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Ein Blog über die FSK, die SZ und den Porno-Filter in Großbr

Von TheQuaktt |

Datum: 30.07.2013 | zuletzt geändert: 31.07.2013, 17:40 Uhr


Dieser Blog wurde ebenfalls veröffentlicht auf: http://thequakt.wordpress.com/



In ihrer heutigen Ausgabe (Nr.172/Samstag/Sontag 27./28.07.2013/ Stadtausgabe) befasste sich die SZ in der Rubrik “Wochenende” mit der vermeintlich zu niedrigen Alterseinstufung diverser Filme. Ein Thema dem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vor drei Jahren immerhin schon einmal eine ganze Doppelseite gewidmet hatte. (Artikel hier und hier) Damals beurteilten die, zugegebenermaßen Pädagogisch unerfahrenen, Journalisten ganz Richtig und befanden zahlreiche FSK:12 Filme als ungerechtfertigter weiße für ein so niedriges Alter freigegeben. Nun schlägt der bereits erwähnte Artikel der SZ (sobald Online verfügbar hier verlinkt) in eine ähnliche Kerbe, befasst sich kurz mit dem Thema Filme, um sich dann, unter Kompletter Missachtung von Computerspielen, den eigentlichen dunklen Ecken des Internets zuzuwenden. Es ist vielleicht an der Zeit, dass die Gaming-Comunity beginnt zu überlegen, wie sie zum Jugendschutz stehen, und ob ein gut funktionierendes Jugendschutzsystem nicht in unser allem Interesse liegen sollte, und mit gut meine ich anders, aber besser als das aktuelle.

Jeder der sich ernsthaft mit dem Gaming beschäftigt, der entwickelt Irgendwann einen Hass auf die FSK. Das hängt unter anderem zusammen mit zahlreichen Unrealistischen Entscheidungen der Vergangenheit. Beispiel gefällig? “Gears of War” 1 und 2 erhielten in Deutschland keine Freigabe und sind damit Indiziert. Der dritte, und übrigens Brutalste Teil der Reihe bekam dann ein uneingeschränktes FSK:18 Siegel, während noch kurz vorher der Publisher EPIC Games das etwa gleichartige “Bulletstorm” nur eine FSK:18 Freigabe erhielt, indem eine derart Geschnittene Version vorgelegt wurde, dass die Atmosphäre nachhaltig beschädigt wurde. Das Thema geschnittene Videospiele sind ein eigener Themenkomplex für sich und soll hier auch nicht weiter behandelt werden, aber jeder, der sich noch an Half Live 2 erinnert geht es mit einem gewissen Trauma im Hinterkopf an.

Die Frage ist nun warum wird ein FSK:18 Spiel, dass ja zumindest nach der Alterseinstufung – vom Spiel übrigens auch – eindeutig auf ein Erwachsenes Publikum ausgelegt ist Geschnitten? Das Problem daran ist, dass man auch mit einer FSK:18 Beschränkung davon ausgehen muss, dass es sich, um es grob zu sagen, jeder Volldepp unter 18 Kaufen kann, wenn er sich beispielsweise die Mühe macht einen Steam-Account mit gefälschtem Geburtsdatum anzulegen. Oder einfach bedingt durch die Tatsache, dass viele Eltern mit der Medialen Entwicklung der letzten Jahre überfordert sind, und ihren Kindern einfach unbesehen Retail-Versionen zum Geburtstag schenken.

Wenn wir also im Umkehrschluss ein System hätten, dass es einer Person u18 unmöglich mach ein ab18-Spiel zu erwerben, so würde das für alle ü18 im endefekt bedeuten, dass deutlich weniger Spiele Indiziert oder Geschnitten werden.

