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Ear-sinn #1: Meshuggah

Von TheVG |

Datum: 19.09.2013 | zuletzt geändert: 24.09.2013, 22:11 Uhr


In einer kleinen Blogreihe möchte ich ein bisschen die musikalischen Ecken abklappern, die niemand so richtig auf dem Chartkieker hat (egal welches Genre).

Ebenfalls total am Kieker vorbei lief bisher immer bei mir Meshuggah, die mir zwar schon seit mittlerweile über 20 Jahren ein Begriff sind. ich aber erst seit 2002 richtig gut finde. Das lag unter anderem an dem Rotzcharakter ihrer frühen Veröffentlichungen, aber auch daran, dass man sich als Extremmusikfan auch erstmal stilistisch in die Richtung bewegen muss, um - blöd ausgedrückt - "bereit" für solche akustischen Auswüchse zu sein.

Meshuggah gingen früh den Weg, den der Thrash hätte weitergehen können, wenn er nicht so gerne an seinen Basics festgehalten hätte. Deren erste Aufnahme "Contradictions collapse" klang soundtechnisch wie ein Undeground-Thrash-Act, aber auch mit diesen holprigen Stakkatoeinsätzen, die schon leicht verdächtige Züge annahmen, als man immer wieder so leicht über die Schiene hinausdachte und recht schrägen Riffcharakter integrierte. Als Kiddie war mir das noch zu schräg gewesen, wenn ich heute da reinhöre, denke ich erstaunterweise: "Hey, wie straight klangen die denn früher mal?"

Es ist wahrlich nicht mehr einfach, die Anfänge von Meshuggah heute noch in heutige Strukturen hineinzudenken. Im Werdegang entwickelten sich die Schweden schon schnell in polyrythmische Sphären, als sie begannen, den üblichen Taktzyklus regelmäßig zu durchbrechen. Mit "Destroy Erase Improve" wurde schon ein bisschen mehr um die Ecke gedacht, auch wenn die Band gerne mal diese punkig-crustigen In-die-Fresse-Parts auspackten und damit ordentlich Hintern traten. Textlich befand sich die Band schon früh auf einem anderen Niveau wie die Sauf- und Partyfraktion sowie abseits von billiger Systemkritik.

Die Ära "Chaosphere" und "Nothing" zementierte dann letztlich den Weg der Skandinavier zum absoluten Novum der metallischen Taktverschiebung. mit dem 1998er Output "Chaosphere" herrschte noch ein krachiges Soundchaos vor, das nun keine Ausreden mehr kannte und sich eingestand: "Ich bin anders!" Als Neueinsteiger sollte man sich aber nicht zuerst mit "Chaosphere" auseinandersetzen. Das Album ist zu kratzig produziert und von daher wenig leicht für´s Ohr, darüber hinaus gibt es noch nicht die Brechertracks, die einen zum Kauf animieren würden - auch wenn die Presse mit dieser Scheibe erst so richtig begann, Massenhuldigung zu betreiben.

Naja, dann kam die Scheibe raus, die mich gebrochen hatte. 2002 erblickte "Nothing" das Licht der Welt, und was im Vorgänger noch als chaotisch herausstach, hatte hier endlich Methode.Dieses Leiern und Quietschen und Gestolper, aber auch dieses Methodische, Bedrückende und doch wieder Schöne - wenn eine Platte es schafft, mir ständige Stoßatmung zu entlocken, dann muss irgendwie etwas dahinter stecken, selbst wenn es so taktlos und monoton daherkommen mag. Das ist nicht "Nichts", es ist die Perfektion des Imperfektionismus.

Die Ernüchterung kam aber schon ein Album später, als man sich mit "Catch 33" (2005) dazu entschloss, quasi ein 1-Track-Album aufzunehmen. Eine nette Idee sicherlich, zeugt auch weiterhin vom Innovationsdrang der Band, aber - und das macht das Album so sperrig - nur in Nuancen im Ganzen hörbar, weil sich das Hauptriff ständig wiederholt und sich nur von außen ständigen Veränderungen unterzieht. Das nagte doch sehr am Geduldsfaden des geneigten Fans, der dann drei Jahre später froh darum war, dass sich "obZen" wieder alter Tugenden belehrte. Dass die zusammen mit ihrem bisher letzten Scheibchen "Koloss" von 2012 soundmäßig noch am dicksten anhören, muss man da einfach gutheißen, auch wenn ich noch nicht einmal die vielen EPs und Bonusfrisbees ausgepackt habe, die die Band so über den Äther geschoben haben.

Meshuggah reizen aus. Nein, sie wollen wohl noch nicht einmal die extremste Band der Welt sein, sind es aber in gewisser Weise doch. Weil Taktuntreue doch was für die Masse sein kann, denn die Jungs sind erfolgreich wie nie, spielen Touren mit fetten Bands und erscheinen auch regelmäßig in wichtigen Albumcharts. Im gewissen Maße deckt die Band für mich das ab, was mir in Massen so im Metalmarkt an Bereitschaft fehlt: Abwechslung. Dafür dieser Blog. Wer mich, meine Vorlieben und die Band sowie die Szene irgendwie runterdrücken will (gelle, liebe Klugscheißer-Foristen): Ihr könnt mich bei allem Respekt mal.

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