Als junger Teenager fiel mir eine kopierte Version eines Spiels in die Hände, das mich für ein gewisses Genre öffnete und später zum Fan machen sollte. Nein, keine Kopie wie wir sie alle auf unseren Festplatten verstecken, sondern eine richtige Kopie. Zettel in einem Hefter.
Es handelte sich um das Regelwerk des Pen & Paper RPGs "Cyberpunk 2020"
Die meisten Leute denken mittlerweile an den Film "Matrix", wenn sie das Wort Cyberpunk hören, aber manche wissen auch, dass das Genre viel früher begründet wurde. 1982 kam "Blade Runner" in die Kinos und sollte mit seinem Design den Look dieses Genres festlegen. Natürlich, darf ein Film, oder ein Spiel auch anders aussehen. Sieht eine Stadt aber aus wie es damals in Blade Runner der Fall war, sagen die Leute mit Sicherheit, "DAS ist Cyberpunk".
William Gibson, der geistige Vater des Cyberpunk, soll als er den Film im Kino sah geheult haben, dass die beste Idee die er je hatte schon jemand vor ihm hatte. Zwei Jahre später veröffentlichte er dann seine Idee - den Roman "Neuromancer".
In Neuromancer tauchte erstmals der Begriff Cyberspace auf wie wir ihn heute kennen. Der Roman handelt von einem jungen Hacker der sich mittels seines Cyberdecks in die Matrix, einer halluzinatorischen dreidimensionalen Darstellung des Internets, begibt.
Dabei enthielt der Roman bereits alle Themen die zum Cyberpunk gehörten und definierte diese. Der Zerfall einer technophilen Gesellschafft in einer globalisierten dystopischen Welt, die von Konzernen statt Politikern beherrscht wird.
Selbstverständlich griffen auch andere diese Ideen auf und es gab sie vermutlich auch schon vorher aber plötzlich wurde es als eigenes Genre der Sciencefiction angesehen und brauchte einen Namen. Die Welt klebte dem ganzen ein Etikett auf und auf diesem stand CYBERPUNK.
Bereits eine Dekade später galt das Genre wieder als tot. Natürlich wurden immernoch Filme und Spiele aus der Richtung produziert, wie zum Beispiel Matrix oder Deus Ex, aber im Grunde hatten sich die Ideen schon überholt.
Hatte Gibson seinen Roman noch auf der Schreibmaschine getippt zog nun der PC in die Häuser ein. Die Fiction des Cyberspace wurde in Form des Internets wahr und dass die Konflikte in Nahost geführt werden um den Menschen dort die Demokratie zu bringen und es nicht um wirtschaftliche Interessen ginge, glaubt schon lange keiner mehr.
Nichts wurde aber so düster und dystopisch wie man in den 80ern noch glaubte.
Oder etwa doch?...
Die Filme der letzten Jahre, wenn man sie noch zum Cyberpunk zählen kann, sehen etwas anders aus. In Minority Report fuchtelt Tom Cruice wild vor seinem Computer rum und heute läßt Kinect grüßen. Eidos veröffentlichte vor kurzem eine kleine Doku zu ihrem neuen Titel Deus Ex: Human Revolution und zeigte wie weit die Prothesen heute schon sind und wie wenig entfernt wir von einer Zukunft sein könnten in der kybernetische Prothesen an der Tagesordnung sind.
Ist der Cyberpunk also tot? - Nein.
Ist er überholt? - Vielleicht! Aber dann auch nur, weil wir schon mitten drin stecken.