erwartungen eben nicht erreicht haben. Erwartungen, die entweder durch Vorgänger oder durch Entwicklerversprechen (oder Beides) zu hoch gepusht wurden. ABER: Blendet man diese Erwartungen aus, bleiben bei manchen dieser Enttäuschungen richtig gute Spiele übrig.

Sehen wir uns mal Dragon Age: Origins an. Das erste Spiel war großartig, tolle Handlung, jede Menge Freiheit, ein Hauch von Epik. Die Erwartungen an mögliche Nachfolger? Groß.
Dann kam Dragon Age: Origins - Awakening (ziemlich langer Name). Die Handlung war nicht ganz durchdacht, die Freiheit gabs noch immer, wenn auch in kleinerem Maße, die Epik hatte sich fast völlig verabschiedet - für viele eine Enttäuschung.
Und dann Dragon Age 2. Keine freie Völkerwahl mehr, keine Origins mehr, die Handlung episodenhaft zerstückelt, keine echten Wendungen, ganz zum Schluss hin die einzige Überraschung, die Freiheit ganz gelöscht, die Epik lugte ab und zu noch hinter ner Ecke hervor (vom 'abwechslunsgreichen' Leveldesign ganz zu schweigen). Noch eine größere Enttäuschung.

ABER: Man sehe sich Awakening ganz für sich an. DIe Handlung war durchaus interessant, die Freiheit war ja noch da, und ein Hauch von Epik wehte auch durch Vigils Wacht.Natürlich, die neuen Charaktere reichten nicht mal ansatzweise an die aus dem Hauptspiel heran, und wer einen gewissen Dragon Age-Roman nicht gelesen hatte, wusste mit dem Architekten und besonders mit der komischen Utha nicht viel anzufangen. Aber für sich allein betrachtet, war Awakening eigentlich gar nicht mal schlecht.

Und dann sehe man sich Dragon Age 2 ganz für sich alleine an. Die Rahmenhandlung gabs in Spielen in dieser Form bisher nicht, die Fokussierung auf einen Menschen erlaubte es, ihm eine wirklich einflussnehmende Familie zu geben, die Überraschung zum Ende ließ das Spiel noch einmal Fahrt aufnehmen, und die Epik machte ab und zu auch in Kirkwall Halt. Im direkten Vergleich mit Origins zwar eher schwach, für sich genommen aber ein durchaus gutes Spiel, mit dem man viel Spaß haben konnte - wenn man es nicht wirklich als Fortsetzung betrachtet.

Ich will hier keine Publisher/Entwickler verteidigen, ich will nicht sagen, "Sind eigentlich gute Spiele... also hört auf zu heulen."

Ich will nur ausdrücken, dass man manchen Enttäuschungen durchaus etwas positives abgewinnen kann - wenn man sie etwas differenzierter betrachtet.

Kommen wir nun zur Mass Effect-Reihe.
ME1: Anfang spannend, Handlung grandios, Nebenquests bescheiden, Charaktere gut, Ende einfach toll.
ME2: Anfang enorm gut inszeniert, Handlung grandios, Nebenquests herausragend, Charaktere so gut, dass ich mich in einen verknallte, das Ende... das Ende... mir fehlen die Worte... das beste Ende überhaupt.
Die Erwartungen an ME3 waren also enorm. Das wurde durch Entwicklerversprechen ala "Alle Entscheidungen haben enorme Auswirkungen!" und "Sechzehn verschiedene Enden!" noch verstärkt. Dann kam die Ernüchterung.
ME3: Anfang spannend, Handlung... Entscheidungen wirkten sich nicht aus... insgesamt auch schwächer, Nebenquests fast ausschließlich stumpfe Ballereien, Charaktere... die aus den Vorgängern noch immer sehr gut... die neuen (was EDIs 'Körper' einschließt)... eher flach, und das Ende... nur drei statt sechzehn... die sich fast ausschließlich durch FARBEN unterschieden... und dazu drei Fixpunkte am Ende, die einfach blöd waren:
1. Shep stirbt.
2. Die Massenportale werden vernichtet.
3. Die Normandy strandet auf unbekannter Welt. (By the way, bin ich der Einzige, den diese unbekannte Welt stark an Aiea aus dem Vorgänger erinnert? Der Planet mit Jacobs Loyalitätsmission?)
Das ließ viele nach dem Durchspielen von ME3 ziemlich wütend zurück. Wer die Credits aufmerksam las, bemerkte zudem, dass die von Anfang an auf eine Trilogie ausgelegte Handlung im dritten Teil nicht mehr (wie bei ME1) zumindest teilweise oder (wie bei ME2) größtenteils von Drew Karpyshyn, sondern fast ausschließlich von Mac Walters geschrieben wurde. Als hätte man Star Wars nach Episode II an JM Straczyniski übergeben... hm... ich schweife ab...

