Bioware hat sich in Sachen DLCs eine hohe Messlatte gelegt seit Mass Effect 2. Der Shadow Broker DLC wird in vielen DLC Tests als Referenz genommen und auch die erste Erweiterung von Mass Effect 3 (Leviatan) war auf einem hohen Niveau. Aufgrund dessen waren die Erwartungen an die Omega Erweiterung nicht gerade klein.
Die Ausgangslage ist klar. Schon als das Spiel erschien, konnte man beim Gespräch mit Aria im Purgatory Club förmlich riechen, dass hier noch etwas nachgereicht werden soll. Nun wird man nach dem Runterladen des DLCs brieflich gebeten sich mit Aria in einem neuen Bereich der Citadell zu treffen. Nach dieser 5-minütigen Einführung, in der die Gespräche praktisch von selbst ablaufen und man schon fast verwundert ist, wenn man auswählen darf, was Shepard sagt (das zieht sich so weiter), triff man sich mit Arias Flotte und los gehts nach Omega und der Rückeroberung der Station. Damit ist im Prinzip die ganze Story zusammengefasst. Für das Lösen dieser Aufgabe darf man keine Begleiter aus der Mass Effect 3 Crew mitnehmen. An eure Seite gesellen sich Aria und im späteren Verlauf noch eine Turianerin. Warum man nun genau Aria bei der Rückeroberung hilft wenn doch da draussen ein Reaperkrieg tobt? Ganz einfach: Es gibt zusätzliche Unterstützung beim Kampf gegen die Reaper. Als Spieler könnt ihr nun sagen, dass ihr nur wegen ein paar Punkten mehr bei den militärischen Kräfte absolut kein Interesse daran habt. Bei einer Invasion kann es aber nie schaden noch mehr eigene Truppen zu haben.
Die Angriffe der beiden neuen Begleiter, welche man nach Abschluss der DLC übrigens nicht in der Crew aufnehmen kann, sind mächtiger als die meisten anderen im Spiel vorhandenen. Bioware nimmt dies als Grund, uns mit noch mehr Gegner als üblich zu bombadieren. Wirklich schwieriger wird es deswegen nicht, es zieht sich nur jedes Feuergefecht etwas länger hin. Zwei dieser mächtigen Angriffe lassen sich nach dem Beenden der DLC für Shepard freischalten.
Bioware sprach von dem grössten DLC bisher und das liessen sie auch die Spieler spüren, indem man nicht wie üblich 800 Bioware Punkte bezahlen muss, sondern gleich 1200 (12-15 Euro je nach Händler). Bei den DLCs für 800 Punkte gab es etwa 3 Stunden Inhalt. Dann müsste man bei 1200 Punkten etwa um die 5 Stunden erhalten. Genau das wirft ein schiefes Licht auf die Erweiterung. Ich fühle mich um mindestens 400 Punkte betrogen denn die Rückeroberung von Omega dauert nicht einmal drei Stunden. Dabei sind alle Nebenaufgaben mit einbezogen und auch die Umgebung wurde teilweise immer mal wieder genossen. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad kann man die 3 Stunden wohl knapp ausfüllen, was der Anzahl an Gegnern zu verdanken ist. Genau diese 400 Punkte zu viel lasten der Omega Erweiterung schwer an. Selbst wenn das Niveau von Shadowbroker erreicht werden würde, wäre es der Schatten dieser zu vielen Punkte, die in keinster Weise für den Spieler zu rechtfertigen sind.
Es fühlt sich auch irgendwie an, als werde dem Spieler nicht der ganze DLC gezeigt. Von den neuen Reapereinheiten kriegt man nur sehr wenige zu sehen und auch wenn es für die eigentliche Geschichte rund um Mass Effect absolut unwichtig ist, hätte man doch gerne mehr erfahren über Aria, die Turianerin und den General von Cerberus. Auch frühere Charaktere von Omega die man in Mass Effect 2 getroffen hat, werden entweder nur ganz am Rande angeschnitten oder leider erst gar nicht erwähnt. Grosse Spannung kann nicht aufgebaut werden und die Schockmomente sind weit von dem entfernt, was zum Beispiel Overlord zu bieten hatte. Dies wohl auch, weil man die Charakter nie richtig ins Herz schliessen kann oder der Bösewicht einem keinen Grund gibt ihn richtig zu hassen. Auch die Entscheidungen von Shepard sind irgendwie belanglos. Warum sollte ich die Bürger von Omega rette, wo es sich doch bei den meisten um Verbrecher handelt? Warum sprengt man Omega nicht einfach in die Luft und den ganzen Verbrecherabschaum mit?
Positives
- Schön gestaltete Levels
- Die zwei neuen Fähigkeiten sind mächtig und machen Spass
Negatives
- Zu teuer
- Mit drei Stunden Spielzeit viel zu kurz
- Unbedeutend was die eigentliche Handlung von Mass Effect 3 betrifft
- Die Gegnerwellen wollen teilweise nicht enden
- Weder Story noch Charaktere mögen richtig zu motivieren
Fazit: Wäre Omega als Nebenaufgabe bereits in Mass Effect 3 vorhanden gewesen, hätte man wohl von einer schönen Nebenquest geredet wenn nicht von der schönsten Mission. Der Nebengeschmack des hohen Preises, der geringen Spieldauer und der Handlung ohne wirkliche Höhepunkte wiegt aber viel zu schwer. Alles in allem nicht gerade der beste DLC von Bioware aber auch nicht der Schlechteste. Knapp Gut. Nicht mehr, nicht weniger.