Ich bin, um auf das Problem der überforderten Eltern zurückzukommen,ich ein großer Freund der PEGI Bewertung. Diese druckt im Gegensatz zur FSK nicht einfach nur eine Altersfreigabe auf das Cover, sondern auch eine Reihe von Piktogrammen, die zumindest grob die Richtung angeben. Gewaltdarstellung ist einem egal, aber das Thema Mobbing darf nicht verharmlost werden? Als Elternteil lässt sich dann anhand dieser Piktogramme schnell das passende Spiel heraussuchen. Aber ich gehe davon aus, das sich dieses momentane Problem sowieso lösen wird, wenn die Aktuelle Generation einmal Kinder hat.

Der Artikel behandelt nun aber hauptsächlich die falsche/zu niedrige Alterseinstufung von Filmen, und hier gibt es zwei Effekte die mehr oder weniger coexistieren. Wer sich gerne die alten James Bond Filme ansieht, und diese dann mit den neueren, sagen wir mal ab Timothy Dalton vergleicht, dem wird ohne zweifel auffallen, dass es einen Wandel in der Gewaltdarstellung gegeben hat. Während die ersten Bond-Filme trotz einer FSK:16 Freigabe heute relativ bedenkenlos jedem zwölfjährigem gezeigt werden können, hauptsächlich weil Spezialeffekte usw. noch derart in den Kinderschuhen stecken, dass man die Gewaltdarstellung nach Maßgabe heutiger Filme schon fast als Fiktional darstellen könnte, so gibt es spätestens mit der Einführung von Thimothy Dalton einen Wandel in der Gewaltdarstellung. Die Fleischwolfszene aus “Die Lizenz zum Töten” wird jeder noch gut in Erinnerung haben. Das ist nur ein Beispiel, aber dieses Beispiel steht Signifikant für einen Wandel in der Filmischen Gewaltdarstellung. Der Trend geht eindeutig hin zu etwas, dass ich als “ernsthafte Gewaltdarstellung” bezeichnen möchte, und dass den, im Vergleich, schon fast Slapstickhaften Einlagen der 60ger und 70ger nicht nur gegenübersteht, sondern diese auch vehement ablehnt.

Die Darstellung von Gewalt wurde also realistischer, wurde jedoch nun im Vergleich zu früher derart Häufig eingesetzt, dass ein allgemeiner abstumpfungsefekt eintrat, infolge dessen “Casino Royale” schließlich mit FSK:12 bewertet wurde, was betrachtet man den Gewaltgrad gegen über dem FSK:16 bewertetem ersten Bond Film “James Bond jagt Dr. No” eine geradezu lächerlich niedrige Einstufung ist. In den 60gern wäre “Casino Royale” ohne zweifel mit FSK:18 bewertet worden, wenn nicht sogar Indiziert.

Was sind nun die Schlüsse die man aus dieser Ausführung ziehen kann? Der wichtigste ist wohl, dass der Abstumpfungsefekt, durch übertriebene Gewaltdarstellung, vor dem Medienpsychologen so gerne warnen, kein einfaches Düsteres Zukunftsszenario ist, sondern ein reelles Problem, dass spätestens seit den 80gern immer weiter voranschreitet. So ungern ich das auch sage, aber ich halte es für möglich, dass Menschen wie Manfred Spitzer mit Teilen ihrer Theorien recht habe. Sicher nicht mit allen, aber sollte uns nicht schon ein teilweißes zutreffen dieser Theorien derart schockieren, dass es zu einem totalen umdenken in Sachen Jugendschutz führen müsste? Die Antwort darauf ist bei mir wie bei der SZ ein klar und deutliches Jein.

Im letzten Teil des bereits häufig zitierten Artikels der SZ verlässt nun der Autor die bekannten Gefilde, und begibt sich in die dunklen Tiefen des Internets: Gore, Hardcore-Pornos, Selbstmordforen. Der Autor des Artikels kommt angesichts solcher Abgründe zu dem recht logischem Schluss, dass die Diskussion um FSK:12 oder FSK:16 recht lächerlich anmutet, womit ich eigentlich mit ihm übereinstimme. Und nun kommen wir zur eigentlichen Frage: Ein Pornofilter wie in Großbritannien? Brauchen wir das?

