Zum Thema » Kino-Kanal auf GameStar.de Kritiken, News und Trailer » Trailer zu Kinofilmen Interviews und Trailer im Überblick Auf dem Sundance Film Festival standen sie in ihren Sitzen. Fans, Journalisten und Leute, die nie zuvor von The Raid gehört hatten. Regisseur Gareth Evans wurde schon für sein Debut gefeiert, aber was jetzt nach The Raid 2 los war, das ist doch ungewöhnlich. Einige Wenige wollten sogar den »Dark Knight der Actionfilme« gesehen haben, zogen in ihrem Übereifer Vergleiche zu Der Pate 2 oder Terminator 2.

Um die Tragweite dieser Vergleiche zu verstehen, muss man sich kurz mit den genannten Klassikern befassen. Der Pate Teil 2 gilt allgemeinhin als Beispiel für die perfekte Fortsetzung, Terminator 2 zeigte bei Erscheinen, um wieviele Stufen man die Qualität eines Films auf jeder denkbaren Ebene noch anheben kann. Beide gelten als einsame Gegenargumente für die Annahme, dass Fortsetzugen immer schlechter sind, als das Original.

Der Pate stand Pate

Um jedoch ganz ehrlich zu sein: Der Vergleich mit dem Paten hinkt ein wenig. Francis Ford Copolla macht beim zweiten Teil seiner Mafiasaga einfach alles noch einmal genauso, nur eben ein bisschen besser. Terminator 2 hingegen wirkte bei Erscheinen, als sei er von einem völlig anderem Regisseur gedreht worden. Alles war größer, besser und darüberhinaus deutlich wertigerer. So ist es auch bei The Raid 2.

Klar, die Actionszenen werden aufgedreht. Aber weniger war ja auch nicht zu erwarten. Evans oberste Priorität gilt jedoch merklich dem Sorgenkind des ersten Teils - der Handlung. Mehr als ein müder Aufhänger für jede Menge Gekloppe war die in The Raid nicht. Es geht um ein Haus und das wird gestürmt. Muss doch wohl reichen.

The Raid 2
Ucok ist der Sohn eines Unterweltbosses. Mit ihm muss sich Rama anfreunden.

Nun machten sich zwar schon damals Gareth Evans Ambitionen bemerktbar die Handlung mit kleinen Akzenten zu unterfüttern, seine Gangster-Mär mit korrupten Cops, mit ungleichen Brüdern und tiefergreifenden Zwistigkeiten anzureichern, aber im atemlosen Gewitter fliegender Fäuste und schlitzender Macheten gingen die oft wirren Zusammenhänge am Ende dann trotzdem heillos unter.

Volles Pfund aufs Maul

Ironischerweise sorgt das zu Beginn von The Raid 2 gleich für die ersten Fragezeichen. Der fängt nämlich fast nahtlos dort an, wo Teil eins endete - nur eben das man sich kaum an die Figurenkonstellation des Erstlings erinnern mag und daher erst einmal ratlos bleibt. Evans nutzt The Raid aber ohnehin nur noch als Aufhänger, den mit dieser Fortsetzung, das machte er auch in Interviews immer wieder klar, schwebt ihm Großes vor.

Deshalb wird aus der kleinen, sehr klaustrophobischen Ein-Mann-gegen-Alle-Story nun eine Gangster-Oper im Stile japanischer Yakuza-Streifen oder amerikanischer Mafia-Werke, wie wir sie von Scorsese kennen. Plötzlich öffnet sich diese scheinbar so kleine Welt und spuckt ein Konglomerat aus rivalisierenden Banden, korrupten Behörden, aus Auftragsattentätern und Vater-Sohn-Beziehungen aus.

Wie gern Evans sein Werk auch in die Riege der großen Mobster-Klassiker aufgenommen sehen möchte, zeigt allein schon die epische Laufzeit: Über zweieinhalb Stunden braucht The Raid 2 für seine Geschichte und läuft damit glatt eine gute Stunde länger als der Vorgänger. Bis dahin entzweien sich Familien, werden Blutsbande getrennt und bittere Feindschaften gepflegt.