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Filmkritik: Die rote Flut

Mittwoch, 08. Februar 2012 | 23:04
„Die rote Flut“ nimmt sich das Thema des 3.Weltkriegs an und die Invasion der USA durch die Russen. Mit diesem Film erschuf John Milius ein banales und plumpes Meisterwerk.


Die Russen kommen! (Story)
Es ist ein ganz normaler Tag in einer amerikanischen Kleinstadt, während der 80er Jahre. Die Menschen gehen ihren Tätigkeiten nach und die Schüler sitzen in der Schule. Doch plötzlich  landen schwer bewaffnete Fallschirmspringer und nehmen jeden Bürger unter Beschuss. Der „Kalte Krieg“ wurde zum dritten Weltkrieg. Die USA werden angegriffen! Kuba und die Sowjetunion besetzen Teile der USA und unterdrücken die Bevölkerung. Die rote Invasion hat begonnen! Eine kleine Gruppe von jugendlichen Schülern schafft es zu fliehen und beginnt einen Guerillakrieg gegen die Russen. Die Brüder Jed (gespielt von Patrick Swayze) und Matt (gespielt von Charlie Sheen) führen die Widerstandsgruppe an und versuchen als Partisane für die Freiheit zu kämpfen.


Kapitalismus gegen Kommunismus
„Die rote Flut“ ist wohl eindeutig ein Propagandafilm des „Kalten Krieges“, ähnlich wie der Film „Die grünen Teufel“. Doch dieses Mal sind die Amerikaner nicht die tapferen Retter, sondern die unschuldigen Opfer. Denn die böse Sowjetunion ist auferstanden, nur um die „freie Welt“ zu unterdrücken. Genosse Kuba ist dabei natürlich der Verbündete der Russen. Eine Story, die unglaubwürdiger nicht sein könnte. Russland besetzt die USA, wie unwahrscheinlich ist bitte dieses Szenario? Aber gut, so sah damals halt der amerikanische Alptraum aus. Marschierende russische Stiefel auf amerikanischen Boden. Ein Szenario, was bis heute fasziniert. Doch bleibt der Film in allen Bereichen plump, banal, seicht und klischeehaft. Die Russen sind typisch klischeehaft. Böse Russen in ihren Uniformen, die unterdrücken und ermorden. So werden Bücher verbrannt, unschuldige Bürger werden exekutiert, Umerziehungslager werden gebaut, Berichte über Vergewaltigung tauchen auf und Berichte über Atomwaffeneinsätze werden erwähnt. Stalin und Hitler lassen grüßen, denn so werden die Russen in „Die rote Flut“ dargestellt. Man könnte es auch als böse Satire auf den Vietnamkrieg sehen, wo die Amerikaner den Platz der Vietnamesen einnehmen, aber das wäre vielleicht etwas zu weit hergeholt. Viel mehr zeigt der Film wohl die Angst vorm damaligen Wettrüsten und die Folgen, die daraus entstehen könnten (3.Weltkrieg).


Born in the U.S.A.
Den Russen entgegen tritt eine Gruppe von amerikanischen Teenagern, die sich als tapfere Guerillakämpfer probieren. Dabei kommt natürlich mal wieder der amerikanische Patriotismus sehr stark durch, aber das ist ja bei einem modernen Propagandafilm irgendwie klar. Unterstrichen wird das Ganze mit einem schon fast nervigem Soundtrack, der jedoch noch halbwegs ertragbar ist. Nicht ertragbar sind die wirklich oberflächlichen Charaktere, die überhaupt keinen Tiefgang haben. Patrick Swayze und Charlie Sheen sind hier als junge Schauspieler irgendwie recht uninteressant und durchaus ersetzbar gewesen, doch viel falsch machen sie auch nicht. Anscheinend lag es einfach am Drehbuch. Zumindest konnte Charlie Sheen wohl in diesen Film einige Erfahrungen sammeln für seinen späteren großartigen Film „Platoon“. Sonst gibt es, wie gesagt halt wenig gute schauspielerische Leistung, alles bleibt aber glaubhaft.


Rolle von Deutschland im dritten Weltkrieg
Im Film wird manchmal erklärt, was mit den anderen Ländern ist oder was überhaupt los ist. In China wird zum Beispiel fast die halbe Bevölkerung von den Russen ausgelöscht. In Mexiko war irgendeine Revolution und Europa hält sich bis auf England raus. Europa denkt, das zwei Weltkriege in einem Jahrhundert mehr als genug sind. Schlaues Europa! Aber was ist mit Deutschland in Europa? Da blendet man am Anfang einfach ein, dass die Grünen die Wahl gewonnen haben und gegen Nuklearwaffen sind. Deutschland nicht dabei im 3.Weltkrieg? Ja, man merkt schon, dass das Drehbuch vom einen Genie ist. Wenn man bedenkt, das die Grünen in den „80er Jahren“ an der Macht sind und in China fast die Hälfte der Bevölkerung abgeschlachtet wird. Aber gut im Film ist halt alles möglich. Immerhin wird ja auch die USA zum Teil besetzt. Nennen wir das mal künstlerische Freiheit.


Hol mir mein Gewehr, das mit dem Blut dran!
Die Widerstandsgruppe hört auf den Name: Wolverines (wird übersetzt mit „Vielfraße“) und versteckt sich in einer wunderschönen bergischen Landschaft, um ihren Guerillakrieg zu führen. Wir reden hier von einer handvoll Jugendlicher, die gegen die Sowjetarmee kämpfen. Wirkt aber manchmal eher wie ein Western mit Russen. „Rambo“ wäre stolz auf diese Teenager. Gnadenlos wird ein Haufen von Russen niedergeschossen und aufgerieben. Der Film hat mit die meisten Gewaltszenen in der Filmgeschichte. Und wir reden hier über einem Film mit deutlichen Drama-Elementen!  Doch diese werden immer wieder unterbrochen durch die stumpfsinnigen „Rambo“-Actioneinlagen. Dafür bekommt man aber eine gute Ausstattung zu sehen. Waffen, Panzer und Helikopter alles ist im Film gut verteilt. Auch die Effekte stimmen halbwegs.


Fazit: „Die rote Flut“ ist einfach banal, seicht, klischeehaft und plump, doch in seiner Art auch irgendwie gut. Ein schon kultiges und schlechtes Meisterwerk zugleich von John Milius.

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