Um die Diskussion für alle verständlich zu machen, zunächst eine Technische Erläuterung. Wie die Sperrung von Porno-Seiten in Großbritannien im einzelnen funktioniert kann ich nicht sagen, vermutlich aber über DNS sperren. Diese sind für die Provider (auf die die Regierung die Verantwortung abwälzt) relativ einfach zu bewerkstelligen. Dummerweise sind sie auch relativ einfach zu umgehen. Nun kommen wir aber zum eigentlichen Clou. Als Kunde bei einem Internet-Provider kann man, mit vorlage seines Personalausweises ganz einfach eine Aufhebung der Sperren beantragen. Pornographie im Internet wird also nicht Ersatzlos gestrichen, es wir unter Achtzehen-Jährigen nur unmöglich gemacht, diese Seiten aufzurufen; außer es werden DNS-Sperren verwendet. Was aber wohl Ersatzlos gestrichen wird sind Gore-Seiten und Selbstmordforen.

Ist ein solcher Filter also gut? Eine schwierige Frage. Die meisten Kinder und Jugendlichen könnten so vor den Dunklen ecken des Internets Geschützt werden. Aber zu welchem Preis? Es wird eine Gewaltige Zensur-Infrastruktur geschaffen. Aufgabe eines Rechtsstaates ist es nicht nur die Bürger zu schützen, sondern auch die Bürger so zu schützen, dass die Schutzsysteme nicht von einer Totalitären Regierung genutzt werden könnten, sollte sie einmal an die Macht kommen. Aus dieser Sicht ist die Antwort: Nein wir dürfen diesen Filter nie verwenden, vor allem weil er im Grunde auch niemanden davon abhält die Betreffenden Seiten aufzusuchen. Im Abschluss bleibt als Jugendschutzmechanismus nur eine Medienausbildung aller Eltern. Wie gesagt ich gehe davon aus, dass das Problem sich weitgehend lösen wird, wenn die aktuell 18-25jährigen Kinder haben.

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Avatar Comerz
Comerz
#1 | 30. Jul 2013, 13:05
Gut geschrieben. Dachte schon es kommt nur ellenlanger Artikel darüber wie Scheiße Zensur und Alterseinschränkung ist. Die meisten Nörgler vergessen halt das das ganze System dahinter auch einen Sinn hat.
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TheQuaktt
#2 | 30. Jul 2013, 13:18
Zitat von Comerz:
Dachte schon es kommt nur ellenlanger Artikel darüber wie Scheiße Zensur und Alterseinschränkung ist.


Danke das du es dir trotz dieser Befürchtung durchgelesen hast. ^^
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Avatar Bethoniel
Bethoniel
#3 | 30. Jul 2013, 14:21
Hab den Blog jetzt nur kurz überflogen (hab grade nicht viel Zeit, hol das aber später noch nach, versprochen), mir ist aber schon mal ein grober Fehler aufgefallen.

Die FSK bewertet keine Spiele. Die FSK (_F_reiwillge _S_elbst_k_ontrolle der Filmwirtschaft) Kontrolliert nur Filme. Spiele werden durch die USK (_U_nterhaltungssoftware _S_elbst_k_ontrolle) bewertet.
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TheQuaktt
#4 | 30. Jul 2013, 16:21
Zitat von Kain2K:

Die FSK bewertet keine Spiele. Die FSK (_F_reiwillge _S_elbst_k_ontrolle der Filmwirtschaft) Kontrolliert nur Filme. Spiele werden durch die USK (_U_nterhaltungssoftware _S_elbst_k_ontrolle) bewertet.


