Steam Tipp des Tages :

Update: Das Steam-Angebot ist inzwischen leider abgelaufen. Valiant Hearts wird aber regelmäßig runtergesetzt und der Steam Halloween Sale dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Das Intro zu Battlefield 1 begrüßt mich mit einem Krankenbett. Dann bin ich plötzlich auf dem Schlachtfeld. Soldaten werden erschossen, Köpfe zerschmettert, Körper sinken regungslos zu Boden - und ich bin mittendrin.

Was Battlefield 1 da versucht, ist mir den Schrecken des Krieges näherzubringen. Und tatsächlich gibt es in den fünf War Stories und dem Prolog den ein oder anderen Moment, der mich berührt. Andererseits verkommt die Kampagne oft genug zur simplen Schießbude. Außerdem spiele ich weder auf Seiten der Mittelmächte, noch erfahre ich etwas über das Schicksal der Zivilbevölkerung, die unter den Schrecken des Kriegs ähnlich zu leiden hatte, wie die Soldaten.

Wie man den Kriegshorror wirklich einfängt, zeigt ein ganz anderes Spiel. Und das gibt es aktuell für nur 3,74 Euro auf Steam.

Hier geht's zum GameStar-Test zu Valiant Hearts

Hier geht's zum Deal bei Steam

Mehr als nur ein Spiel

Die Rede ist von Valiant Hearts: The Great War, Ubisofts erstem Indie-Experiment, das seinerzeit auf der E3 2014 vorgestellt wurde. Schon der erste Trailer rührte mich damals beinahe zu Tränen. Denn trotz niedlicher Comic-Grafik wird schnell deutlich, dass vom Krieg neben ganzen Ländern eben auch immer tragische Einzelschicksale abhängen.

In diesem Fall die von vier Personen, die ich abwechselnd durch den Ersten Weltkrieg begleite. Valiant Hearts lässt mich zu keinem Zeitpunkt vergessen, dass seine Figuren eben keine knallharten Soldaten, sondern einfach nur Menschen sind. Menschen, die wieder nach Hause zu ihren Lieben und eben nicht töten wollen.

Plus-Report: Der Erste Weltkrieg in Spielen

So lebte der Deutsche Karl eigentlich in Frankreich als Landarbeiter, wollte dort eine Familie gründen und wird wenig später zurück nach Deutschland eingezogen - um gegen seine Wahlheimat in den Krieg zu ziehen. Ähnlich tragisch ergeht es der jungen Belgierin Anna, die eigentlich Tiermedizin studiert und nun die Truppen an der Front verarzten muss, während ihr Vater vom Feind gefangen gehalten wird, um neues Kriegsgerät zu bauen.

Auch der niedliche Hund Walt weckt mit jedem Schwanzwedeln mein Mitgefühl. Valiant Hearts ist so keine leichte Kost, schafft es aber, dass ich mich wirklich mit dem damaligen Geschehen auseinandersetzen möchte - mehr als das Schulbücher, Wikipedia und Dokumentationen gemeinsam hinbekommen hätten. Ich kann nur noch einmal betonen, was ich schon in meinem Steam-Tipp zu Never Alone erwähnt habe: Spiele haben durch ihre Interaktivität eben die geniale Chance, uns jedes Thema umso plastischer und spannender zu vermitteln, weil wir selbst auf einmal mitten drin sind. Sie müssen sie nur öfter nutzen.

Valiant Hearts: The Great War
Wenn wir durchs Feldlazarett laufen, haben wir einen Kloß im Hals.

Ein Krieg, viele Geschichten

Umso beeindruckender, dass Valiant Hearts sogar für seine historische Exaktheit ausgezeichnet wurde. Klar, in erster Linie will mir das Spiel eine Geschichte erzählen und das klappt auch wahnsinnig gut, aber umso begieriger macht es mich dafür eben auch, die historischen Hintergründe der Ereignisse zu erfahren. Und stillt meinen Hunger gleich über echte Fakten zum Krieg, die ich mit jedem Kapitel freischalte. Vorbildlich!

Nicht ganz so vorbildlich ist dafür leider der spielerische Teil: Puzzle-Rätsel und nervige Quick-Time-Events in Fahrzeugsequenzen reißen mich eher unangenehm aus der Erzählung, als sie tatsächlich zu bereichern. Das schmälter die ganz besondere Erfahrung, die mir der Comic-Trip in den Ersten Weltkrieg bietet, aber kaum. Valiant Hearts hat mich mit seiner fantastischen Erzählung zu Tränen gerührt. Drei Euro ist das definitiv mehr als wert.

Erster Weltkrieg: 5 spannende Alternativen zu Battlefield 1