Aufgrund der Kontroverse um den
Speedrun-Report von Robert Brandl lese ich mir natürlich wieder vordergründig die Kommentare durch und muss mal wieder feststellen, wie belustigend die Diskussion in ausufernde Beschuldigungen und Pauschalverurteilungen ausgeartet ist. Nun muss ich ja mal wieder spontan ein paar Worte loswerden, wie ich das sehe und eventuell mal andere Meinungen einholen, wie so manch einer über sowas und das Drumherum denkt.
Ich weiß ja nicht, was die Nein-Sager dazu bewegt, dem jungen Herrn Brandl einen Entzug an realem, täglichem Leben anzudichten, aber da schwingt wohl die Annahme mit, dass er wohl seinen Tag damit verplempern mag, Spiele so oft zu spielen, dass es jedem "Normalsterblichen" schon mindestens dreimal aus den Ohren gekommen wäre. Da würde ich mal assoziieren, dass Brandl morgens nach dem Aufstehen den PC neben seinem Bett aufsuchen und das noch laufende Spiel im Hauptmenü zum zigsten Mal anginge, um den nächsten Speedrun zu versuchen. Am Abend zuvor hätte er 35:02 Minuten gebraucht, um den Weltrekord zu brechen, versuche er diese noch zu unterbieten (die Zeiten unterstehen keinem realen Bezug). Essen und Trinken bestünden aus angebrochenen Snickers-Fünferpacks und halbleeren Wasserflaschen, die sich alle in Reichweite des Bürostuhls befänden. Um es zu resümieren: Der Mann wäre die Abart des gestandenen WoW-Dauerspielers, dem Außenstehende eine Sucht bescheinigen würden.
Das ist nur ein etwas abgedrehtes Szenario, das ihm die Skeptiker anzuheften versuchen. Natürlich muss man die Laufwege kennen, um sich im Spiel den kürzesten zu suchen, natürlich muss man wissen, wo die Gegner auftauchen, um sie entweder mit einem Schuss abzuknallen oder ihnen effektiv aus dem Weg zu gehen. Aber mal ehrlich: Hat vielleicht mal jemand daran gedacht, dass es seine Passion ist, beim ersten Spielen sich gewisse Dinge zu merken und diese für seinen Schnelldurchlauf anzuwenden? Vielleicht geht er schon beim ersten Anspielen schon mit dem Gedanken an die Sache, wie man am schnellsten da durchkommt. Vielleicht hat er einfach mal die Zeit oder das Glück, neben seinen alltäglichen Sachen das Spiel eher analytisch anzugehen anstatt die Levels in ihrem eigentlichen Vorhaben durchzuspielen.
Doom 3 wurde ja bekanntlich konzipiert, ein Horrorspiel zu sein, in dem sich die Spieler vor spawnenden Gegnern fürchten sollen. Was ich vermute: Die Kritiker sehen sich in ihrer Art des Spielens irgendwie angegriffen. Wenn jemand nur mit dem Vorsatz, ein Spiel so schnell wie möglich zu durchschreiten, die Hauptzutat, das Gruseln, völlig außen vor lässt, muss man wohl zu wenig von seinem Leben haben. Wirklich eine eindimensionale Sicht auf gewisse Dinge, die die Community da zutage fördert. Zumindest habe ich das so verstanden, was man Brandl hier so andichtet.
Nun steht aber unausgesprochen auch das im Raum, was man den Gegensprechern so andichten müsste. Ich denke da immer in einer Form, auch mal die Gegenseite zu bewerten. Was mir dabei, snychron zur allgemeinen Spielerkultur, ins Gedächtnis kommt, sind die Spieler, die World of Warcraft oder sonstige Open World-Spieler besser kennen dürften als ihre unmittelbare Nachbarschaft. Heißt wohl auch, dass sie hunderte Spielstunden darin investiert haben, jede Ecke einer Spielwelt abzuklappern, bis sie den 43. NPC mit Vornamen, Charakterwerten und Questinhalten besser zu kennen als den Stand ihres Girokontos nach Eingang ihres Monatsgehaltes. Rein objektiv betrachtet ist diese Form des Spielens das extreme Gegenteil eines Speedruns - allerdings mit ähnlichem Zeitaufwand.
Daher glaube ich auch, dass nicht wenige hier eine Ansicht vertreten, die so gegen diese Spielweise angehen. Ich selbst kann insofern nicht mit Speedruns anfangen, als dass sie mir zu hektisch sind - rein von der Art des Aufnehmbaren. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Robert Brandl einen Realitätsverlust bescheinigen muss. Ich selbst sehe mich da eher irgendwo dazwischen. Ich will die Story eines Spiels schon erleben, muss aber nicht alles kennen, was mir eventuell unter den Fingern durchflutschen könnte. Daher finde ich, ist es doch wurscht, ob man sich jetzt auf die schnelle oder die gründliche Tour des Durchspielens versteht.- Spaß kann ja beides machen.