Nach dem Amoklauf von Connecticut wo zum wiederholten Male Menschen, darunter 20 Kinder, durch den Gebrauch von Schusswaffen ihr Leben lassen mussten, flammt wiedermal die Debatte um strengere Waffengesetze in den USA auf, jedoch werden diese nicht von Erfolg sein, da sich sowohl die Mehrheit der Bevölkerung, der Supreme Court und ein Großteil der Mitglieder von Repräsentantenhaus und Senat sich gegen eine Verschärfung aussprechen. In den folgenden Zeilen gehe ich auf mögliche Gründe und die Ist-Situation in den USA ein. Als Vergleichsland verwende ich die Schweiz, welches ein ähnlich liberales Waffenrecht besitzt.
Waffenrecht der USA und Schweiz
Werfen wir zu Beginn einen Blick auf das amerikanische Waffenrecht. Der
2. Verfassungszusatz garantiert jedem amerikanischen Staatsbürger, mittlerweile auch Besitzern einer Green Card, Waffen zur Selbstverteidigung zu besitzen und auch zu tragen. Einschränkungen gibt es lediglich in einigen Bundesstaaten, wo zwischen dem Kauf und dem Aushändigen der Waffen 5 Tage liegen, in denen ein Hintergrundcheck des Käufers durchgeführt wird, ursprünglich galt dieses Gesetz (Brady Bill) im ganzen Land, es wurde jedoch vom Supreme Court als nicht Verfassungskonform eingestuft und darum wieder abgeschafft. 1
In der Schweiz gelten ähnlich laxe Regelungen. Grundsätzlich ist es jedem volljährigen Staatsbürger erlaubt, Waffen zu erwerben. Für alle Waffentypen, ausgenommen einschüssige Gewehre und Pistolen, ist ein Waffenschein von Nöten, welcher jedoch von jedem Bürger beantragt werden kann und auch genehmigt wird, falls kein Eintrag im Strafregister vorhanden ist. Ehemaligen Armeeangehörigen, auch Präsenzdienern, ist es erlaubt ihr Sturmgewehr 90 nach Ende des Dienstes mit nach Hause zu nehmen, falls ein Waffenschein vorhanden ist. 2
Wichtige Vergleichszahlen
Werfen wir nun einen Blick auf die wichtigsten Vergleichszahlen, welche für eine vollkommene Sicht auf das Problem von Nöten sind.
Vergleichszahl USA Schweiz Hochgerechnet
Gesamtanzahl Schusswaffen 270.000.000 3.400.000 135.176.137
Durchschnittliche Anzahl
Schusswaffen pro Einwohner 0,89 0,45
Waffenbesitz pro 100 Einwohner 88,8 45,7
Tote durch Schusswaffen 9.146 40 1579
Tote durch Schusswaffen pro 2,98 0,52
100.00 Einwohner
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Analysieren wir kurz diese Zahlen. In den USA gibt es, bei einem nur dezent liberaleren Waffengesetzes, zwar ca. doppelt so viele Waffen in der Bevölkerung jedoch fast 6 mal so viele Tote durch Schusswaffen jedes Jahr als in der Schweiz. Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass es nicht allein die lockeren Waffengesetze sind, welche Schuld an den vielen Toten, auch an Amokläufen, in den Vereinigten Staaten tragen. Würden die liberalen Gesetze der Hauptgrund sein, müsste es in der Schweiz jährlich mindestens ca. 4500 Tote durch Schusswaffen geben, wenn man die 40 Toten in Relation mit der Anzahl der Waffen und der Einwohner setzt.
Widmen wir uns also nun den möglichen Gründen für dieses Problem. Natürlich sind vor allem Amokläufe in 90 % der Fälle Taten von geistig gestörten Menschen und darum ist hier ein genereller Vergleich nicht möglich. Jedoch gibt es allgemeine Gründe, weshalb es in keinem industrialisierten Land der Welt so viele Tote durch Schusswaffen gibt, wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Gründe die gerne genannt werden, jedoch nicht schlüssig sind
Gewalttätige Computerspiele, Musik, Filme und historische Wurzeln wurden von amerikanischen Politikern als Gründe nach dem Amoklauf an der Columbine High School genannt. Jedoch sind diese nicht schlüssig. In der Schweiz werden die gleichen gewalttätigen Computerspiele gespielt und die selben Hollywood-Produktionen gesehen. Ebenfalls wird in beiden Ländern die gleiche aggressive und manchmal auch gewalttätige Musik gehört. Auch die durchaus gewalttätige amerikanische Geschichte ist kein logischer Grund. Deutschland hat eine ähnlich kriegerische Vergangenheit, jedoch werden hier jährlich nur 0,2 von 100.00 Menschen durch Schusswaffen getötet.
