Ich glaube, ich bin geheilt. Wovon? Vom Suchen nach Fehlern, vom Unfertigen, und vom Drang, alles als erster haben zu wollen. Ich bin geheilt, von der Beta. Glaube ich.
Eigentlich ist so eine Beta, besonders die Closed Beta, ja eine super Sache. Hungrige Spieler, die größten Fans einer Serie, dürfen Hand anlegen an die neueste Schöpfung ihrer Lieblings-Entwickler, und das kostenlos. Dann dürfen sie vor allen anderen einen Blick auf das werfen, was mal der hoffentlich nächste gute Teil ihrer geliebten Spieleserie wird. Man hat wirklich die Chance, den Entwicklern zu helfen, Fehler auszumerzen, den Rohdiamant zu schleifen. Die Mitarbeit an unfertigen Spielen zu übernehmen, ist doch eigentlich ein Traum für jeden Spieler. Oder?
Ich muss diese Frage zumindest für mich mit Nein beantworten. Vor allem die beiden Closed Betas zu Anno 2070 und Anno Online haben mir das vor Augen geführt. Ich werde jetzt nichts über den Stand den damaligen oder aktuellen Stand ausplaudern oder die Spiele generell kritisieren, auch weil sie das nicht verdient hätten. Es gibt andere Gründe.
Zuerst einmal der offensichtlichste: Wer nach Fehlern sucht, wird auch welche finden. So ist das immer und so ist das auch bei Spielen. Und wer mit einer „Wo sind hier die Macken?“-Einstellung spielt, wird keinen Spaß haben. Aber genau das ist es doch, was die Beta von einem verlangt. Für mich zerstört das einen Großteil der Atmosphäre des Spiels, sowohl in der Beta als auch hinterher in der Endfassung, wenn ich jeden Fehler, jede Kante kenne und ständig darüber stolpere.
Ein weiterer Punkt ist der fehlende Wow-Moment, wenn man ein neues Spiel zum ersten Mal spielt. Ich kenne das doch alles schon! Da ist nichts mehr neu, nichts mehr zum ersten Mal zu sehen, und das ernüchtert schon ein Stück weit. Dazu kommt, dass man das unfertige Spiel ja auch schon gesehen hat und der erste Eindruck daher höchstens mittelmäßig war. Ich werfe zum ersten Mal einen Blick auf die Spielwelt und sie sieht besch...eiden aus. Das macht man so schnell nicht wieder wett. Auch hier wird ein Atmosphäre für mich persönlich, nicht für alle anderen, kaputt gemacht.
Und wenn mir das Spiel dann nicht so wirklich gefallen hat, kaufe ich es dann? Einerseits war es in der Beta, also noch nicht endgültig bewertbar, andererseits habe ich es ja schon gesehen, und wenn es mich nicht überzeugt hat, will ich es vielleicht doch nicht mehr, weil ich ja für den vollen Preis kaum noch neue Inhalte bekomme. Platt gesagt: Ich habe das Spiel schon durch gespielt oder zumindest einige Teile, dann brauche ich es doch nicht zu kaufen, oder?
Sollen wir das Testen also sein lassen? Schwierige Frage. Zum einen, weil es die Möglichkeiten an der aktiven Mitwirkung an der Entwicklungsphase nicht schmälert, zum anderen, weil die Entwickler auch auf Beta-Tester angewiesen sind. Sollte ein Team neben der Entwicklung auch noch in solchem Umfang testen, wie es die Beta-Tester tun, müsste man jeden Release-Termin ein paar Monate nach hinten verschieben. Darüber hinaus müssen ja die Leute testen, die das Spiel noch nicht kennen, um eine neutrale Perspektive zu haben. Besonders Online-Spiele und solche mit Online-Komponenten brauchen darüber hinaus eine große Menge Tester, um die Server zu testen.
So leid es mir tut, aber dieser letzte Punkt kann alle anderen Aspekte meiner Meinung nach nicht aufwiegen. Sorry und Goodbye, Beta.