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Braucht man noch Handbücher?

Von tiger tank |

Datum: 07.05.2013 | zuletzt geändert: 14.01.2014, 13:51 Uhr


Jeder kennt es. Die zunehmende Digitalisierung der Gaming-Industrie hat uns gewiss einige Vorteile gebracht. Mal abgesehen von lästigen DRM-Maßnahmen, kann man sein Spiel nun (je nach Internetgeschwindigkeit) bequem downloaden und muss es sich nicht mehr im Laden kaufen. Auch die Installations-CD stirbt langsam aus, ebenso die klassische Verpackung. Zumindest was ihren Inhalt betrifft. Wer heute den Datenträger aus der Hülle zieht, wird dort häufig nicht mehr viel vorfinden. Vielleicht den Aktivierungs-Key, gelegentlich auch Werbung für diverse Zusatzinhalte.

Generell verschwunden zu sein, scheint aber das klassische Handbuch. Meist ist es überhaupt nicht mehr vorhanden oder leidet zumindest unter chronischer Magersucht. Als ich kürzlich Rome: Total War aus dem Regal zog, fand ich dort eine knapp 100-seitige Anleitung vor, die mir alle Aspekte des Spiels ausführlich erläuterte. Mit Empire waren es plötzlich nur noch an die 20 Seiten, die im Schnelldurchlauf alle Neuerungen beschreiben, für den Neueinsteiger aber gänzlich ungeeignet schienen. Auch die Mass Effect-Trilogie verabschiedete sich mit dem dritten Teil gänzlich von sämtlichen schriftlichen Hilfsmitteln, als ob es sie nie gegeben hätte.

Schmerzlich bewusst wurde mir diese Tatsache, als ich vor einigen Wochen Arsenal of Democracy, einen Ableger der Hearts of Iron-Serie, bei Steam kaufte. Komplex wie für einen Paradox-Titel üblich, war ich bald auf das Handbuch angewiesen, das - natürlich - nur in digitaler Form (und auf Englisch) vorlag. Glücklicherweise fand ich zwar eine deutsche Übersetzung im Netz, permanent zwischen dem Spiel und des Desktop hin und her zu springen war aber auch nicht gerade angenehm. Und die 120 Seiten ausdrucken wollte ich nun auch nicht.

Und hier sehe ich den Kern des Problems. Bei wirklich komplexen Titeln bin ich auf ein Handbuch angewiesen, andererseits bin ich an noch keinem Mass Effect gescheitert, nur weil die Anleitung nicht dabei lag. Die meisten Neuerscheinugen unterstützen den Spieler zudem mit Tutorials und einblendbaren Tipps, sodass ein Blick ins gedruckte Wort häufig nicht mehr nötig ist. Dennoch gibt es dann wieder die ein oder andere Stelle, wo ich mir einen schnellen Blick in die Anleitung wünschen würde, ohne stundenlang durch eine PDF scrollen zu müssen. Die Druckfassung hat zudem den Vorteil, dass sie nicht einfrieren kann (vielleicht entflammen), nur weil der Adobe Reader sich mal wieder aus unerfindlichen Gründen aufhängen musste. Auch muss ich in der klassischen Variante keine Fenster minimieren oder Browser aufrufen. Andererseits bleibt ein verlorenes Handbuch in der Regel verloren. Eine PDF kann ich jederzeit wieder downloaden.

Braucht man Handbücher also überhaupt noch? Genügen Tutorials oder hängt das Ganze vom Genre ab? Wie steht Ihr dazu?

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Avatar FoSheezy
FoSheezy
#1 | 07. Mai 2013, 22:53
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar Cd-Labs: Radon Project
Cd-Labs: Radon Project
#2 | 07. Mai 2013, 22:58
"Braucht man Handbücher also überhaupt noch? Genügen Tutorials oder hängt das Ganze vom Genre ab? Wie steht Ihr dazu?"
In meinen Augen ist das gesamte nicht einmal Genreabängig, sondern einfach nur von der Komplexitität UNGLAUBLICH abhängig:

Wie du schon gut dargestellt hast: Ein Mass Effect braucht kein klassisches Handbuch, ein extrem komplexes Spiel, sei es ein RTS, RTT, C-RPG, ein Simulator oder auch einfach nur ein Spiel mit einer abartigen Steuerung braucht es in meinen Augen schon irgendwie:

Was aber in meinen Augen auf jeden Fall viel mehr Spiele brauchen würden, wären einige Hintergrundlektürenbände:
Z.B.: Kartenmaterial für RPGs, Fraktionseinleitungsbroschüren für RTS und RTT oder einfach ein Art "Reiseführer" für die Welt:
Das lohnt sich natülich auch nur bei interessanten, Handgemachten Welten, bringt dann aber richtig viel rüber:
Das hat in meinen Augen auch das viel geschmähte Ultima IX aufgewertet:
Die Ausstattung war einfach super schön!
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Avatar TheVG
TheVG
#3 | 08. Mai 2013, 08:35
Also, so, wie die Spiele heute aufgebaut sind, sind Handbücher wirklich unnötig geworden. Wenn du früher ein Spiel gezockt hast, dann begann das Spiel auch entsprechend ohne Hinweise, was bedeutete, dass ein Blick ins Handbuch sogar Pflicht war. Heute kriegst du ja jede Bewegung/Aktion mit erklärt, was soll da noch so ein Handbuch mehr verraten? Ich will sogar behaupten, dass die heute eher ein Medium der Desinformation darstellen.