Ein sehr wahrscheinlicher Grund
Nun widme ich mich einem, auch wissenschaftlich, schlüssigen Grund. Nämlich der Wahrnehmung von Gewalt und der Angst vor theoretisch möglicher Gefahr, welche man nicht an einem selbst erfährt, sondern durch die Medien und die Politik. Hierzu betrachte ich die Anzahl von Kriminalität im Fernsehen und der generellen Stimmung innerhalb der Bevölkerung, in den USA vor allem durch eine politisch gesteuerte, dauerhafte Angst vor Terrorismus.
Das Gewalt im Fernsehen direkte Auswirkungen auf die Angst der Bevölkerung und auf Vorstellungen der Zuschauer über Gewalt hat, ist unumstritten, so kommt Frau Harald Kania vom Berliner Forum Gewaltprävention in einer Studie zu folgendem Fazit „Bemerkenswert ist, dass allen Formaten zumindest eine mittelstarke Wirksamkeit
(auf die Vorstellungen beim Normalzuschauer) zugestanden wird, wobei kaum Unterschiede zwischen den Sendungen wahrgenommen werden“ 4
Jeder Amerikaner kommt täglich in Kontakt mit medialer Gewalt und Kriminalität. Eine Untersuchung der „University of Central Florida“ kommt zum Ergebnis, das im Abendprogramm der amerikanischen Fernsehsender durchschnittlich 1,7 Kriminelle pro Sendung, unabhängig vom Format, gezeigt werden. Weiters wurde seit 9/11, speziell von der Administration Bush, der Bevölkerung durch entsprechende Meldungen und neue Gesetze der Eindruck vermittelt, Gefahren und vor allem Terroristen finden sich überall in der Bevölkerung und Anschläge sind überall und jederzeit möglich. 5
Das amerikanische Volk wird also durchaus bewusst ständig in Angst gehalten, was natürlich dazu führt, das sich die Menschen gegen diesen von Regierung und Medien produzierten Gefahrenzustand verteidigen wollen und was wäre da besser, als eine eigene Waffe zu besitzen und diese auch vorsichtshalber gegen jede potenzielle Gefahr zu verwenden. Der Tod könnte ja um jede Ecke lauern. So explodieren nach jedem Amoklauf im ganzen Land die Waffen- und Munitionsverkäufe und die Medien „warnen“ davor, dass so eine Gewalttat jederzeit und überall im ganzen Land möglich ist.
Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied zur Schweiz. Die Präsenz von Gewalt im Fernsehen ist deutlich geringer. Noch wichtiger ist jedoch, dass die schweizer Regierung nicht ständig Angst in der Bevölkerung erzeugt indem sie davor warnt, das jeder andere Bürger potenziell gefährlich ist und man sich ständig schützen muss.
Was sich ändern muss
Es sind nicht die liberalen Waffengesetze welche der Hauptgrund und auch das Hauptproblem von Gewalt durch Schusswaffen in den USA sind. Es ist eine Medienlandschaft und vor allem Politik, welche einen dauerhaften Angstzustand im amerikanischen Volk erzeugt und aufrechterhält. Sie treibt die Bevölkerung quasi zu den Waffen. Und genau hier gehört der Hebel zur Lösung des Problems angesetzt.
Quellen:
1: http://de.wikipedia.org/wiki/Wa ffenrecht_(Vereinigte_Staaten)
2: http://de.wikipedia.org/wiki/Wa ffengesetz_(Schweiz)
3: http://www.gunpolicy.org/firear ms/region/united-states
4: http://www.berlin.de/imperia/md /content/lb-lkbgg/praevention/ opfervongewaltundkriminalitaet/ kriminalitaetsfurcht/bfg_12_200 3_11_kania.pdf? start&ts=1193740543&file=bfg_12 _2003_11_kania.pdf
5: http://pegasus.cc.ucf.edu/~sure tte/crimewave.html