Das ist mehr oder weniger die Selbe Institution... aber du hast recht. USK währe korrekt.
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TheVG
#5 | 30. Jul 2013, 18:59
Schöner Blog, aber du hast meiner Meinung einen wichtigen Aspekt ein bisschen zu wenig reingebracht.

Die USK, FSK usw. bewerten nicht nur aus einem gewissen Standard von Anno Dazumal, sondern passen sich ständig den epochalen Veränderungen an. Heute kannst du ja einem 12-Jährigen einen Zombiefilm reinwerfen, der ihn emotional nicht so berührt, in der 60ern haben sich die Kids noch bei Dracula in die Hose gemacht.

Obwohl ich selbst schon ein bisschen aus dem Muster raustrete. Wenn ich mir einen Repomen oder Watchmen angucke, dann wundere ich mich mittlerweile auch, warum die schon ab 16 freigegeben sind, während vergleichbare Horrorwerke aus den 70ern und 80ern gleich beschlagnahmt worden sind. Aber ich denke, das liegt an den Abstumpfungserscheinungen, weil Watchmen auch schon als "postbrutalisierend" angesehen wird und damit nichts Neues und Schockierendes zu bieten hatte.

Mal davon abgesehen, dass man den Weg nicht einfach so weitergehen sollte. Sich mit Brutalität zu überbieten empfinde ich auch als oberflächlich.
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Avatar Takamisakari
Takamisakari
#6 | 31. Jul 2013, 10:09
Den Pornofilter in UK halte ich auch für zu abwegig und stark lückenhaft (leicht zu umgehen). Das ist nur wieder ein Weg, den man sich hätte sparen können, würde man mehr in die Erziehung investieren. Während jeder komplexere Job eine Ausbildung voraussetzt, lässt man im großen Stil ahnungslose Eltern an unsere Zukunft ran, die vor allem in psychologischer Hinsicht starke Defizite aufweisen. Das Ergebnis sind AK*, die später zu hauf in Shootern anzutreffen sind, womit uns das Thema USK/Pegi wieder einholt, denn man findet in diesen Spielen, die in der Regel ab 18 sind, arg viele Minderjährige vor. Man kann auf die Produkte noch so oft eine Altersbeschränkung raufschreiben, aber die Kinder kommen trotzdem an diese Medien, ebenso wie an Tabakwaren und Alkohol.

Nun ist ja ein Internet-Filter nicht ganz so verkehrt, aber diesen an den Anschluss eines Haushaltes zu koppeln ist zu global strukturiert, denn es ist eine "entweder oder"-Situation, in der eine Sperre nur für die Kinder nicht möglich ist. Sinnvoller ist da, wie beim Fernsehen, die Freigabe durch Eingabe einer PIN.

* Michael Mittermeier lässt grüßen

PS: Bitte mehr auf die Rechtschreibung achten! ;)
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Avatar heisback3
heisback3
#7 | 31. Jul 2013, 17:55
Zitat von Comerz:
Gut geschrieben. Dachte schon es kommt nur ellenlanger Artikel darüber wie Scheiße Zensur und Alterseinschränkung ist. Die meisten Nörgler vergessen halt das das ganze System dahinter auch einen Sinn hat.


ZENSUR ist in jeder Form scheisse, denn ZENSUR bedeutet LÜGE, MANIPULATION, ZWANG und FREIHEITSBERAUBUNG.

Capslock extra nur für dich, weil sonst findet dein Gehirn nicht die richtigen Worte.
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Avatar Comerz
Comerz
#8 | 01. Aug 2013, 08:57
Zitat von heisback3:


ZENSUR ist in jeder Form scheisse, denn ZENSUR bedeutet LÜGE, MANIPULATION, ZWANG und FREIHEITSBERAUBUNG.

Capslock extra nur für dich, weil sonst findet dein Gehirn nicht die richtigen Worte.

Mein Gott wie alt bist du?
Genau deswegen lässt man Kinder kein Bulletstorm spielen.
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