Eine Warnung zu Beginn: im Folgenden werde ich rumheulen, mich selbst bemitleiden und über meine Ängste schwadronieren. Ganz einfach, weil dieses Jahr in den Top Five der miesesten Jahre meines (relativ jungen) Lebens aktuell auf dem ersten Platz liegt und, wenn ich mir ausmale, wie ein Jahr sein müsste, um dieses noch zu übertreffen, hoffentlich auch noch lange auf dem ersten Platz bleibt.
Wieso ich das hier in einem Blog mache? Ganz einfach: Zwar habe ich Familie und Freunde, die ich damit vollquatschen könnte, aber für die meisten davon war das Jahr auch nicht besser und es würde ihnen nicht helfen, sie auch noch mit meinem Kram zu belasten.
Inwieweit es jetzt besser ist, völlig Fremde mit meinen Problemen, Sorgen und Ängsten vollzuheulen, ist mir zwar auch nicht ganz klar, aber hey: Ihr müsst es ja nicht lesen.
Also, dieses Jahr hat schon mal wundervoll begonnen, nämlich damit, dass ich in der Wohnung meines großen Bruders dessen Leiche fand. Gemeinsam mit meiner Schwester, deren Schrei mir jetzt noch im Ohr klingt. Abgesehen davon, dass es der wohl schlimmste Tag in meinem Leben, dem meiner Eltern und meiner Schwester war, hat mir das auch noch unsanftestens meine eigene Sterblichkeit bewusst gemacht. Weshalb ich in unschöner Regelmäßigkeit von Panikattacken und Albträumen heimgesucht werde.
Eine Woche nach der Beerdigung bekamen wir einen Anruf. Mein Onkel lag mit einem Schädelbasisbruch im Spital. Nach einigen Wochen konnte er wieder nach Hause, und es blieben weder Narben noch Dauerschäden, wofür ich - und alle anderen - dankbar sind. Doch seitdem wird mir jedesmal schlecht, wenn ich das Handy meiner Mutter klingeln höre, und ich kann keinen anderen Gedanken fassen als: BITTE NICHT SCHON WIEDER. ES DARF NICHT NOCH ETWAS SEIN.
Gut, wer jetzt schon denkt: 'So ein blöder und weinerlicher Blog', dem sage ich nochmal: Hey, ihr müsst es ja nicht lesen.
Dann wurde meinem Vater für einen Autounfall, den er letztes Jahr hatte, die volle Schuld zugesprochen - Folge: Die Versicherung zahlt nicht für die Reparatur des Autos, daher 10.000€ Schulden. Aufgrund des Autounfalls habe ich übrigens seither jedesmal Angst, wenn mein Vater abends zehn Minuten später als sonst heimkommt, dass etwas passiert sein könnte.
Und ja, ich wohne noch bei meinen Eltern. Vor einem Jahr dachte ich mir noch: Hoffentlich kann ich es mir bald leisten, auszuziehen, möglichst alleine, notfalls mit Mitbewohner. Da ich aber ständig daran denken muss, dass mein Bruder ganz alleine war, als er starb, würde ich jetzt nicht mal mehr alleine in eine Wohnung ziehen, wenn ich sie gratis bekäme.
Diesen September hat dann mein kleiner Neffe in einem unbeobachteten Moment eine Teekanne umgestoßen. Folge: Verbrühungen des halben Oberkörpers, meine Schwester kurz vor Nervenzusammenbruch. Weiters nichts passiert, Verbrühungen sind schon wieder verheilt, keine Narben.
Aber es gab dieses Jahr auch ein paar gute Dinge, mein Großvater besiegte den Darmkrebs, sowohl mein Onkel als auch mein Neffe haben keine Dauerschäden, ich mache eine Ausbildung in einem der sichersten Berufe der Welt, ich habe neue Freunde gefunden.
Um das hier nicht misszuverstehen, ich weiß, dass es Leute gibt, denen es verdammt nochmal schlechter geht als mir. Aber ganz ehrlich, es fällt mir schwer, mich mit so einem Gedanken zu trösten; denn wenn ich daran denke, denke ich nicht "Hey, im Vergleich gehts mir ja nicht so schlecht" sondern viel eher: "Und noch mehr Leid auf der Welt."
Doch zu allem bereits berichteten schlechten kommt hinzu, dass ich, so lächerlich und unlogisch es auch ist, mich tatsächlich davor fürchte, dass am 21.12.2012, wie von den Mayas angeblich prophezeit, die Welt untergehen könnte. Ja, es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, sich Sorgen zu machen, ja, die Mayas glauben selbst nicht an einen Weltuntergang, sondern an den Beginn eines neuen Zeitalters, und angeblich hat man einen zweiten Maya-Kalender gefunden, der die Zeitrechnung noch weiterführt. Aber verdammt: Das hilft mir nicht. ich versuche mich abzulenken und alles, aber irgendwie hilfts nichts.
Jetzt dürfte jeder begriffen haben, dass ich psychisch zur Zeit etwas angegriffen bin, weshalb es mir natürlich besonders gut tat, heute zwischen einigen Kommentaren auf Youtube so 'ne Art Ketten-Kommentar zu lesen, in dem stand: 'Wenn du diesen Kommentar nicht kopierst und innerhalb von zwei Stunden auf zehn Seiten postest, wirst du ihn zwei Tagen sterben.'
Ich war kurz davor, völlig zusammenzubrechen, mich auf den Boden zu legen und auf den Weltuntergang oder den Tod zu warten.
Wenn ich das so lese, kommt mir eine Therapie wie eine gute Idee vor.
Wie auch immer, jetzt, wo ich all das hier auf GS.de losgeworden bin, gehts mir doch ein wenig besser. Fragt mich nicht, warum.
Ganz ehrlich, ich hatte erwartet, an dieser Stelle irgendeine Eingebung zu bekommen, einen abschließenden, tröstenden Gedanken, an den ich mich klammern und den ich hier posten könnte. Aber es kommt keine. Tja, das ist jetzt etwas deprimierend.
Sollte ich irgendjemandem mit all diesem Rumgeheule den Abend versaut haben, tut es mir ehrlich leid. Ich wollte mir das Ganze einfach mal von der Seele reden bzw. schreiben, ohne jemanden, den ich mag, zu belasten.
Zum Abschluss noch eine kleine Hoffnung: Bitte, bitte, liebes Jahr 2013: Komm bald, komm sicher und ohne Weltuntergang, und vor allem: Werde ein kleines bisschen besser.