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Von TheVG |

Datum: 14.08.2013 | zuletzt geändert: 16.08.2013, 08:09 Uhr


Noch eine kurze Anmerkung vorweg: Es kann sein, dass manche den folgenden Text nicht so sehr verstehen werden. Kann ich auch verstehen, weil ich da sehr metaphysisch und philosophisch an das Thema herangehe. Aber nehmt Euch mal die Zeit, eure Auffassung dazu hineinzubringen, das produziert für meine Begriffe gerne mal ganz gute Ansichten :)

Diskutieren bildet.

Sich auszutauschen, das bedeutet Wissen, Reflektieren und Meinungen zu bilden. Natürlich ist menschlich gesehen das Diskutieren von unschätzbarem Wert, und es darf auch gerne mal etwas tiefer gehen. Cogito ergo sum.


Nun, ich kenne Latein nicht so gut, um jetzt Blogs darin zu verfassen, aber es interessiert mich, und wenn es formal nicht stimmen sollte, auch gut. Irgendwer weiß es ja vielleicht besser. Doch wenn man das Internet zum Diskutieren heranzieht, verwandeln sich Diskussionen (die ich als Wissensaustausch interpretiere) nicht selten in Scharmützel (was ich gar nicht so toll finde). Ich möchte jetzt auch nicht konkret auf eine Plattform eingehen, sondern nur mal allgemeine Grundprinzipien ansprechen, die immer wieder in den Fokus rücken und damit Auffälligkeiten verraten.

Im Internet zu diskutieren ist - und da dürften mir wohl nicht wenige zustimmen - äußerst schwierig. Zugegeben: Man hat da kein konkretes Gesicht vor Augen, sondern nur Worte und somit Inhalte. Aber gerade das sollte im Normalfall Anlass genug sein, eine rein sachliche Debatte anzustoßen, die vielleicht auch darauf hinausläuft, Wissen zu mehren. Leider ist das selten der Fall. Sobald Emotionen mit hineinfließen, kann eine Diskussion regelmäßig ausarten. Hier sollen zwar eigene Ansichten vermittelt werden, aber auch rein faktische Dinge aufgeführt werden, die das Unumgängliche zu einer allgemeingültigen Aussage ausweiten und somit unanfechtbar sein sollten. Das Problem dabei: Wirklich keine Diskussion oder Meinungsäußerung wird von wirklich ALLEN zu 100 Prozent anerkannt. Selbst die sachlichste Feststellung wird immer wieder von Subjektivität zerflossen, dass Grund zum Diskutieren präsent ist.

Spätestens hier wird einem klar: Es gibt keine unausweichliche Antwort und Wahrheit. Es wird immer jemanden geben, der eine populäre und allgemein anerkannte Sache als Unfug hinstellt. Und so lange es diesen Jemand gibt, wird immer Stoff für hitzige Debatten geboten werden. Nun muss eine Sache, die von der Mehrheit anerkannt ist, nicht unbedingt wahr sein. Dann hat ein Einzelner jedoch auch einen schweren oder fast unmöglichen Stand gegen die große Meute an Gleichdenkenden. Anders herum ist es auch nicht einfach, jemanden vom Gegenteil zu überzeugen, weil da immer noch die ein oder andere Quelle heranziehbar ist, die seine Aussagen untermauern.

Vielleicht sind Dinge wie ein wachsender Baum ja der ultimative Wahrheitsbeweis, und wir kennen Details aus dem Schulwissen, weil Beweise vorhanden sind. Doch in Dingen menschlichen Sachverhaltens wird es keine Beweise geben, sondern nur reine Subjektivität. Unser Lebensstil, unsere Errungenschaften, unsere Forschungen - selbst das sind teils nur Hirngespinste unserer Bemühungen, sich zu verbessern und fortzuschreiten. Wenn also jemand Demokratie als das Nonplusultra aller Regierungsformen sieht, wird es immer jemanden geben, der Demokratie verteufelt - egal ob aus tiefster Überzeugung oder Erfahrungswerten, die ihm mehr oder weniger eine andere Lebenslinie beschert haben als dem Gegenüber.

Also bleibt unser Leben immer wieder ein Mysterium. Es gibt, vor allem nach heutigen Maßstäben, so gut wie nichts, was uns unumstößlich in eine bestimmte Richtung bewegt. Das heißt auch, dass wir uns die Realitäten mitunter selbst erschaffen, um unser Leben zu beeinflussen. Man sieht die Möglichkeiten, man nutzt sie, und schon ist das Sein ein ganz anderes als noch vor 100 Jahren, zum Beispiel. Und wir sind nicht die Art von Spezies, die alles gottgegeben hinnimmt. Ehrlich gesagt sind wir sogar die einzige Spezies, die überhaupt so weit denken kann (oder will?). Große oder kleinste Dinge anzuzweifeln - das ist unsere Fähigkeit.

Und somit sind wir wieder in den Blogs, Foren, Leserbriefecken oder Thinktanks im Büro, wo wir unsere Ideen mehr oder weniger überzeugend auf die Artgenossen loslassen. Nun kommt es nur noch auf die Aufnahmefähigkeit jedes Einzelnen an. Inwiefern ist jemand bereit, Ideen als gültig anzusehen? Wie sieht er seine Erfolgschancen, Ansichten so zu vermitteln, dass man ihm unbescholten glauben mag? Naja, wir Deutschen wissen zu gut, wie das laufen kann. Heute sind wir uns größtenteils einig, dass Hitler was falsch gemacht hatte, aber wie sah das in den 30er Jahren aus? Wurde da von der Bevölkerung die Ansicht vertreten, dass genau dieser Führungsstil der richtige für die Welt ist? Nein, es gab wieder diese kleine Gruppe, die sich dagegen stemmen wollte, also war dies wieder nichts, was die Lösung von allem entsprach. Oder warum sehnt sich so mancher heute nach den guten, alten Ritterszeiten (obwohl die als so dreckig, blutig und diktatorisch galten)?

Und genau hier möchte ich mich nun ausklinken. Es gibt keine allgemeingültige Antwort dafür. Es ist ein subjektives Empfinden, und jeder hat seine eigene Antwort parat. Ich weiß ehrlich gesagt selbst mal nicht, was richtig oder falsch ist, aber bemühe mich, vieles davon zu verstehen. Nur eines verstehe ich ganz und gar nicht (und will es offen gesagt auch nicht): Warum wird immer wieder diese Debattiererei losgetreten, wenn wirklich jedes angesprochene Thema zu keinem hundertprozentigem Ergebnis führt? Trotzdem gibt es sie. Die, die bis zum Schluss durchhalten wollen - bis zum Erbrechen...

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