Jedenfalls, ME3 enttäuschte viele. Betrachtet man es aber ganz für sich alleine, ist es ein actionreicher Shooter mit RPG-Elementen, dessen Handlung mit CoD und Co den Boden aufwischt. Mit dem Ende selber würde ich keinen Boden aufwischen, das wäre schade um den Boden aber... ich schweife wieder ab.
Für sich betrachtet ist ME3 kein schlechtes Spiel, nur die hohen Erwartungen lassen es für viele so aussehen (Erwartungen, für deren Erfüllung man ein wenig mehr hätte tun können, aber dennoch).

Um zur Kernaussage dieses Blogs zurück zu kommen, Enttäuschngen sind zwar IMMER Enttäuschungen, egal, wie man es dreht und wendet, aber wenn man sich etwas distanziert und den Spielen zugesteht, dass sie für sich alleine genommen gar nicht mal so schlecht sind, kann man auch diese Enttäuschungen positiv sehen.

Zumindest ein bisschen.

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Avatar Cyrotek
Cyrotek
#1 | 09. Apr 2013, 22:29
Die Spiele, die du aufzählst, sind hauptsächlich Hype-Opfer.
Hätten diese einen anderen Namen und Entwicklerstudio wären sie vermutlich in wesentlich besserer Erinnerung geblieben ... und hätten sich wesentlich schlechter verkauft.
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Avatar Dreamwalker
Dreamwalker
#2 | 10. Apr 2013, 10:41
Enttäuschungen liegen auch immer im Auge des Betrachters. Ich persönlich zähle Mass Effect grösseren Wert zu als Star Wars. Keine Serie fesselte und fesselt mich immer noch so sehr wie Mass Effect daran werden auch tausende negative Stimmen nichts ändern. Anderes Beispiel wäre Bulletstorm. Gab praktisch keine negativen Aspekte der Com gegen das Spiel. Aber aus Sicht von EA war es eine Enttäuschung, weil es sich viel zu wenige gekauft haben.
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Avatar docobvious
docobvious
#3 | 10. Apr 2013, 12:36
Trotz Kritik gibt es von mir einen grünen Daumen.
Den Ansatz, Spiele möglicht ohne unnötige Metadaten zu beurteilen finde ich total gut. Aus meiner Sicht völlig unproblematisch ist das bei Neuauflagen. Spiele wie Simcity zum Beispiel. Die einzelnen Teile haben inhaltlich keinerlei Verbindung untereinander. Sobald aber ein Entwickler den Erfolg einer Geschichte weiterführen möchte gelten für ihn strengere Bedingungen. Der Entwickler versucht sein finanzielles Risiko durch die Fortsetzung einer erfolgreichen Spielereihe zu minimieren, deshalb entlasse ich ihn auf gar keinen Fall aus der Verantwort eine mindestens genauso, wenn nicht so gar bessere Leistung abliefern zu MÜSSEN. Oft sind die Plots in den Erstlingswerken recht offen gestaltet, so das sich eine Fortsetzung problemlos anfügen lässt. Beim dritten oder vierten Teil wird es dann schon etwas schwieriger, weil beim Entstehen einer Idee vielleicht Charaktäre oder Schauplätze nicht schlüssig ein oder ausgeblendet wurden. Ein langes und spannendes Thema.

Oftmals ist es so, das gerade der Hype eines Spiel auf den Credits des Vorgängers aufbaut. Werden die geweckten Erwartungen erfüllt oder übertroffen sind alle glücklich. Geht es daneben, kann sich aber niemand hinstellen und sagen, tja betrachten wir doch mal das Spiel ohne den Vorgänger. Wer die Credits aus Teil 2 will muss sich auch einen strengen Vergleich gefallen lassen.

Sehr schönes Thema! Danke
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