Merke ich gerade bei The Witcher, weil ich da nicht alles erfasst habe, was die Spielmechanik so hergibt. Ein Blick ins Handbuch verriet mir nur, welche Bildschirme es gibt. Dabei wollte ich genau wissen, wie und wo Alchimie nutzbar ist.
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Avatar Maggus3
Maggus3
#4 | 08. Mai 2013, 08:49
Es kommt drauf an. Je komplexer das Spiel, desto eher möchte ich ein Handbuch.

Aber auch bei an sich unkomplexen Spielen wie seiner Zeit San Andreas fand ich das Handbuch toll, da es wie ein Reiseführer aufgemacht war.
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Avatar Takamisakari
Takamisakari
#5 | 08. Mai 2013, 11:02
Zu jeder Software gehört auch eine (ausführliche) Hilfe, sei es virtuell oder real. Die wohl umständlichste Art ist die PDF-/Web-Form, weil man nicht einfach nur das Spiel pausiert, sondern es indirekt verlassen muss. Die Technik dazu (Alt+Tab und/oder Windows-Taste) ist dem normalen Doof-User nicht bekannt. Für Konsolen-Spieler ist das teilweise noch umständlicher. In digitaler Form ist eine InGame-Hilfe die sinnvollste Lösung, zumal hier ggf. der Vorteil ausgenutzt werden kann, zur entsprechende Situation direkt das passende Kapitel zu öffnen bzw. Hilfe-Icons im Spiel zu platzieren, und Tool-Tipps runden die Sache ab. Sobald es aber recht komplex wird, dann ist es schon von Vorteil, nebenher in ein Print-Medium zu schauen. Eine komplexe Steuerung, eine Zutaten-Liste usw. kann man dann auch mal nebenbei ablesen und muss gar nicht erst pausieren.

Das Optimum wäre also ein (redundanter) Mix aus InGame-Hilfe und zellularem Handbuch. Im Zuge der Vereinfachung vieler Spiele wird eine Hilfe fast schon unnötig, sodass die Ausgangsfrage durchaus verneint werden kann.

Als Racer muss ich aber auch mal bemängeln, dass doch arg an Handbüchern gespart wird. Allein das Fahrzeugsetup mit all seinen Einstellmöglichkeiten zu Reifen, Aufhängung, Sturz usw. bedarf einer ausführlichen Erklärung, um zu begreifen, welchen Effekt eine Verstellung haben wird.

Bei der Versorgung mit Handbüchern hat für mich Codemasters den Vogel abgeschossen. In der Retail-Version von DiRT 3 liegt eine Art Kurzanleitung bei, wo der Hinweis auf das "ausführliche" PDF-Handbuch steht. Dieser Hinweis besagt, dass man es sich online herunterladen kann. Moment mal, ich habe eine Retail-Version, sprich ich habe einen Datenträger ... und wieso ist das nicht einfach dort mit drauf? (es war noch reichlich Platz) Stattdessen muss man sich auf deren Website, die dann auch noch (wegen eines Hackerangriffs) ewig lange (mehrere Monate) offline war und immer auf die Facebook-Seite verlinkt hat. So war überhaupt kein Drankommen an das Handbuch.

Meine Meinung zur Ausgangsfrage: Ob man ein Handbuch benötigt, hängt von jedem selbst ab, doch es ist eine Pflicht, soetwas bereitzustellen, und das nicht nur aus Service-Gründen. Die Realität sieht nämlich so aus, dass jeder, der seine Fragen wegen des fehlenden Handbuchs online im Forum stellt bzw. die Antworten dort nachliest. Nachdem die selben Fragen immer wieder auftauchen, fragt man sich als Foren-User, warum die sowas nicht im Handbuch nachlesen ... upps, das fehlt ja oder ist unzureichend.
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Avatar Gra
Gra
#6 | 14. Jan 2014, 13:57
Ja ich erinnere mich noch an das relativ magere, im Vergleich zu SW:KotR, Handbuch zu Drakensang.
Als ich kurze Zeit später Divinity gekauft habe fragte ich mich warum das nicht Farbig ist wie bei Drakensang?
Seit kurzen scheinen Handbücher Total Out zu sein, schade denn Teilweise waren die Handbücher genial Aufgebaut und vermittlten viel Hintergrundwissen.
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